Bini Smaghi will EZB-Geldpolitik notfalls quantitativ lockern

Die Europäische Zentralbank (EZB) dürfte laut Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi weitergehende Maßnahmen zur geldpolitischen Lockerung beschließen, wenn eine Deflation droht. "Ich verstehe die praktisch schon religiös geführten Debatten über die quantitative Lockerung nicht", sagte Bini Smaghi der "Financial Times Deutschland" . Die USA und Großbritannien hätten diese Mittel bereits eingesetzt, als sie Deflationsrisiken gesehen hätten.

Momentan sehe die EZB diese Gefahr zwar nicht, sollte sich das ändern, gebe es aber keinen Grund, solch ein Instrument nicht einzusetzen, sagte Bini Smaghi weiter. Er schloss auch nicht aus, dass die EZB ihre Eingriffe in die Märkte für Staatsanleihen des Euro-Raums noch ausweitet.

Bini Smaghi wird die EZB zum Jahresende verlassen, weil Frankreich nicht akzeptieren wollte, dass neben dem neuen EZB-Chef Mario Draghi noch ein Italiener im Direktorium sitzt, jedoch kein Franzose. Derzeit pokert Frankreich um den Posten des Chefökonomen bei der EZB.