Neue Projekte für 2018 am Flughafen Wien

Julian Jäger und Günther Ofner im Interview

Neue Projekte für 2018 am Flughafen Wien

ÖSTERREICH: Wie sind die Aussichten für 2018 am Flughafen Wien?
Julian Jäger: 2017 war mit über 24 Mil­lionen Passagieren für den Flughafen Wien ein Rekordjahr – trotz der Turbulenzen von Air Berlin und NIKI. Und wir sind sehr optimistisch, dass auch 2018 ein Wachstumsjahr wird.

Neue Besucherwelt mit 70 Prozent mehr Gästen

Günther Ofner: Das Jahr 2017 war von zahlreichen erfolgreich abgeschlossenen Projekten geprägt: Die neu eröffnete Besucherwelt brachte ein Gästeplus von rund 70 Prozent, das neue Air Cargo Center hat eröffnet, ebenso wie das ­Moxy Hotel mit über 70 Prozent Auslastung. DHL errichtet am Flughafen Wien ein 70.000 m2 großes Logistikzentrum, das 2018 fertig werden soll, mit rund 500 neuen Mitarbeitern. In der Airport City haben sich 2017 außerdem wieder etliche zusätzliche Betriebe angesiedelt, in Summe sind es jetzt rund 250. Und 2018 haben wir etliche neue große Projekte in der Pipeline.

Was kommt: Gesundheitszentrum und neues Dreisternehotel

ÖSTERREICH: Um was geht es da zum Beispiel?
Ofner: Das nächste große Projekt ist der Office Park 4, wo die Baugrube ab April ausgehoben wird. Dort entstehen rund 25.000 Quadratmeter top-moderne Bürofläche mit Passivhausstandard, rund 60 Millionen Euro werden investiert. Und ab Sommer wird es ein umfassendes Angebot an Gesundheitsdienstleistungen am Airport geben, für die rund 20.000 dort Beschäftigten und zur Erhöhung der Attraktivität des Standorts. Außerdem gibt es Pläne für ein Dreisternehotel, für das im ersten Halbjahr 2018 die Interessentensuche beginnen wird. Darüber hinaus werden sich wieder neue Betriebe in der Airport City niederlassen – voraussichtlich auch ein Unternehmen aus England.

Jamie-Oliver-Bar eröffnet im Frühjahr

ÖSTERREICH: Auch bei Shopping und Gastronomie gibt es viel Neues am Flughafen?
Jäger: Ja – wir haben vor Kurzem mehrere neue Betriebe eröffnet, wie den Leberkas Pepi, einen Elektronik-Store und das Restaurant Jamie’s Italian. Im Frühjahr 2018 kommt noch eine Bar, dann bieten wir auf 700 Quadratmetern eine tolle Jamie-Oliver-Gastronomiewelt. Ein wesentliches Highlight für Passagiere wird sicher die geplante Süderweiterung sein, die bis 2023 eröffnet wird. Dort werden wir 12.000 m2 zusätzliche Fläche für Shopping und Gastronomie schaffen, um internationale, aber auch österreichische Marken zu präsentieren.

ÖSTERREICH: Wie entwickeln sich die Umsätze bei Shopping und Gastronomie?
Jäger: Die Shoppingumsätze entwickeln sich mit einem Plus von rund fünf Prozent sogar besser als die Passagierzahlen. Auch der Durchschnittsumsatz pro Passagier ist wieder leicht gestiegen.

Stromverbrauch pro Passagier wurde um 22 Prozent gesenkt

ÖSTERREICH: Die Themen Ökologie und Energieeffizienz spielen am Flughafen Wien eine große Rolle?
Ofner: Ja, das ist ein wichtiger Schwerpunkt. Unser großes und ambitioniertes Forschungsprojekt mit der Technischen Universität Wien hat große Fortschritte erzielt. Pro Passagier gerechnet konnten wir den Stromverbrauch um 22 Prozent senken, den CO2-Ausstoß sogar um 30 Prozent – und das wird noch mehr werden. Wir werden auch unsere Kläranlage mit Fotovoltaik überdachen – dieses Projekt wird im Sommer umgesetzt. Der Forschungsförderungsfonds unterstützt zwei wichtige Energieeffizienz-Projekte zur Elektromobilität und zur Energieoptimierung.

Elektro-Busse für Transport der Passagiere zum Flieger

ÖSTERREICH: Worauf richten Sie den Fokus bei der Elektromobilität?
Ofner: In fünf bis zehn Jahren werden wir einen Großteil des Transportbedarfs auf Elektromobilität umstellen. Dafür brauchen wir aber entsprechende Infrastruktur und Speichermöglichkeiten. Zum Beispiel geht es um die Busse, welche die Passagiere zum Flieger bringen, um den Transport des Gepäcks und des Caterings zu den Flugzeugen. Das ist eine enorme Herausforderung – all ­diese Fahrzeuge gleichzeitig mit Strom aufzuladen, geht nicht. Daher muss man sich intelligente Systeme überlegen, wie das technisch und ökonomisch bewältigbar ist.

ÖSTERREICH: Weil wir gerade beim Handling, also der Boden­abfertigung sind: Sie haben 2017 neue Verträge mit der AUA und der Lufthansa-Gruppe geschlossen?
Jäger: Ja, wir haben jetzt Handling-Verträge bis Ende 2025, mit der Lufthansa-Gruppe bis Mitte 2023. Hier ist unsere Position mit einem Marktanteil von knapp unter 90 Prozent längerfristig abgesichert. Wir müssen uns natürlich anstrengen, um die Kostenvorteile, die die Lufthansa-Gruppe bekommen hat, wieder zu verdienen.

E-Gates mit Gesichtsscanner seit Kurzem in Betrieb

ÖSTERREICH: Wie wirkt sich eigentlich der Trend zur Digitalisierung am Flughafen aus?
Jäger: Die Digitalisierung spielt auch bei uns eine immer größere Rolle. Vieles gibt es ja schon: von den Quick Boarding Gates, wo man einfach das Handy hinlegt, bis zu den neuen E-Gates mit Gesichtsscanner, die wir vor Kurzem in Betrieb genommen haben. Und wir geben die Wartezeiten bei der Sicherheitskontrolle und die Weg­zeiten zu den Gates an: Dafür arbeiten wir mit Echtzeitmessungen, um festzustellen, wie lange die Menschen tatsächlich anstehen oder zum Gate brauchen. E-Commerce ist ebenfalls ein kommendes großes Thema.
ÖSTERREICH: Inwiefern E-Commerce?
Jäger: Hinsichtlich des ge­änderten Einkaufsverhaltens der Menschen steigt der Druck auch auf die Flughäfen. Wir werden immer innovativer sein müssen, um weiter wachsende Umsätze zu produzieren. Das geht auch über Kooperationen, zum Beispiel wird Zustellung nach Hause angedacht.

3. Piste wird nach 2025 gebraucht - hat aber lange Vorlaufzeit

ÖSTERREICH: Wie ist der Stand in Bezug auf die 3. Piste?
Jäger: Dass der Verfassungs­gerichtshof 2017 das Verbot der 3. Piste aufgehoben hat, war ein wichtiger Meilenstein. Jetzt warten wir auf die nächste Entscheidung. Aber auch wenn 2018 der positive Entscheid des Verwaltungsgerichts kommt, wird das wohl nicht das Ende der juristischen Auseinandersetzung sein. Doch wir haben jetzt deutlich bessere Karten. Wir gehen davon aus, dass wir nach 2025 eine 3. Piste brauchen werden. So ein Projekt hat natürlich eine Vorlaufzeit, also hoffen wir, dass wir in absehbarer Zeit juristische Klarheit haben. Aber zwei, drei Jahre wird es schon noch dauern.

Kürzere Verfahren wären sehr wichtig für den Wirtschaftsstandort

Ofner: Die Kritik an überlangen Verfahren hat ja erfreulicherweise umfangreichen Eingang in das Regierungsübereinkommen gefunden. Insgesamt vier Kapitel widmen sich den Themen Verwaltungsvereinfachung und Verfahrensverkürzung. Das ist etwas sehr Wichtiges für den Wirtschaftsstandort. Für das laufende Verfahren zur 3. Piste hat das zwar keine Bedeutung, aber hoffentlich für alle künftigen. Ganz gleich, mit wem man redet, ob kleine Betriebe oder große Industrieunternehmen: Alle klagen über die exorbitanten Verfahrensdauern und Mehrbelastungen aus komplizierten Regelungen. Ein kleines Beispiel am Airport: Wir haben 30.000 Fluchtweg-Lampen, die 365 Tage im Jahr 24 Stunden leuchten müssen. Das ist absurd: Selbst in der Zeit, wo niemand im Haus ist, leuchten Zigtausende Lampen. Das sind drei bis vier Millionen Kilowattstunden, die völlig sinnlos verbrannt werden.
 

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