Wienwert hat schon seit Jahren Probleme

WW Holding insolvent

Wienwert hat schon seit Jahren Probleme

Die private Wiener Immobiliengruppe Wienwert kämpft schon seit einigen Jahren mit wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Diese haben im Geschäftsjahr 2016 schließlich zu einem negativen Eigenkapital in der jetzt vor der Insolvenz stehenden WW Holding von fast 29 Mio. Euro geführt. Grund für die massiven Verluste waren erneut Abschreibungen auf den verbliebenen Immobilienaltbestand.

Der Bilanzverlust summierte sich Ende 2016 auf 29,4 Mio. Euro. Daraufhin erhielt das Unternehmen von den Wirtschaftsprüfern auch nur einen eingeschränkten Bestätigungsvermerk, sie wollten eine Fortbestehensprognose nicht abschließend beurteilen. Die Gesamtverbindlichkeiten beliefen sich auf knapp 70 Mio. Euro, davon 40 Mio. Euro Anleiheverbindlichkeiten.

Die Immobiliengruppe wurde 2008 als Wienwert Immobilien Finanz AG von Wolfgang Sedelmayer und Nikos Bakirzoglu gegründet. Bis März 2016 war sie auf Vorsorgewohnungen im Wiener Altbau spezialisiert. Seitdem hatte sie sich auf den "profitableren" Mietwohnbau verlegt. Per Ende Juni 2016 lag der Verkehrswert der Wienwert-Immobilien laut einem PwC-Gutachten noch bei 128 Mio. Euro.

Restrukturierung blieb erfolglos 

2016 hat sich die Gesellschaft im Rahmen ihrer Restrukturierung eine neue Struktur verpasst. Die Wienwert AG wurde in die jetzige vor der Insolvenz stehende WW Holding umbenannt, wo das negative Eigenkapital und die Anleihengläubiger verblieben. Zusätzlich wurde per 1. Jänner 2017 eine neue Wienwert AG als Tochter gegründet, für die es auch Börsenpläne gab. Laut Firmencompass sind Bakirzoglu, Stefan Gruze und Sedelmayer zu jeweils einem Drittel an der WW Holding beteiligt, die wiederum knapp 100 Prozent an der Wienwert AG hält.

2017 hätte Wienwert Anleihen in Höhe von 5,1 Mio. Euro zurückzahlen sollen. Im vierten Quartal 2018 wird eine weitere Anleihe über 12,9 Mio. Euro fällig. 10 Mio. Euro wollte das Management 2017 aufnehmen. Im Frühjahr wurde ein 5 Mio. Euro schwerer Bond mit drei Jahren Laufzeit und 5,25 Prozent Zinsen emittiert. Die im Herbst geplante Unternehmensanleihe konnte dagegen nicht mehr platziert werden.

Wienwert hat in der Vergangenheit mehr als 23 Anleihen begeben, 19 davon unter einem Ausnahmetatbestand, wodurch sie keinen Prospekt veröffentlichen mussten. Der aktuelle Anleihenprospekt wurde von der Luxemburger Aufsicht gebilligt. Zu Jahresbeginn 2017 waren noch 42,5 Mio. Euro Anleihen ausständig.

Wienwert sorgte in der Vergangenheit aus mehreren Gründen für Aufsehen, so auch durch die hochverzinsten Anleihen mit im Schnitt über 5 Prozent Verzinsung. Die Gruppe steht seit Jahren auch im Visier der Finanzmarktaufsicht (FMA). Seit 2014 hat sie vier Sachverhaltsdarstellungen an die Staatsanwaltschaft übermittelt und mehrere Verwaltungsstrafverfahren gegen Vorstandsmitglieder verhängt.

Ins Gerede kam der private Wiener Immobilienentwickler im Oktober 2017 auch durch seine angebliche Nähe zur Wiener Stadtpolitik. Ein umstrittener SPÖ-naher Beirat wurde daraufhin aufgelöst. Im Juni 2016 hatte Wienwert mit dem SK Rapid Wien einen Sponsoringvertrag über drei Saisonen in Höhe von 500.000 Euro abgeschlossen.

FMA verhängte Strafe

Im September 2017 brummte die Finanzmarktaufsicht (FMA) dem Wienwert-Chef Stefan Gruze wegen irreführender Werbung und eines fehlenden Prospekthinweises eine Verwaltungsstrafe in Höhe von 85.000 Euro auf. Auch die beiden Ex-Vorstände und Firmengründer Wolfgang Sedelmayer und Nikos Bakirzoglu wurden von der FMA schon bestraft. Beide wechselten bereits 2016 vom Vorstand in den Aufsichtsrat und verließen das Kontrollgremium schließlich im Dezember 2017, nachdem die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) Ermittlungen unter anderem wegen des Verdachtes der Untreue aufgenommen hatte.

Ausgelöst wurden die Ermittlungen durch den Verein Cobin claims, der eine Sachverhaltsdarstellung eingebracht hatte. Die Plattform für Sammelklagen bei Massenschäden monierte darin, es sei nicht auszuschließen, dass die WW Holding widerrechtlich um 3,12 Mio. Euro entreichert wurde. Hintergrund ist der Verkauf der Markenrechte durch Gesellschaften der Firmengründer an die Wienwert Holding im März 2016 sowie deren spätere Übertragung an die Wienwert AG. Das Unternehmen wies die Vorwürfe zurück.

Das Bekanntwerden dieser Ermittlungen wurde heute von Geschäftsführer Stefan Gruze indirekt als Grund für die Zahlungsunfähigkeit der WW Holding angeführt. Eine in Emission befindliche Unternehmensanleihe habe dadurch nicht mehr erfolgreich platziert werden können, wodurch eine im Vorjahr erstellte positive Fortbestehensprognose gefährdet worden sei. Dieser Vertrauensverlust habe sich erheblich auf das Geschäftsmodell der Wienwert AG ausgewirkt und zu einer Herabsetzung der möglichen Kaufpreiserwartung für die von der WW Holding an der Wienwert gehaltenen Aktien und somit schlussendlich zu einer Überschuldung geführt. Darüber hinaus habe eine im Dezember fällige Unternehmensanleihe nicht bedient werden können.

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