Wiens neuer Kurs bei Altbauten

Sanierungsoffensive

Wiens neuer Kurs bei Altbauten

Wien. Seit einigen Wochen hat Wien eine neue Bauordnung: Sie soll Altbauten schützen, wenn sie für Wiens einzigartiges Stadtbild wichtig sind. Damit will die Stadt ihr Gründerzeiterbe bewahren, sagt MA19-Chef Franz Kobermaier (siehe Kasten). Die Bauwirtschaft ist an der Sanierung von Altbauten durchaus interessiert. So macht die Soravia Group derzeit aus der alten Postzentrale im 1. Bezirk das „Post Palais“ mit edlen Wohnungen. Das Problem: Nicht immer ist Sanierung sinnvoll, geschweige denn bezahlbar.
»Bauordnungsnovelle bewirkt das Gegenteil«
Gründerzeit. „Die neue Bauordnung schützt keine Gründerzeithäuser“, warnt Hans Jörg Ulreich, Sanierungsexperte und Obmann der IGPI: „Es ist ein Unterschied, ob man Sanierungen fördert und damit Häuser für die Zukunft erhält, oder sie nur stehen lässt. Und es geht ja nicht nur darum. Die Wohnungen in den Häusern sind ja das Wichtigste.“ Die derzeitigen Regelungen führen entweder zum Verfall des Hauses oder zur Umwandlung in „ein weiteres Wiener Hotel“, warnt Ulreich.

Ulreich © www.sebastianphilipp.com
Foto: IGPI-Obmann Ulreich: „Sanierungen nicht benachteiligen.“

Kostenfrage. „Das Pro­blem ist: Eine durchgreifende Sanierung kostet viel mehr als ein noch so luxuriös ausgestatteter Neubau. Darüber hinaus erziele ich mit einem Neubau bis zu 50 Prozent mehr Wohnfläche. Ich muss die Kosten also über die Miete hereinbringen“, sagt Ulreich.
Doch die Mieten für einen sanierten Altbau sind gesetzlich stark beschränkt – im Neubau dagegen nicht. Es brauche also keine Baustopps, sondern eine Gleichstellung des sanierten Altbaus mit dem Neubau im Mietrecht. „Der Rückgang der Sanierungsrate ist im Übrigen eine umweltpolitische Bankrotterklärung. Die Gleichstellung von ­sanierten Altbauten mit Neubauten im Mietrecht ist ein erster wirklicher Schritt, um endlich wieder Wohnungen im Altbau zu schützen. Das sind Wohnungen, die wir in Wien brauchen und die die Kunden wollen.“

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