ATX verlor 3,4 Prozent

Schuldenkrise lähmt

ATX sackt wieder ab und verliert 3,3 %

Die Wiener Börse hat die äußerst volatile Sitzung am Freitag erneut mit starken Verlusten beendet. Nach den massiven Abschlägen von drei Prozent konnte sich der heimische Aktienmarkt im Verlauf deutlich erholen. Im Späthandel sackte er im Gleichklang mit den europäischen Börsen jedoch rasch wieder ab.

Der ATX ging letztlich um 79,7 Punkte oder 3,33 Prozent schwächer bei 2.311,77 Einheiten aus dem Handel. Damit lag die tatsächliche Entwicklung des Leitindex rund acht Punkte unter der heutigen Händlerprognose im APA-Konsensus von 2.320 Punkten. Zum Vergleich die wichtigsten Börsenindizes um 17.30 Uhr MEZ: Dow Jones/New York -0,97 Prozent, DAX/Frankfurt -3,26 Prozent, FTSE/London -2,62 Prozent und CAC-40/Paris -3,72 Prozent.

Marktteilnehmer verwiesen auf das klar negative Börsenumfeld, dem sich die Wiener Börse nicht entziehen konnte. Die Nervösität vor der Ausweitung der Schuldenkrise in Europa werde immer größer, so ein Händler. Vor dem Wochenende hätten zudem einige Akteure am Markt ihre Engagements glattgestellt, um sich weniger Risiko auszusetzen, hieß es.

Gute Nachrichten wie die positiv ausgegangene Abstimmung zu den Griechenland-Hilfen im Deutschen Bundestag konnten die Stimmung nicht nachhaltig verbessern. Auch die Ankündigung einer Telefonkonferenz der G-7-Finanzminister konnte das Ruder nicht herumreißen. Die guten US-Arbeitsmarktdaten verpufften am Nachmittag ebenso wirkungslos.

Auf Wochensicht musste der ATX nach den herben Verlusten in den vergangenen vier Sitzungen einen Abschlag von 12,77 Prozent einfahren. Der tiefste Stand wurde am Freitag gegen 16.50 Uhr bei 2.298,00 Zählern markiert, was dem tiefsten Stand seit August 2009 entspricht. Größer Wochenverlierer waren Intercell mit einem Abschlag von 17,50 Prozent. Die Bankenwerte wurden besonders gebeutelt: Erste Group lagen 17,16 Prozent im Minus, Raiffeisen International rutschten auf Wochensicht 15,97 Prozent ab.

Am Freitag drehten die Bankenwerte im Späthandel erneut deutlich ins Minus ab. Die Titel von Raiffeisen International, die es im Verlauf sogar in den positiven Bereich schafften, sackten 3,95 Prozent auf 31,09 Euro ab. Erste Group büßten 1,34 Prozent auf 28,00 Euro ein.

OMV rutschten vor dem Hintergrund wieder gefallener Ölpreise um 5,29 Prozent auf 24,34 Euro ab. Die besser als erwartet ausgefallenen Erstquartalszahlen blieben ohne Wirkung, auch eine Kaufempfehlung durch die RCB konnte in diesem schwachen Umfeld nicht helfen. Auch von Andritz gab es Zahlen, die im Rahmen der Analystenerwartungen ausfielen. Die Titel schlossen um 4,07 Prozent niedriger bei 41,25 Euro.

Wienerberger verloren 1,53 Prozent auf 12,90 Euro. Wie nach Börsenschluss bekanntwurde, stufte die Ratingagentur die Aussichten für den Ziegelhersteller nach unten. Das Rating wurde von "Ba1 stabil" auf "Ba1 negativ" gesenkt, was mit den schwachen Erstquartalszahlen begründet wurde.

Größter Verlierer im ATX waren Intercell, deren Papiere um 7,20 Prozent auf 16,50 Euro einbrachen. Im ATX Prime fand sich nur ein einziger Gewinner: Die Titel von UNIQA erhöhten sich um 0,88 Prozent auf 13,72 Euro.

Auf der nächsten Seite: Der Tag an den Börsen zum Nachlesen!

Alle News zum Börsegeschehen zum Nachlesen:

15:50 Uhr: Die Amerikaner können sich nicht zu einer Gegenbewegung an den Märkten durchringen und setzen stattdessen ihre Korrektur fort. Für die Europa-Börse bedeutet das im Schlepptau nichts Gutes. Der ATX hat die -2 % wieder erreicht. Es wird verkauft querbeet. Aktuell machen Angst und Stop-Loss-Orders die Politik an den Märkten, unternehmerisches Denken ist ausgeblendet.

15:42 Uhr: Auch an den US-Börsen haben die Futures nicht das gehalten, was sie versprochen haben: Der Dow Jones gibt weitere 0,37 % zur Eröffnung ab, der breitere S&P-500 0,43 %, der Nasdaq Composite sogar 0,69 %. Alle wollen raus aus Aktien. Eine gewaltige Umschichtung an Werten findet statt.

15:37 Uhr: Entweder ist das jetzt nur die letzte Verkaufswelle oder es geht tatsächlich auch zum Wochenausklang noch einmal richtig dick nach unten. Mittlerweile deutet viel auf letzteres. Es herrscht Panik auf den Märkten.

15:36 Uhr: Auch Raiffeisen International ist wieder ins Minus gedreht, im ATX kann momentan nur bwin ein kleines Plus von 0,5 Plus vorweisen. Langsam wird es unverständlich.

15:35 Uhr: Trotz positiver US-Futures zeigen die europäischen Börsen nach wie vor kaum Regung nach oben. Im Gegenteil: Der ATX nickt wieder in Richtung -2 %, auch der DAX ist mittlerweile 1 % im roten Terrain. Wer in Wien beispielsweise derzeit Aktien der Telekom Austria kauft, lukriert in 2,5 Wochen fast 10 % Dividende. Eingedenk aktueller Tagesgeldzinsen von gerade einmal 1,5 % ein Wahnsinn.

15:31 Uhr: Das Hauptaugenmerk liegt aktuell aber auf dem Pfund, das gegenüber dem Euro mit massiven Abschlägen von 3 % tendiert. Die Märkte hatten auf ein klares Ergebnis gehofft und zeigten sich in Folge über den Wahlausgang nicht erfreut. Der Wahlsieger der Konservativen, David Cameron, wird in Kürze vor die Presse treten, was am Markt aufmerksam verfolgt werden wird.

15:30 Uhr: Etwas höher zum Niveau von heute zeigt sich der Euro gegenüber dem US-Dollar. Laut einem Marktteilnehmer sucht der Markt noch seine Richtung, "die er noch nicht gefunden hat". Der Euro konnte zuletzt die Marke von 1,2800 Dollar nicht überspringen. Nach unten liege ein wichtiger Punkt bei 1,2675 Dollar. Sollte dieser unterschritten werden, seien weitere Tiefstände des Euro möglich, so ein Händler.

15:15 Uhr: Deutschland hat die Hilfen für Griechenland abgesegnet. Kurz nach dem Bundestag stimmte nun auch der Bundesrat dem Rettungspaket zu. Der Gesetzentwurf der schwarz-gelben Koalition sieht Kreditermächtigungen von bis zu 22,4 Mrd. Euro bis 2012 vor.

15:00 Uhr: Die US-Futures liegen derzeit rund 0,4 % im Plus und lassen somit auf einen positiven Start der Wall Street schließen. Ein freundlicher US-Start könnte den Wochenausklang einer tiefroten Börsewoche zumindest noch etwas lindern. In Europa notieren die Indizes derzeit aber noch zwischen 0,4 und 1,4 % im Minus.

14:42 Uhr: Das Minus an den europäischen Börsen verringert sich zusehends. In Frankfurt und Zürich beträgt es nur noch ein halbes Prozent, in Wien rund 1,2 %.

14:27 Uhr: Erste Lichtblicke am Wiener Börseparkett: Raiffeisen International +1,5 %, Immofinanz +1,5 %, Uniqa +0,8 %. Langsam nimmt die Volatilität ab, eine Bodenbildung der Korrektur zeichnet sich ab. Die Chancen stehen durchaus gut, dass die Wiener Börse am Montag zu einem starken Rebound ansetzt. Sicher ist das indessen noch nicht.

14:19 Uhr: Unter dem Druck weltweit fallender Kurse ringt die Eurogruppe um die Stabilisierung der Gemeinschaftswährung. Noch vor dem heutigen Sondergipfel wurden in Brüssel kurzfristig kleinere Treffen angesetzt, auf denen über die Verschärfung des Stabilitätspaktes beraten werden soll.

14:10 Uhr: Erstmals wurde auch das "griechische Engagement" der französischen Großbank Credit Agricole publik: Das Institut bezifferte es auf insgesamt 3,8 Mrd. Euro. Am stärksten unter den Banken Frankreichs ist nach bisher bekannten Daten BNP Paribas in Griechenland investiert und zwar mit rund 8 Mrd. Euro.

14:00 Uhr: In Wien notiert der ATX derzeit mit 1,2 % im Minus, außer der Raiffeisen-Aktie notieren alle Titel negativ. Es ist ein breitbandiger Ausverkauf, der zu regelrechten Schnäppchenpreisen grundsolider Blue Chips führt.

13:55 Uhr: Japan fordert eine internationale Zusammenarbeit bei der Lösung der Griechenland-Krise. Die wichtigsten Industriestaaten müssten sich in der Frage abstimmen, so Ministerpräsident Yukio Hatoyama.

13:44 Uhr: Im Monatsvergleich hat der ATX somit knapp 14 % an Wert eingebüßt, gegenüber den Höchstständen im April gar rund ein Fünftel. Aktuell hält der Wiener Index bei rund 2.350 Punkten. Glaubt man den Analysten, so sollte sich spätestens bei 2.250 Punkten eine Gegenformation aufbauen.

13:38 Uhr: Das Bild trübt sich nun in Wien etwas mehr ein: Der ATX notiert wieder rund 1,6 % im Minus. Raiffeisen International ist zwar noch 2,5 % im Plus, Telekom Austria notiert hingegen bald auf jenem Niveau, wie sie vor 10 Jahren bei der Teilprivatisierung hatte, eine Intercell hat sich in 6 Monaten schon fast im Wert halbiert. Rational ist all das freilich nicht mehr.

13:35 Uhr: Auch in Athen gibt es an der Börse nach der Parlamentszustimmung zum Sparkurs keine Entspannung. Der Leitindex fiel um 1,3 % auf 1657 Zähler. In Spanien, dem wegen seiner Haushaltsprobleme derzeit auch das verstärkte Augenmerk der Investoren gilt, gab es dagegen einen Hoffnungsschimmer. Nach einer positiven Prognose der spanischen Notenbank für das Wirtschaftswachstum im 1. Quartal schaffte es der Ibex 35 ins Plus und lag gegen Mittag 0,6 % höher bei 9.412 Punkten.

13:33 Uhr: "Hinsichtlich des gestrigen Kurssturzes in den USA hat sich zwar inzwischen die Meinung durchgesetzt, dass es wohl durch einen Computerfehler ausgelöst war, das zeigt einem aber klar, dass mehr Unsicherheit im Markt ist, als man zunächst denkt", sagte Jörg Rahn, Chief Investment Officer beim Vermögensverwalter Marcard, Stein & Co.

13:32 Uhr: Dem Chef der Nyse Euronext, Duncan Niederauer, zufolge war der Auslöser für den Kursrutsch, dass Computerprogramme während einer Handelsaussetzung einzelner Aktien an der New York Stock Exchange wegen zu hoher Kursausschläge ihre Aufträge auf anderen Plattformen abwickelten, auf denen die Umsätze deutlich geringer waren. Dadurch hätten sich die heftigen prozentualen Einbrüche ergeben. Auf Xetra, dem Handelssystem der Deutschen Börse, wird zur Verhinderung solcher Einbrüche bei ungewöhnlich hohen Kursausschlägen eine Volatilitätsunterbrechung ausgelöst.

13:31 Uhr: Hoffnung schüren Äußerungen einer Sprecherin der deutschen Regierung, wonach am Abend Entscheidungen in Brüssel gefällt werden sollen, die "zur Stabilisierung des Euro" beitragen werden.

13:30 Uhr: Generell droht sich aber die Nervosität an den Finanzmärkten wegen der Schuldenkrise in Europa zu verselbstständigen. Der offenbar durch eine technische Kettenreaktion im Computerhandel ausgelöste Kurssturz an der Wall Street versetzte den Börsen in Asien und Europa zum Wochenschluss einen zusätzlichen Schlag. Von den Turbulenzen alarmiert wollten die Finanzminister der G-7 noch heute in einer telefonischen Krisenkonferenz über die Entwicklung beraten.

13:27 Uhr: Es gibt heute aber auch Börsegewinner in Eurpa. So legen derzeit etwa Intesa Sanpaolo um 4,3 %, Rio Tinto um 3,6 %, BHP Billition 2,6 % und Santander um 2,5 % zu. Bester deutscher Wert ist aktuell die Commerzbank mit +2,2 %, schlechtester E.ON mit -6,2 %. In Wien ist nach wie vor Raiffeisen International top, Andritz hingegen flop.

13:23 Uhr: Der Euro macht derzeit enorme Kursausschläge durch: Während sich die Gemeinschaftswährung gegenüber dem US-Dollar bei 1,2760 einpendelt, aber tendenziell weiter verliert, macht sie gegenüber dem britischen Pfund aktuell Bocksprünge in die andere Richtung. Der Ausgang der Unterhauswahlen verhalf dem Euro zu rund 2,2 % gegenüber dem Pfund.

13:20 Uhr: Der gestrige freie Fall der wichtigsten US-Börse war nach Punkten ein noch nie dagewesenes Ereignis. "Es war der verrückteste Tag, den ich jemals erlebt habe", kommentiert einen Tag danach der Händler Mark Galorenzo. Es sei schlimmer gewesen als 2008, der Ausverkauf sei schneller und drastischer erfolgt. Viele fühlten sich ins Jahr 2008 zurückversetzt, als der Lehman-Fall alle in Atem hielt. "Das ist die nächste große Krise - die Staatsschulden-Krise", erklärte ein Banker.

13:17 Uhr: Unmittelbare Auswirkungen der aktuellen Griechenland-Krise auf Osteuropa erwarten die Analysten der Erste Group derzeit nicht, allerdings dürfte sich die Euro-Einführung in den CEE-Ländern weiter verzögern. So haben etwa Bulgarien und Polen ihre Euro-Beitrittsambitionen auch offiziell schon auf die lange Bank geschoben.

13:15 Uhr: Raiffeisen International kommt nun doch wieder etwas zurück und ist nur noch 2 % im Plus: Die Aktie ist damit nach wie vor der einzige ATX-Titel, der im grünen Bereich notiert. Wort Performer derzeit in Wien: Andritz, Zumtobel und der Flughafen.

13:07 Uhr: Die Euro-Länder wollen rascher als bisher geplant durch eine Verschärfung der Haushaltskontrolle Lehren aus der Griechenland-Krise ziehen. Eine Taskforce unter der Leitung von EU-Ratspräsident Van Rompuy mit Finanzministern der EU-Staaten soll bereits bis Oktober Vorschläge in diese Richtung liefern, heiß es dazu in EU-Ratskreisen. Vom Eurozonen-Gipfel am Abend erwarten EU-Diplomaten ein politisches Signal in Richtung Verschärfung des Stabilitätspaktes.

13:00 Uhr: Langsame Entwarnung in Wien: Der ATX kann sein Minus bereits auf rund 1 % eingrenzen. Raiffeisen International schon 4 % im Plus. Der deutsche DAX ist nur noch ein halbes Prozent im roten Bereich.

12:55 Uhr: Nach den Börse-Turbulenzen wollen die Finanzminister der G-7 heute kurzfristig über die aktuellen Entwicklungen sprechen.

12:51 Uhr: Nach Auffassung der deutschen Euro-Rebellen verstößt die Hilfe für Griechenland gegen EU-Recht und verletzt zugleich das im Grundgesetz garantierte Recht auf demokratische Teilhabe. Die Kläger sehen auch das Grundrecht auf Eigentum verletzt.

12:50 Uhr: Kurz nach Verabschiedung der deutschen Griechenland-Hilfe haben 5 Wissenschafter Verfassungsbeschwerde in Karlsruhe eingelegt. Die Euro-Rebellen um Karl Albrecht Schachtschneider wollen per Eilantrag erreichen, dass der VfGh den Vollzug des Gesetzes untersagt. Das Gericht wird möglicherweise noch am Wochenende über den Eilantrag entscheiden.

12:45 Uhr: An den europäischen Börsen zeichnet sich eine Bodenbildung und damit eine Stabilisierung der Lage ab: Der ATX ist derzeit noch 1,3 % im Minus, der DAX sowie der Eurostoxx-50 nur noch 0,8 %. In Wien verlieren derzeit Intercell, Andritz und der Fluhafen am meisten. Umgekehrt geht es für Raiffeisen International bereits wieder mit mehr als 3 % nach oben.

12:39 Uhr: Der gestrige Absturz an der New Yorker Börse hat ungewöhnliche Folgen: NYSE und Nasdaq kündigten an, dass alle Transaktionen mit Aktien, die zwischen 14.40 und 15.00 Uhr (Ortszeit) mehr als 60 % verloren hatten, zurückgenommen werden sollen. An der Nasdaq sind davon mehrere hundert Titel betroffen.

12:20 Uhr: Die deutschen Banken beteiligt sich mit 8 Mrd. Euro an den Hilfen für Griechenland. Sie werden einerseits Anleihen der staatlichen Förderbank KfW für die Hilfen Deutschlands an Griechenland zeichnen. Daneben wollen sie "nach aller Möglichkeit" bestehende Kreditlinien gegenüber Griechenland und südosteuropäischen Banken aufrechterhalten.

12:10 Uhr: Der deutsche Bundestag hat dem Athen-Paket zugestimmt. In namentlicher Abstimmung haben 390 Abgeordnete dafür gestimmt, 72 dagegen, 139 haben sich enthalten. Deutschland stellt in den kommenden drei Jahren 22,4 Mrd. Euro zur Verfügung.

11:58 Uhr: Die italienische Regierung hat ihr Maßnahmenpaket für Griechenland verabschiedet. Damit kann Griechenland von Italien heuer Kredite in Höhe von bis zu 5,6 Mrd. Euro erhalten. In drei Jahren sind es 14,8 Mrd. Das Grüne Licht des Parlaments fehlt noch.

11:45 Uhr: Griechenland ist nur der erste Dominostein, der Rest der Euroländer wird in die Zahlungsunfähigkeit folgen. "Die angehäuften Schulden der Regierungen können gar nicht zurückgezahlt werden. Es gibt da keinen Unterschied zwischen Griechenland und anderen Staaten", sagt Philip Barton, Präsident des Gold Standard-Instituts, das im Sommer in Wien eröffnet wird.

Furcht vor Flächenbrand in der Eurozone

Auch Portugal, Irland, Italien und Spanien sehen sich Angriffen von Spekulanten ausgesetzt. Die Problem-Länder werden nach ihren Initialen "PIIGS" genannt:

PORTUGAL: Portugal gilt einigen Experten als das verletzlichste Land der Euro-Zone nach Griechenland. Die Ratingagentur Standard & Poor's stufte die Kreditwürdigkeit des Landes vergangene Woche deutlich herab, Moody's kündigte einen ähnlichen Schritt an. Portugal hat ein unpopuläres Sparprogramm aufgelegt. Das Ziel: Das Staatsdefizit von zuletzt 9,4 % des BIP bis 2013 wieder unter die EU-Höchstmarke von drei Prozent zu drücken. EZB-Cef Jean-Claude Trichet versicherte am Mittwoch, Griechenland und Portugal säßen nicht in einem Boot.

IRLAND: Gefährlich ist die Lage auch in Irland, dessen Staatsdefizit mit zuletzt 14,3 % laut EU-Kommission das höchste der ganzen Euro-Zone ist und auch das griechische (13,6 %) übersteigt. Grund sind die Rekordausgaben zur Bankenrettung von umgerechnet mehr als 350 Mrd. Euro.

ITALIEN: Der seit vielen Jahren hohe Schuldenstand Italiens bereitet Experten Sorgen. In diesem Jahr dürfte die Gesamtverschuldung laut EU-Kommission auf 118,2 % des BIP steigen, das ist EU-weit der zweithöchste Wert nach Griechenland (124,9 %). Die Mailänder Börse geriet zuletzt stark unter Druck.

SPANIEN: Den heftigsten Markt-Angriffen sieht sich Spanien ausgesetzt. Die EU und der IWF mussten diese Woche Gerüchte dementieren, das Land wolle einen Rettungskredit von 280 Mrd. Euro beantragen. Seit Platzen der Immobilienblase liegt die Bauwirtschaft des Landes brach, das bis Ende Juni den rotierenden EU-Ratsvorsitz innehat. Madrid will in den kommenden drei Jahren ein hartes Sparprogramm von 50 Mrd. Euro umsetzen, um das Staatsdefizit von zuletzt 11,2 % zu drücken. Obwohl Standard & Poor's die spanische Kreditwürdigkeit vergangene Woche herabstufte, konnte Madrid am Donnerstag erfolgreich eine Anleihe ausgeben.

11:31 Uhr: Gegenüber dem Pfund konnte der Euro bereits massive Aufschläge verbuchen. So liegt der Euro derzeit um 3,1 % höher als der am Vortag ausgegebene Richtkurs der EZB. Händler begründen die Abschläge mit den "ziemlich unerwarteten Ergebnissen" der britischen Parlamentswahlen. Viele Marktteilnehmer würden nun ihre Long-Positionen in Pfund "glattstellen".

11:30 Uhr: Der Euro zeigte sich gegenüber dem US-Dollar etwas fester gegenüber dem Niveau von heute früh. Laut einem Händler gibt es Gerüchte, wonach die EZB Gespräche mit Banken führen wird. Dabei solle ausgelotet werden, wie dem Markt Liquidität bereitgestellt werden könnte. Es werde daher mit Entspannung beim Euro gerechnet. Es könnte auch zu deutlichen Kursausschlägen nach oben kommen, so ein Marktteilnehmer.

11:16 Uhr: Ein Sprecher der New Yorker Börse schließt auch einen Computerfehler als Grund für den gestrigen Kursverfall aus.

11:15 Uhr: In New York machen Gerüchte die Runde, dass ein Händler der Citigroup versehentlich 16 Mrd. Aktien von Procter & Gamble verkaufte anstatt 16 Mio. Aktien. Dies scheint aber laut US-Terminbörse CME nicht der Fall zu sein. Auch ein Sprecher des Unternehmens sagte, dass es keine Hinweise auf eine Verwicklung der Citigroup in eine "fehlerhafte Transaktion" gebe.

11:14 Uhr: Nach dem gestrigen Kurssturz in New York - in Punkten gemessen der stärkste in der Geschichte der Wall Street - leitete die Börsenaufsicht SEC eine Untersuchung der "ungewöhnlichen Handelsaktivitäten" ein. Vermutetet wird ein Computerfehler oder ein "fat finger trade" - also den Tippfehler eines Händlers.

11:06 Uhr: Der Chefhaushälter der deutschen Unionsfraktion, Norbert Barthle, sagt im deutschen Bundestag: "Natürlich bleiben Restunsicherheiten. Wir werfen Griechenland einen Rettungsring zu. Schwimmen ans richtige Ufer müssen sie selbst. Wählen sie den falschen Weg, dann landen sie im offenen Meer - oder in der Türkei."

11:05 Uhr: Die deutsche Bundesregierung und ihre Opposition haben die letzte Abstimmung über die Notkredite für Griechenland zu einem heftigen Schlagabtausch genutzt. Linke-Vizefraktionschefin Gesine Lötzsch wurde für einen Vergleich von Spekulanten mit Taliban von Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) gerügt.

11 Uhr: ATX und DAX bremsen ihre Anfangsverluste deutlich ein und liegen derzeit etwas mehr als 1 % im Minus. In Wien verlieren insbesondere der Flughafen, Semperit, Verbund, EVN und Schoeller-Bleckmann. Die Banken sowie die Telekom Austria setzten hingegen vorsichtig zu einer Gegenbewegung. Für risikobewusste Anleger gilt: Bessere Einstiegskurse werden demnächst wohl kaum mehr kommen!

10:45 Uhr: Finanzminister Pröll hat vor dem Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Eurozone "rigide Kontrollen und schmerzhafte Sanktionen" für Defizitsünder verlangt. Er verlangt "klare Vorgaben dafür, wie künftig ein Fall wie Griechenland verhindert werden kann". Aus seiner Sicht müsse "die wirtschaftspolitische Koordination verstärkt verschärft werden".

10:39 Uhr: Der größte Batzen der HRE-Schulden entfällt auf Italien mit 26,8 Mrd. Euro. In Griechenland stecken 7,8 Mrd. Euro, in Spanien 2,7 Mrd. Euro und in Portugal 1,6 Mrd. Euro. Hinzu kommen noch einmal gut 41 Mrd. Euro Risiken, die die HRE aus Krediten an staatliche Einrichtungen in diesen Ländern zu fordern hat.

10:38 Uhr: Enorme Ausständer der angeschlagenen deutschen Hypo Real Estate (HRE) wurden heute in den PIIGS-Staaten - Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien - bekannt: Diese schulden dem Institut Ende März in Summe 39,2 Mrd. Euro.

10:22 Uhr: Italiens Außenminister Franco Frattini ist fest davon überzeugt, dass Italien keine Krise wie in Griechenland drohe. "Es gibt keine Ansteckungsgefahr. Wir zählen nicht zu den schwachen Ländern, weil alle Wirtschaftsfaktoren mit Ausnahme der Staatsschuld positiv sind und sogar über dem europäischen Durchschnitt liegen." Auch ein Bericht der Ratingagentur Moody's beruhigt: Die globale Finanzkrise habe Italien nicht zu stark belastet, hieß es im Dossier.

10.15 Uhr: DAX -0,81 %. FT-SE -0,69 %. Euro-Stoxx-50 -1,19 %. "Es gibt immer noch keine definitive Begründung dafür, was in der vergangenen Nacht in den USA passiert ist", kommentierte Ben Potter von IG Markets die Ereignisse an der Wall Street. Er erwartet, dass die europäischen Börsen die Verluste in den USA am Freitag nachvollziehen.

10:00 Uhr: Der Euro hat sich am Freitag etwas erholt. Kurz nach einem schwachen Start der europäischen Märkte notierte er um 1,2730 Dollar, nachdem er am Vortag bis auf 1,2510 Dollar und damit den tiefsten Stand seit 14 Monaten abgerutscht war. Das Pfund Sterling geriet angesichts der nach der Parlamentswahl noch unklaren Machtverhältnisse in Großbritannien unter Druck und fiel bis auf 1,4596 Dollar - den tiefsten Stand seit April 2009. Auch zum Euro gab die Währung deutlich nach.

9:52 Uhr: Die konservative dänische Zeitung "Berlingske Tidende" meint: "Der Euro ist keine starke und stabile Konstruktion. Das steht nun für alle außer Frage, nachdem die griechische Krise den Euro systematisch schwächt. {...] Die griechische Krise wird mit ziemlicher Sicherheit lange dauern. Dasselbe gilt mit hoher Wahrscheinlichkeit für die Schwächung des Euro."

9:50 Uhr: Nach jüngsten Zahlen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) ist Griechenland im Ausland mit 236 Mrd. Dollar verschuldet. Allein bei europäischen Banken steht das Mittelmeerland demnach mit rund 188,6 Mrd. Dollar in der Kreide.

Der größte Posten entfällt auf Frankreich mit gut 75 Mrd. Dollar. Bei deutschen Investoren ist Griechenland mit gut 45 Mrd. Dollar verschuldet, bei britischen mit knapp 15,1 Mrd. Dollar. In den USA sind es rund 16,7 Mrd. Dollar.

Österreich ist mit 4-5 Mrd. Euro im Gläubiger-Klub dabei. Die Schweiz hat - in Folge des Umzugs einer griechischen Bankenholding nach Luxemburg - ihr Griechenland-Exposure um 60 Mrd. Dollar drastisch vermindert und hält jetzt nur noch 3,6 Mrd. Dollar.

9:45 Uhr: Die rechts-konservative "Magyar Nemzet" kommentiert: "Europa rettet Griechenland, aber nicht aus Solidarität, sondern, weil es so mit den geringsten Verlusten davonkommt. Dennoch goutieren die Bürger dieses Europas weder ihre Regierungen, die Athen nolens-volens die helfende Hand reichen, noch die Griechen selbst. [...] Das griechische Feuer mag noch einmal gelöscht werden, die nächste verantwortungslose Brandstiftung lässt sich damit nicht verhindern."

9:40 Uhr: Zur unruhigen Lage an den Börsen schreibt die linksliberale spanische "El Pais": "Die Anleger in aller Welt sind davon überzeugt, dass die Finanzkrise Griechenlands mit dem vereinbarten Hilfspaket noch nicht überwunden ist. Die Wall Street hat gar den Eindruck, dass der Euro in großer Gefahr ist. Der Vertrauensverlust hat zwei Ursachen. Erstens haben die Verantwortlichen ungeschickt auf die Finanzkrise reagiert. Infolge der Uneinigkeit zwischen Deutschland und Frankreich wurde viel Zeit verloren. Zweitens gehen die Anleger davon aus, dass die vereinbarten 110 Mrd. Euro für Griechenland nicht ausreichen werden."

9:30 Uhr: Nach den gestrigen Panikverkäufe an der Wall Street fällt auch der deutsche Leitindex DAX fällt im heutigen Frühhandel um 1,54 % auf 5.817,62 Einheiten, der britische FTSE sackt um 1,6 % auf 5.176,34 Punkte ab. Der französische CAC-40 fällt um 2,42 % auf 3.469,90 Einheiten. Der europäische Euro-Stoxx 50 gibt um 2,1 % auf 2.557,36 Zähler nach. Die meisten europäischen Indizes notierten in den ersten Handelsminuten noch deutlich tiefer, konnten sich aber von ihren Tiefstständen im frühen Handel hocharbeiten.

9:28 Uhr: Die Wiener Börse hat sich kurz nach dem Handelsstart erneut mit deutlichen Verlusten gezeigt. Der ATX rutschte kurz nach Handelsbeginn um mehr als 3 % ab, konnte im weiteren Verlauf die Abschläge aber etwas eingrenzen und notierte um 9.15 Uhr bei 2.343,41 Zählern um 48,06 Punkte oder 2,01 % unter dem Donnerstag-Schluss.

9:20 Uhr: EU-Finanzmarktkommissar Michel Barnier hat den Ratingagenturen vorgeworfen, Griechenland mit falschen Maßstäben zu messen. "Wenn man ein Land bewertet, muss man seinen Kontext mitbeurteilen." "Griechenland ist als Euroland und der dort vorhandenen Solidarität in einer ganz anderen Lage als ein Staat, der auf sich alleine gestellt ist." Ausdrücklich unterstützte Barnier den Plan einer europäischen Ratingagentur.

US-Börsen spielten Jojo

Einen solchen Ritt wie gestern haben selbst langgediente Börsianer noch nicht erlebt - der Dow Jones verlor in nicht mal 1 Stunde fast 1.000 Punkte oder ein Zehntel seines Werts. Und genauso schnell wie die Aktien gefallen waren, schossen sie auch wieder hoch. Am Ende schloss der Dow Jones noch gut 3 % im Minus bei 10.520,32 Punkten.

An diesem Tag waren so viele Aktien gehandelt worden wie zuletzt beim Absturz der Börsen in der Finanzkrise Ende 2008. "Das hat nichts mehr mit Werten zu tun, das ist ein Witz", ereiferte sich Börsenexperte Joseph Saluzzi von Themis Trading landesweit im Fernsehen. "Das ist der Markt der Vereinigten Staaten von Amerika, das ist nicht Kasachstan oder so."

Börsianer schoben die Schuld in einer ersten Reaktion auf die Computersysteme: Werden bestimmte Grenzwerte durchbrochen, beginnen die Rechenmaschinen automatisch, Aktien zu verkaufen. Fängt ein Computer an, kann er eine Kettenreaktion auslösen. Als die Menschen merkten, dass in der Welt da draußen eigentlich nichts Schlimmes passiert war, begannen sie, den Fehler zu korrigieren und kauften wieder fleißig zu.

Das ist die eine Theorie. Die andere, aufgebracht von CNBC, lautete, ein großer Marktteilnehmer habe einen Fehler gemacht. Statt "Millionen" habe er "Milliarden" in sein System eingetippt und damit das Chaos ausgelöst. Menschliches Versagen also, sicherlich beflügelt von der ohnehin schlechten Stimmung, die die griechischen Schuldenprobleme schon den ganzen Tag über verbreitet hatten.

Laut CNBC weist die Spur zur Citigroup als Übeltäter. Die Großbank wies dies erst einmal zurück und sagte, sie sei genauso ratlos wie der Rest der Finanzwelt. Besonders hart hatte der Kursrutsch den Konsumgüterkonzern Procter & Gamble erwischt, der zeitweilig fast 40 % seines Wertes einbüßte. Das Unternehmen war fassungs- und ratlos.

"Sowas habe ich noch nie gesehen", sagte ein Händler auf dem Parkett an der Wall Street, "Und ich bin schon zwei Jahrzehnte dabei." Die US-Börsenbetreiber haben eine Untersuchung angekündigt.

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