Nobelpreisträger Myron Scholes in Alpbach

Banken verdienen jetzt an Krisenbewältigung

Die Banken verdienen jetzt am "Aufräumen der Scherben nach der Krise", nicht aber mit innovativen und kreativen Finanzprodukten. Man müsse erst sehen, wie nachhaltig diese Gebühreneinnahmen seien, sagte Wirtschafts-Nobelpreisträger Myron Scholes am 31. August in Alpbach. Im Moment sei noch niemand bereit, das Risiko für neue Produkte zu tragen.

Es werde wohl fünf Jahre dauern, bis die Krise überwunden und der Status davor wieder erreicht ist, meint Scholes. Ein zentrales Problem sei, dass eine ganze Generation von Unternehmern weniger Risiko nehmen wolle als früher. Das sei wie bei einem Skifahrer nach einem Unfall. Da fahre er dann auch vorsichtiger, vergleicht der begeisterte Skifahrer.

Scholes, der 1994 den 1998 pleitegegangenen Hedge Fonds LTCM und danach den Hedge Fonds Platinum Grove Asset Management mitbegründet hat, räumt ein, dass große Krisen nicht vorhersehbar seien.

"Das ist wie bei einem Erdbeben. Es kommen immer wieder kleine Beben und manchmal große, aber wann genau, das wissen wir nicht", vergleicht Scholes, der seinen Nobelpreis 1997 für Modelle zur Berechnung von Wertpapierpreisen erhalten hat. Auch sein aktueller Fonds habe in der Krise Verluste gemacht und Kapital verloren, verdiene aber jetzt wieder gutes Geld.

Scholes verteidigt Derivate

Derivate, also abgeleitete Wertpapiere, deren ungezügelte Emission als Ursache der aktuellen Krise gilt, sind für Scholes dennoch ein unersetzliches Instrument, wenn sie "strategisch" eingesetzt werden, also zur Finanzierung von Großprojekten, Risikoabdeckung, Preisfindung und anderen Zielen. Aber auch "als Wetten" haben diese Papiere ihre Funktion.

"Irgendwann hatten wir zu viele Schulden angehäuft" sieht Scholes den Beginn für die Krise. Das könnte daran gelegen sein, dass in den vergangenen Jahrzehnten die Wirtschaft gezähmt schien: Auch Asien-, Russland- und Dotcom-Krise seien ohne nachhaltige Schäden gemeistert worden, die Investoren glaubten sich vor großen Katastrophen gefeit und nahmen wohl zu viel Risiko.

Und "es wird wieder Krisen geben". Das sei nicht zu verhindern, ist Scholes überzeugt. Das sei, wie wenn seine Enkel Sandburgen bauen. Sie setzen immer noch eine Schaufel drauf, bis der Bau zusammenbricht. So werden auch die Menschen in ruhigen Zeiten wieder mehr Risiko nehmen - bis es zu viel war.