Runder Tisch zur Wiener Zukunft am Bau

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Runder Tisch zur Wiener Zukunft am Bau

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Wie soll es weitergehen mit ­U-Bahn, dritter Piste, Auto und Öffis: Was braucht Wien?

Wie geht es weiter mit der Infrastruktur? Dazu diskutierten am runden Tisch jetzt die Profis: Austro-Control-Vorstand Heinz Sommerbauer, Anton Bondi de Antoni (Geschäftsführer Bondi Immobilien Consulting), EHL-Geschäftsführerin Sandra Bauernfeind, Sozialbau-Chef Josef Ostermayer, Gesiba-Generaldirektor Ewald Kirschner und Cetus-Baudevelopment-Geschäftsführerin Caroline Palfy. Für den Erfolg jedes Immobilienprojekts ist eine gute Verkehrsanbindung entscheidend, sagen sie – egal ob es um Business oder zufriedene Wohnungsinhaber geht.

Neben Standort auch Verkehrswege wichtig

Auch Wolfgang Hesoun, Präsident der IV Wien, betont die Bedeutung der Infrastruktur.
ÖSTERREICH: Herr Sommerbauer, wo sind die großen ­Lücken bei der Infrastruktur, wo ist aus Sicht der Austro Control anzusetzen – Stichwort dritte Piste?
Heinz Sommerbauer: Wir passen auf, dass Flugzeuge einander nicht zu nahe kommen im oberen Luftraum und natürlich auch am Flughafen selbst: Vom Anlassen der Triebwerke bis zum Ausschalten ist die Maschine unter unserer Aufsicht. Wir geben die Flugrouten vor, die Höhen, die Geschwindigkeiten. An starken Tagen im Juli oder August haben wir bis zu 4.000 Luftfahrzeuge im österreichischen Luftraum. Insbesondere der Airport Wien ist der Hotspot der österreichischen Luftfahrt. Irgendwann geht sich das nicht mehr aus. Derzeit gibt es zwei Pisten, in Wirklichkeit ­haben wir aber nur 1,6 davon, weil es kreuzende Pisten sind. Wir haben seit vielen Jahren immer versucht, die Notwendigkeit einer dritten Piste klarzustellen. Einerseits aus flugsicherungstechnischer Sicht, andererseits als Möglichkeit einer Entwicklung Gesamtösterreichs. Warum kommt ein Unternehmen nach Wien? Es sieht sich die Infrastruktur an, letztlich auch, wie leicht man hierher fliegen kann. Wenn eine Stadt wie Wien nicht optimal angebunden ist, dann steht man sich selbst im Weg. Darum sind wir sehr froh, dass die dritte Piste hoffentlich bald gebaut werden kann.

Investoren und Bürger müssen Klarheit haben

ÖSTERREICH: Herr Bondi, ist die dritte Piste unbedingt nötig – und welche Infrastruktur brauchen wir noch in Wien?
Anton Bondi:
Die dritte Piste ist ein großes Thema, insbesondere durch die politische Diskussion, auf die man auch international immer wieder angesprochen wird. Ich halte sie für absolut notwendig, um dem Status einer Weltstadt genüge zu tun. Aber ja, wir brauchen auch noch andere Dinge. Wir brauchen auf jeden Fall wieder Berechenbarkeit bei Großprojekten, wir brauchen die Erweiterung der ­U-Bahn. Ich glaube, wir müssen uns dessen bewusst sein: Je geringer der Platz wird, den wir in der Stadt zur Verfügung haben, desto emotionaler wird diese Nutzung der freien Flächen werden. Das klassische Thema ist der Heumarkt. Das Projekt kann man mögen oder nicht mögen, es kann einem gefallen oder nicht gefallen, das ist irrelevant. Aber wir müssen für solche Themen einfach Lösungswege, auch für die internationalen Investoren und Nutzer anbieten. Dazu gehören auch Themen wie die Verkehrsanbindung zu anderen Städten mit dem Zug usw., die wird immer besser. All das zusammen macht dann die Attraktivität einer Stadt aus.

Öffi-Anbindung & Co. als Treiber der Nachfrage

ÖSTERREICH: Wenn Sie den Wiener Immobilienmarkt betrachten, wo besteht Nachholbedarf?
Sandra Bauernfeind: Die Infrastruktur ist der Treiber der Marktentwicklung, egal ob im Gewerbebereich oder Wohnbereich. Wir haben das jetzt wieder bei der U1-Verlängerung nach Oberlaa ge­sehen. Auf einmal haben sich Grundstückspreise vervierfacht. Was mir noch fehlt, sind diverse ­Lückenschlüsse rund um Wien, etwa für das Funktionieren der Seestadt. Wir brauchen auch die Verbindung Richtung Ostautobahn, Flughafen. Der Airport ist gerade bei internationalen Kunden ein großes Thema, Flughafen­nähe ist derzeit ein großer Pluspunkt. Das ist gerade im Vertrieb ein wichtiges Thema, weil man mit dieser internationalen Klientel rechnet. Das betrifft auch die Wohnungen, wo man oft auf sie setzt.
ÖSTERREICH: Gibt es ein Rezept für Wien?
Josef Ostermayer: Wien ist sehr attraktiv, sowohl für Menschen, die hierherziehen aus dem Ausland, aus dem Umland, als auch für Touristen. Dass die Nächtigungen steigen, dass die Stadt wächst, ist aus meiner Sicht etwas ­Positives. Es gibt auch schrumpfende Städte, die haben ganz andere Probleme. Gleichzeitig müssen wir uns den Herausforderungen stellen: Flughafen, Donauquerung in den 21., 22. Bezirk, Stadtstraße im 22. Bezirk, Autoerschließung der Seestadt. Die Erschließung mit den Öffis ist hervorragend, das ­U-Bahn-Netz wird ausgebaut. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat aber zur Folge gehabt, dass die ­öffentliche Hand weniger Budget hat. Eine wachsende Stadt bedeutet aber, man braucht zusätzliche Infrastruktur wie Straßen, Kanalisation, Beleuchtung, Parks etc. Und man braucht auch soziale Infrastruktur wie Kindergärten, Schulen, Kultureinrichtungen usw.
Ewald Kirschner: Es ist wichtig, dass in Sachen technischer und sozialer Infrastruktur die Entscheidungen zeitgerecht getroffen werden. Die soziale Infrastruktur kann ich eintakten, im EG der Wohnhausanlage. Aber die technische Infrastruktur kann man natürlich auch entlasten, indem man den öffentlichen Haushalt entlastet und autofreie Siedlungen macht. Damit erspare ich mir Investitionen und in weiterer Folge gibt es auch in der Erhaltung Ersparnisse. Wichtig in der langfristigen Planung sind Entscheidungen in der übergeordneten technischen Infrastruktur, sprich die ­U-Bahn, was zeitgerecht passieren muss. Jetzt sind wir konfrontiert mit steigenden Baupreisen, steigenden Grundpreisen.
ÖSTERREICH: Welche Infrastrukturmaßnahmen wünschen Sie sich?
Caroline Palfy: Unter Gewerbetreibenden steht eine einfache und schnelle Verkehrsanbindung an erster Stelle, egal ob Manager oder Handwerker. Das Thema Verkehrsanbindung ist auch bei den Verhandlungen mit unseren künftigen Mietern im HoHo Wien essenziell. Eine ungünstige Verkehrslage und lange Anfahrtswege erschweren und verhindern viele Neuansiedlungen von Betrieben, auch in der Seestadt Wien. Genau diese jedoch sind für einen stark wachsenden Bezirk wie die Donaustadt – für den ganzen Raum Wien – entscheidend, um die Wirtschaft anzukurbeln und Arbeitsplätze zu schaffen. Wien-Donaustadt braucht ein taugliches Verkehrskonzept und eine ­rasche Umsetzung – ob ­Lobautunnel oder die vierspurige Stadtstraße oder ­eine ganz andere Lösung ist im Grunde egal, nur eine ­rasche Lösung wäre uns wichtig.

© Hans Schubert
Cetus-Chefin Caroline Palfy

Foto: Cetus-Chefin Caroline Palfy: Infrastruktur wichtig für Erfolg.

Wolfgang Hesoun: Wien hat für eine europäische Millionenstadt ein starkes Bevölkerungswachstum. Mehr Menschen bedeuten aber auch mehr Verkehr, weshalb neben den öffentlichen Verkehrsmitteln genauso die Straßenverbindungen weiter ausgebaut werden müssen. Ganz besonders wichtig für Wien ist dabei die Schließung der letzten, noch nicht fertiggestellten Lücke in der S1, der Außenring-Schnellstraße, zwischen Schwechat und Süßenbrunn. Erst dieser Lückenschluss würde zu einer echten Entlastung der Südosttangente, der Donaustadt und einiger Gemeinden in Niederösterreich führen, da dort der Durchzugsverkehr abnehmen würde. Außerdem hat sich in vielen anderen europäischen Millionenstädten gezeigt, dass Umfahrungsringe eine sehr positive Wirkung auf den Straßenverkehr in der Stadt haben.

© Andi Bruckner
Wolfgang Hesoun

Foto: Wiener Industriellen-Präsident Wolfgang Hesoun.
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