Wo die Immo-Profis Änderungen wollen

Altbauten

Wo die Immo-Profis Änderungen wollen

Wien. Aufwendige Sanierungen haben ihren Preis: „Technisch machbar ist vieles. Nur wer bezahlt?“, sagt Wolfgang Louzek, Präsident der Immobilieninvestorenvereinigung (VII). Tatsächlich haben die Bauprofis Lösungsvorschläge. So wären Mieter bereit, mehr zu bezahlen – wenn es erlaubt wäre, sagt Makler Georg Spiegelfeld.
Riwog-Geschäftsführer Andreas Lotz schlägt vor, dass Wohnungen der Kategorie A saniert auf technischen Standard 2018 aus dem Richtwertgesetz herausgenommen werden. „Das würde eine große Anzahl Wohnungen auf den Markt bringen“, sagt Lotz.

Andreas Lotz © Riwog
Foto: Riwog-GF Andreas Lotz

»Mietrecht auf Stand des Jahres 2018 bringen«
Das Ergebnis wären wohl weniger Abbrüche und mehr leer stehende Wohnungen, die auf den Markt kommen. „Das würde auch die Mietpreiskurve deutlich abflachen“, so Lotz.
In jedem Fall müsse die Wirtschaftlichkeit in die Betrachtungen einbezogen werden. „Und es darf keinesfalls zu Rechtsunsicherheiten kommen. Bei Themen wie Lagezuschlag ja oder nein, Abbruch ja oder nein muss ganz klar erkennbar sein, in welcher Situation man sich befindet.“

Technisch machbar ist vieles, die Frage ist nur: Wer bezahlt das?

Die Änderung der Wiener Bauordnung verschärft die Wohnungsnot in Wien, befürchtet Wolfgang Louzek, Präsident des Verbandes der Institutionellen Immobilieninvestoren (VII): „Nicht nur die Bauwirtschaft, die viele Baustellen einstellen und Mitarbeiter freistellen musste, war vor den Kopf gestoßen, sondern auch all jene, die nach dem Abriss bereits Wohnneubauten geplant hatten.“ Schutz historisch wertvoller Gebäude gab es aber bisher schon, so Louzek: „Dass nun bei jedem Abbruch ein Nachweis erbracht werden muss, dass es technisch nicht machbar sei, zu renovieren, ist verantwortungslos.

W. Louzek © Richard Tanzer
Foto: VII-Präsident W. Louzek

Technisch machbar ist vieles, die Frage ist nur: Wer bezahlt das? Der Mieter nicht, und der Vermieter wird es sich in vielen Fällen, vor allem in Gründerzeitvierteln, nicht leisten können. Solange die Politik nicht in der Lage ist, das Mietrecht so zu ändern, dass generalsanierte Wohnungen, egal in welchem Gebäude sie sich befinden, zu marktüblichen Mietpreisen angeboten werden können, werden wir weiter verfallende Häuser und damit weniger Wohnraum vorfinden.“

Sanierter Altbau kommt an, die erzielbare Miete ist das Problem

Die Nachfrage nach Altbauten in jeder Lage ist hoch, sagt Immobilienmakler Georg Spiegelfeld: „Die meisten bevorzugen den Altbau gegenüber dem Neubau.

Michael Schmidt © Andra Kranitz
Foto: M. Schmidt, 3SI Immogroup

Den Kunden ist eine sanierte Altbauwohnung auch etwas wert. Sie zahlen gerne eine Privatmiete über dem gesetzlich vorgeschriebenen Richtwert, wenn das Preis-/Leistungsverhältnis passt. Es sieht jeder ein, dass pri­vate Wohnungen, die ohne Steuerbegünstigung und Förderung errichtet werden, mehr kosten und der Erhalt alter Substanz seinen Preis hat.“ Erlaubt sei das aber nicht, sodass Vermieter verunsichert seien und Wohnungen oft nicht auf den Markt kommen.

Der Umweltschutz braucht viel mehr nachhaltige Sanierungen

Baumit-Geschäftsführer Georg Bursik: „Aus den Verkaufszahlen geht eindeutig hervor, dass die Sanierungsrate in den letzten fünf Jahren um 60 Prozent zurückgegangen ist.

Georg Bursik © Baumit

Foto: Georg Bursik, Baumit

Eine klare Bankrotterklärung an unseren Umweltschutz. Solange Bestand nicht ökologisch nachhaltig instand gesetzt wird, sieht es trüb aus. Allein mit der Neubaurate erreichen wir die dringend notwendigen Klimaziele jedenfalls nicht. Sanierung ist zwar von allen Seiten erwünscht, notwendige rechtliche Rahmenbedingungen für Anreize werden aber nicht geschaffen. Das Potenzial ist enorm – die Umsetzung schon längst fällig!“

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