Sal. Oppenheim: Investmentbank-Verkauf verzögert

02.10.2009

Die kriselnde Privatbank Sal. Oppenheim hat beim Verkauf ihres Investmentbanking einen Rückschlag erlitten. Der italienische Interessent Mediobanca zog sich aus dem Bieterprozess zurück, wie eine Sprecherin sagte. Die Gespräche mit den Italienern waren weiter fortgeschritten als mit anderen Instituten, etwa der australischen Macquarie Bank. Daher ist es nun fraglich, ob Sal. Oppenheim einen Verkauf noch in diesem Monat über die Bühne bekommt.

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Ursprünglich wollten die Luxemburger in den nächsten Wochen Finanzkreisen zufolge eine Vereinbarung parallel zum geplanten Einstieg der Deutschen Bank präsentieren. Den Rückzug nach mehrwöchigen Verhandlungen und einer intensiven Buchprüfung begründete Mediobanca mit einer zu hohen Kostenbasis von Sal. Oppenheim. Die im aktuellen Marktumfeld zu erwartenden Einnahmen im Beratungsgeschäft hätten nicht ausgereicht, um profitabel zu arbeiten, sagte die Sprecherin.

Die Gespräche zeigten, dass deutliche Kostensenkungen derzeit nicht umsetzbar gewesen wären. In Finanzkreisen war von nötigen Einschnitten von mindestens 30 Prozent die Rede, um im ersten Jahr nach der Übernahme keine Verluste zu machen. Der Wert des Investmentbankings wird auf mehrere Hundert Mio. Euro geschätzt. Sal. Oppenheim beschäftigt rund 450 Investmentbanker. Die vom Mitgesellschafter Dieter Pfundt geleitete Sparte schrieb im vergangenen Jahr vor allem wegen Einbußen im Zertifikategeschäft tiefrote Zahlen und riss auch die Gesamtbank in die Verlustzone. Die Italiener, die erklärtermaßen ihr Kapitalmarktgeschäft in Deutschland ausbauen wollen, waren allerdings vor allem am weniger riskanten Beratungsgeschäft interessiert.

Die Luxemburger Traditionsbank wollte sich nicht zum Rückzug Mediobancas äußern. Aus dem Umfeld von Sal. Oppenheim hieß es, dass es intensive Gespräche mit weiteren Interessenten gebe. Hierzu zählt die Macquarie Bank, die anders als Mediobanca an dem gesamten Kapitalmarktgeschäft interessiert sein soll. "Dies wird von Sal. Oppenheim klar gegenüber einem Verkauf in Teilen bevorzugt", sagte ein Insider. Offiziell haben die Australier die Gespräche aber nicht bestätigt. Interesse wird auch der britischen Großbank Barclays nachgesagt.

Parallel zum Verkauf des Investmentbankings verhandelt Sal. Oppenheim mit der Deutschen Bank über einen Einstieg der Frankfurter. Der Branchenprimus ist aber ausschließlich am anderen Standbein der Luxemburger interessiert, dem Geschäft mit vermögenden Privat- und Firmenkunden. Dies wird in Finanzkreisen auf 1,5 bis 1,8 Mrd. Euro taxiert. Die Deutsche Bank will die mehr als 200 Jahre alte Traditionsbank über kurz oder lang mehrheitlich übernehmen. Bis spätestens Ende Oktober wird hier eine Vereinbarung erwartet.