Wifo erwartet weltweites BIP-Plus von jährlich 4%

Von 2012 bis 2017

Wifo erwartet weltweites BIP-Plus von jährlich 4%

Wachstum wie vor Finanzkrise - EU-27 kommen nur langsam aus Krise.

Das österreichische Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) erwartet für die Jahre 2012 bis 2017 ein weltweites Wirtschaftswachstum von durchschnittlich 4,0 Prozent jährlich. Damit würde die globale Ökonomie auf einen ähnlichen Expansionskurs wie 2002/07 einschwenken, damals wurden 4,3 Prozent BIP-Plus pro Jahr erreicht. Lediglich in der von Finanz- und Wirtschaftskrise geprägten Periode 2007/12 war das Wachstum mit im Schnitt 2,9 Prozent pro Jahr schwächer ausgefallen. Allerdings warnt das Wifo, dass in Europa die gleichzeitigen Sparbemühungen etlicher Länder negative Effekte auf das Wachstum insgesamt haben könnten.

Relativ am langsamstem von der Wirtschaftskrise erholen sich die 27 EU-Länder, die 2012/17 im Schnitt 1,4 Prozent BIP-Anstieg pro Jahr erreichen dürften, wie das Wifo am Mittwoch bekanntgab. Das ist weit von den jährlich +2,5 Prozent entfernt, die es vor der Finanzkrise gegeben hat. Allerdings schrumpfte die EU-27 von 2007 bis 2012 durchschnittlich um 0,1 Prozent pro Jahr.

Das Wifo warnt, dass das Mittelfrist-Wachstum Europas durch die Umsetzung des Fiskalpakts nachhaltig gedämpft werden könnte, "wenn versucht wird, das Ziel eines strukturellen Defizits von unter 0,5 Prozent des BIP rasch und mit radikalen Sparmaßnahmen zu erreichen (wie etwa in Spanien)". Immerhin 25 der 27 EU-Länder hätten 2012 konjunkturbereinigt ein Defizit von mehr als 0,5 Prozent des BIP aufgewiesen, der EU-Durchschnitt lag laut Wifo bei 2,7 Prozent. "Wenn alle diese Länder gleichzeitig ihre Konsolidierungsmaßnahmen intensivieren, werden einander die negativen Rückkoppelungseffekte verstärken", betont das Institut.

Nachbar Deutschland, der wichtigste Außenhandelspartner Österreichs, dürfte sein Wachstum in der neuen Periode 2012/17 von 0,7 auf 1,5 Prozent beschleunigen können, bleibt damit aber ebenfalls - leicht - unter den Vorkrisen-Raten von +1,7 Prozent zurück. Sechs neue EU-Länder dagegen (Bulgarien, Tschechien, Ungarn, Polen, Rumänien, Slowakei) dürften jetzt um 3,1 Prozent jährlich wachsen, nach +1,6 Prozent p.a. nach und immerhin 5,4 Prozent p.a. vor Ausbruch der Finanzkrise. Russlands Wachstum dürfte sich nun auf 4,1 Prozent pro Jahr beschleunigen, nach 1,8 Prozent bis 2007 und sogar 7,5 Prozent p.a. im Zeitraum 2007 bis 2012.

Die gravierendsten Probleme in den Industrieländern sieht das Wifo in den hohen Budgetdefiziten und dem anhaltenden Anstieg der Staatsschuldenquoten - aber auch in den gesamtwirtschaftlichen Folgen der Strategien zur Überwindung der Schuldenkrise, etwa in der - laut Wifo - "dramatischen Zunahme der Arbeitslosigkeit". Die Sparpolitik und die sich vertiefende Euro-Krise hätten die Nachfrage von Firmen und Privathaushalten im Euro-Raum so sehr gedämpft, dass das BIP bereits 2012 um 0,3 Prozent geschrumpft sei. Zugleich sei die Arbeitslosenquote seit 2008 im Schnitt von 7,7 auf 11,4 Prozent und die Staatsschuldenquote von 67,8 auf 91,3 Prozent des BIP angestiegen.

Der US-Wirtschaft, die die Auswirkungen der - eigentlich dort ausgelösten - weltweiten Finanzkrise ja vergleichsweise wenig zu spüren bekommen hat, dürften jetzt Wachstumsjahre mit im Schnitt 2,4 Prozent Plus bevorstehen, nach +0,6 Prozent p.a. nach und +2,7 Prozent p.a. vor dem Ausbruch der Krise, nehmen die Wifo-Experten an. Japan dürfte sich mit +1,4 Prozent p.a. wieder aus der rezessiven Phase mit jährlich -0,3 Prozent im Gefolge der Finanzkrise herausziehen können, davor waren es +1,8 Prozent p.a. gewesen.

China bleibt die führende globale Wachstumsregion, obwohl sich die jährlichen BIP-Zuwächse nun im Schnitt auf 7,9 Prozent 2012/17 abschwächen dürften - nur wenig dahinter wird Indien mit +7,7 Prozent pro Jahr gesehen. Trotz der Finanzkrise war die Wirtschaft Chinas 2007/12 jährlich um 9,2 Prozent gewachsen, davor im Schnitt sogar um 11,6 Prozent pro Jahr. Für die anderen Entwicklungs- und Schwellenländer wird für 2012/17 ein BIP-Plus von jährlich 4,4 Prozent (OPEC), 4,1 Prozent (Lateinamerika) und 4,9 Prozent (Afrika) prognostiziert.

Der Welthandel dürfte bis 2017 um 5,7 Prozent pro Jahr wachsen, nimmt das Wifo an. Die Exporte der USA dürften dabei mittelfristig stärker expandieren als ihre Importe. Für die Überschussländer Deutschland, Russland und die OPEC ergibt die Prognose einen umgekehrten Verlauf, also einen stärkeren Anstieg der Importe als der Exporte. "Die Ungleichgewichte in den Leistungsbilanzen sollten sich daher mittelfristig verringern", schlussfolgert das Institut.