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80-Millionen-Deal

Benko: Krimi um Krone-Übernahme

Es ist der spannendste Wirtschaftskrimi des Jahres: Benko steigt bei „Krone“ ein – und will die Mehrheit.

Wien. Vor knapp vier Wochen war der mittlerweile fast zehn Jahre dauernde Kampf um die ­Kronen-Zeitung fast entschieden: Christoph Dichand, der Sohn des legendären Krone-Gründers, schien seinem Ziel, endlich die gesamten 100 Prozent an ­„seiner“ Krone zu erwerben, nah wie nie.

Dichand hatte sich mit Kurier-­Eigentümerin Raiffeisen, mit der er in der Mediaprint verbunden ist, geeinigt: Raiffeisen würde seinem Kauf der WAZ-Anteile an der Krone zustimmen, ihm für diesen Kauf sogar noch ­einen 50-Millionen-Kredit „spendieren“. Dichand und Raiffeisen trafen sich Mitte Oktober mit der WAZ – man wurde sich über alles einig, außer über den Preis. Dichand wollte für die 50 % Krone-Anteile der WAZ nur 50 Millionen Euro zahlen, die WAZ wollte aber 120 Millionen „cashen“. Die Kurier-Anteile der WAZ ­wären in diesem „Deal“ an Raiffeisen gegangen.

Der Kauf wurde zwecks Preis­einigung vertagt. Der mehr als zehn Jahre lange Poker um den Kauf der WAZ-Anteile durch die Familie Dichand (den schon ­Dichands Vater Hans gestartet hat) wurde ein weiteres Mal vertagt. Dichand fuhr im Gefühl, der sichere Sieger zu sein, zwei Wochen mit der Familie nach Los Angeles auf Urlaub. Das war sein Fehler.

Einen Tag nach seiner Abreise jedoch überstürzten sich die Ereignisse:

Die „WAZ“ erhielt im jahrelangen Rechtsstreit um die Krone eine ­weitere Schiedsgerichtsklage von Dichand. Die Deutschen waren über diese neuerliche Dichand-Klage während laufender Verhandlungen so empört, dass sie in einer Gesellschafterversammlung beschlossen, den Verkauf an ­Dichand abzublasen – freilich ohne ihm das mitzuteilen.

 

Benko zahlte kolportierte 80 Millionen für 49-%-Anteil  

Gleichzeitig trat die WAZ an den Immobilieninvestor René Benko mit einem eher ungewöhnlichen Angebot heran: Benko sollte einen Minderheitsanteil am 50-%-Krone-Anteil und am 49-%-Kurier-Anteil der WAZ erwerben und damit so in die Krone und den Kurier einsteigen, dass die WAZ nach Klärung der Rechtslage ihren – längst beschlossenen – Totalausstieg aus ­Österreich durchziehen kann.

Benko machte diesen auf den ersten Blick waghalsigen Deal in Rekordzeit perfekt: Er zahlte der WAZ kolportierte 80 Millionen Euro und besitzt nun die (auf den ersten Blick kurios wirkende) Minderheit an einer Minderheit von Krone- und Kurier- sowie ­Mediaprint-Anteilen.

Sprich: Benko kaufte von der WAZ nur 49 % ihrer Anteile – 51 % der Anteile verbleiben bei der WAZ, die damit ihre Krone-Beteiligung in Österreich weiter verwalten müsste und auch ihre Klagsorgie mit Dichand weiterführen wird.

Warum dieser komplizierte Deal? Nach Meinung aller Experten hat die Familie Dichand ein unwiderrufliches Vorkaufsrecht auf die Krone-Anteile der WAZ. Heißt: Nur Dichand und niemand sonst kann die WAZ-Beteiligung an der Krone kaufen. Die WAZ ist freilich der Meinung, dass dieses Vorkaufsrecht von Dichand nicht ausgelöst wird, wenn sie an Benko nur 49 % ihrer Anteile abgibt und die Mehrheit von 51 % weiter behält.

Die Dichand nahestehenden Anwälte bestreiten das vehement. Ihrer Meinung nach kann auch jeder Verkauf von Minderheitsanteilen der WAZ nur an ­Dichand erfolgen – und sonst an niemand.

Ein Dichand-Anwalt gestern unter Wahrung seiner Anonymität: „Der Kauf von 49 % der WAZ-Anteile an Benko ist rechtlich nicht zulässig. Wenn Dichand klagt, und das wird er wohl tun, wird der Kauf der 49 % durch Benko rückabgewickelt werden müssen oder die WAZ verliert ihre gesamten Anteile an ­Dichand. Dann wäre er der ­große Sieger.“Das „WAZ“-Umfeld sieht den Fall natürlich ganz anders: „Der Verkauf einer Minderheit der Anteile ist zulässig, ohne ein Vorkaufsrecht auszulösen. Die WAZ wird ihre Anteile weiter so verwalten, wie das für einen Mehrheitseigentümer verpflichtend ist. Damit besteht für Herrn Dichand kein Anlass für eine Klage.“

 

Benko will langfristig die "Krone"-Mehrheit erobern

Dieser Satz löst unter Mediaprint-Kennern freilich Heiterkeit aus: Dichand und die WAZ bekämpften und bekämpfen sich bereits derzeit mit mehr als einem Dutzend (!) Schiedsgerichtsklagen und mehreren weiteren zivilrechtlichen Verfahren. Geklagt wird alles: von ­Dichands Recht auf einen Vorabgewinn bis zur Bestellung des WAZ-Geschäftsführers, von ­Dichands Spesenkonto bis zur Entlassung seines Geschäftsführers.

Dank dieser zahllosen Rechtsstreitigkeiten ist die Kronen-Zeitung seit Jahren nur noch eine „Lame Duck“, ein weitgehend gelähmtes Unternehmen, in dem die Eigentümer in den ­diversen Beiräten und Gesellschafterversammlungen mühsam diskutieren und den Betrieb damit behindern.

Mitten in dieses bereits Jahre währende Krone-Chaos platzt jetzt der – vorerst – „feindliche“ Einstieg von René Benko in den WAZ-Anteil.

Damit erhält Dichand – rein juristisch – die Chance, die WAZ sogar auf Ausschluss als Gesellschafter zu klagen und (wenn er gewinnt) die WAZ-Anteile zum minimalen nominalen Preis zu übernehmen.

René Benko, der geniale Take-over-Player, freilich hat die Chance, aus der Position eines vorerst kleinen Miteigentümers durch Verhandlungsgeschick den totalen Einstieg in die Krone zu schaffen.

Ein Insider aus dem Benko-Reich: „Jeder, der René Benko kennt, weiß, dass Minderheitsbeteiligungen für ihn kein Ziel sind. Benko will langfristig ­sicher die Mehrheit der Krone erobern – wenn geht 100 %.“

Um dieses Ziel zu erreichen, bleibt Benko vorerst nur eine Chance: Er muss Dichand aus dem Krone-Reich herauskaufen. Der Insider: „Benko wird ­Dichand sehr rasch ein Angebot für den Kauf seiner Krone-Anteile machen. Und dieses Angebot wird sehr attraktiv sein.“

 

Kauft Benko Dichand für mehr als 200 Mio. € aus?

Kenner der Causa rechnen damit, dass René Benko seinem ehemaligen Freund Christoph Dichand (die beiden waren sogar gemeinsam auf Urlaub) mehr als 200 Millionen Euro für den Ausstieg aus der Krone bieten wird.

Dichand-Kenner freilich schwören, dass der Krone-Junior dieses Angebot nicht annehmen wird: „Christoph Dichand lebt für und mit der Krone und er hat seinem Vater vor dem Tod geschworen, die Krone niemals zu verkaufen. Auch die ­Dichand-Familie würde einem Verkauf nie zustimmen. ­Dichand wird für seine Krone jahrelang weiterkämpfen.“

Wenn Dichand nicht verkauft, gibt es nur eine Lösung, um ­einen jahrelangen „Atomkrieg“ um die Krone-Übernahme zu vermeiden: Benko müsste sich mit Dichand arrangieren und die Krone in Zukunft 50 : 50 mit dem Gründer-Sohn führen.

Das freilich scheint noch schwieriger zu werden als ­Dichands „Auskauf“: Dichand senior hat mit der WAZ sensationell gute Verträge abgeschlossen, die für den Junior weiter extrem günstig sind. Er bekommt jedes Jahr kolportierte rund zehn Millionen Vorabgewinn, egal, ob die Krone Gewinn macht oder nicht. Er ist unumschränkter Herausgeber, benennt den Chefredakteur, kann die redaktionelle Linie der Krone ganz ­allein bestimmen. Benko bliebe – im Falle einer Einigung – nur die Rolle eines „Beiwagerls“ ohne Mitbestimmung. Das wieder ist für den genialen Immobilieninvestor definitiv nicht akzeptabel – und ganz sicher keine 80 Millionen an Einstiegskapital wert.

Denn Benko verfolgt mit seiner Krone-Übernahme gleich mehrere Ziele:

Zunächst soll die Krone für Benko eine wichtige Marketingplattform für den Österreichausbau werden. Benko benötigt die Krone als Werbeträger für Kika/Leiner (mit dem er zuletzt schon zwei Millionen an Inseraten an die Krone zahlte), aber auch als Marketingbasis für den Österreicheinstieg seiner Karstadt-Kaufhauskette, die 2020 bei uns starten soll.

 

Benko will mit "Krone" auch politisch mitbestimmen

Zusätzlich will sich Benko mit der Krone eine „publizistische Stimme“ in Österreich verschaffen. Benko war im letzten Wahlkampf als Unterstützer von Sebastian Kurz besonders aktiv, will künftig die Politik in Österreich entscheidend mitbestimmen.

Schließlich will Benko sein ­Digitalgeschäft weiter ausbauen – er ist durch permanente Zukäufe beim Onlineshopping besonders aktiv.

Der „Krone“-Einstieg ist Benkos vorerst gewagtester Poker nach der Übernahme der bankrotten Karstadt-Kaufhäuser und dem Kauf der vor der Pleite stehenden Kika/Leiner-Gruppe.

Diesmal gilt für Benko das Motto eines Lotto-Jackpots: „Alles ist möglich“ – vom Auskauf ­Dichands und der Total-Übernahme der Krone bis zum Total-Verlust seines 80-Millionen-Einstiegs-Kapitals, wenn Dichand wirklich sein Vorkaufsrecht einklagt und (etwa per einstweiliger Verfügung) auch gewinnt.

Dichand wurde jedenfalls vom Benko-Take-over völlig überrascht. Benko unterschrieb den Kauf-Vertrag mit der WAZ am Donnerstag, informierte ­Dichand Freitag in einem persönlichen Gespräch vom Take-over. Dichand soll Benkos Angebote vorerst nicht kommentiert haben. Ein Insider: „Er reagierte mit eisigem Schweigen.“

 

Kommen Dichands morgen zu Benkos „Törggelen“?

Auch die „Krone“-Leser erfuhren von dem Take-over vorerst nichts. Die Online-Seite der Krone war gestern die Einzige, die von dem Deal kein Wort berichtete. Das heißt: Dichand überlegt noch, wie er reagieren soll. Nimmt er das 200-Millionen-Auskauf-Angebot an? Oder schlägt er schon in den nächsten Tagen mit brutalen Klagen seiner Anwälte zurück.

Spannend wird deshalb wohl auch werden, ob Christoph und Eva Dichand Mittwochabend zu René Benkos großem Society-Event erscheinen. Bei seinem „Törggelen“-Abend lässt sich Benko einmal im Jahr traditionell von der Wiener Society feiern. Die Dichands waren bisher Stammgäste, auch Sebastian Kurz, Michael Ludwig und viele andere kamen. Spannend, wer morgen beim „Törggelen“ erscheinen wird – und ob die ­Dichands dabei sind …