Immobilien

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Erstmals seit 2015 sinken die Immobilien-Preise

Steigende Zinsen, schärfere Kreditvergaberegeln und hohe Inflation dürften Trendwende bringen - Größter Preis- und Nachfragerückgang im mittleren Preissegment

Der Ukraine-Krieg, die hohe Inflation, steigende Zinsen und verschärfte Kreditvergaberichtlinien sorgen für eine Trendwende am Immobilienmarkt. Erstmals seit 2015 dürfte eine rückläufige Nachfrage bei gleichzeitig steigendem Angebot die Preise heuer nach unten drücken. Die Preiserwartungen des Maklerbunds Remax für 2023 liegen bei minus 6,8 Prozent, nachdem es in den Jahren davor kontinuierlich bergauf gegangen war.

Auch bei der Nachfrage sehen die nach ihren Erwartungen befragten rund 600 heimischen Remax-Immobilienexperten eine Trendumkehr. Nach einer Steigerung um 2,8 Prozent 2021 und 6,7 Prozent 2022, ergeben die Berechnungen für 2023 ein Minus von 11,2 Prozent. Dagegen wird mit einem weiter wachsenden Angebot gerechnet, die Erwartungen liegen bei plus 7,6 Prozent. "Das ist eine Situation, wie wir sie so noch nie gehabt haben", sagte Remax-Experte Anton Nenning.

Steigerung bei Mietwohnungen in zentraler Lage, Mietwohnungen am Stadtrand und Baugrundstücken 

Lediglich bei Mietwohnungen in zentraler Lage, Mietwohnungen am Stadtrand und Baugrundstücken werden für 2023 leichte Preissteigerungen gesehen. In allen übrigen Kategorien liegen die Erwartungen im negativen Bereich. Besonders hart dürfte es Gewerbeimmobilien treffen. Für Geschäftslokale liegt die Remax-Preiserwartung bei minus 8,1 Prozent, für Büroflächen beläuft sich das Minus auf 7,7 Prozent.

Vor allem ab dem zweiten Halbjahr 2022 haben sich die Parameter für den Immobilienmarkt deutlich verändert. "Die steigenden Zinsen, die restriktiveren Kreditvergaberichtlinien, die hohe Inflation und die allgemeine Verunsicherung haben im zweiten Halbjahr zu einer deutlich niedrigeren Nachfrage geführt, gleichzeitig ist das Angebot - speziell im Bereich der Wohnimmobilien - seit Jahresmitte um mehr als 30 Prozent gestiegen. All diese Faktoren führen dazu, dass die hohen Preissteigerungen der letzten Jahre vorerst zu Ende sind", sagte Remax-Chef Bernhard Reikersdorfer am Mittwoch.

Der stärkste Rückgang der Nachfrage (minus 9,9 Prozent) wird im mittleren Immobilien-Preissegment gesehen, gleichzeitig wird dort aber auch der größte Zuwachs beim Angebot (8,0 Prozent) erwartet. Die Preise dürften in diesem Segment in Folge am stärksten unter allen Preissegmenten sinken, die Prognose liegt bei minus 7,9 Prozent. In der oberen und in der unteren Preisklasse zeigt sich der gleiche Trend, allerdings mit weniger Intensität.

Nach Bundesländern betrachtet wird der stärkste Nachfragerückgang für Tirol (minus 15,9 Prozent) und Vorarlberg (minus 19,3 Prozent) gesehen, während in Kärnten und Wien mit minus 6,8 bzw. minus 9 Prozent die geringsten Rückgänge zu erwarten sind. Auch bei den Preisen dürfte es in Kärnten (minus 4,7 Prozent) und Wien (minus 5,3 Prozent) am wenigsten stark zurückgehen. Die größten Abschläge werden in Vorarlberg mit minus 12,8 Prozent prognostiziert. Das Angebot dürfte in Tirol (plus 10,8 Prozent) am stärksten und in Kärnten (plus 5,1 Prozent) am wenigsten zunehmen.

Finanzierungsschwierigkeiten

Die sinkende Nachfrage sei vor allem Finanzierungsschwierigkeiten in der Mittelschicht geschuldet. Mit ein Grund dafür sind auch die verschärften Vorgaben bei der Kreditvergabe seit August 2022. Reickersdorfer rechnet jedoch damit, dass die Kreditvergabe-Richtlinien noch im ersten Quartal 2023 angepasst werden. Dann werde es für viele wieder einfacher, einen Kredit zu bekommen, sagte Reickersdorfer.

Das steigende Angebot sei zum einen drauf zurückzuführen, dass viele Verkäufer abgewartet hätten, wie sich die Preise entwickeln und Immobilien deshalb zurückgehalten hätten. Zum anderen gebe es auch einige, die aus finanziellen Gründen - Stichwort steigende Zinsen - zu einem Verkauf gezwungen seien. Reickersdorfer erwartet, dass es heuer noch ein bis zwei Zinserhöhungen geben werde. "Dann sollte der Plafond erreicht sein", so der Remax-Chef. Eine genaue Prognose sei jedoch schwierig.

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