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Landwirtschaft: Fischler für mehr Kooperation

Für mehr Zusammenarbeit in der Wertschöpfungskette und gegen "Sparten-Egoismus" sprach sich der frühere EU-Agrarkommissar und Präsident des Ökosozialen Forums, Franz Fischler, im Rahmen des Eröffnungstages der Wintertagung 2010 auf der Universität Wien aus.

Das geschlossene Weltbild nur für die Landwirtschaft sei in Zukunft nicht mehr möglich, betonte der Agrarexperte und forderte neue nationale und europäische Initiativen für die Landwirtschaft.

"Wir brauchen ökonomisch, ökologisch und sozial nachhaltige Strategien und eine Bündelung aller Kräfte in Österreich, damit die Landwirtschaft überlebens- und zukunftsfähig wird", betonte Fischler. Zentral sei dabei die Frage der Innovation und des Wissenstransfers. Nur durch eine verstärkte Zusammenarbeit innerhalb der Lebensmittel-Wertschöpfungsketten und eine stärkere Bindung zu den Konsumenten könne die brisante Einkommenssituation in der Landwirtschaft wieder verbesser werden.

Auch die Generalsekretärin der Wirtschaftskammer Österreich, Anna Maria Hochhauser, sieht in einer verstärkten Kooperation zwischen Agrar- und Lebensmittelwirtschaft eine Möglichkeit, die Wertschöpfung zu verbessern und Beschäftigung im ländlichen Raum zu steigern. Wenngleich sich die Lebensmittelindustrie als vergleichsweise "krisenresistent" erwiesen habe, so sei nun dennoch "rechtzeitiges Handeln" angebracht, um die heimische Agrar- und Lebensmittelindustrie zu unterstützen. Dann könne Österreichs Agrar- und Lebensmittelwirtschaft auch künftig mit "Qualität, Innovation und Kooperation" punkten.

Lebensmittelindustrie vergleichsweise "krisenresistent"

Während in Österreich im ersten Halbjahr 2009 das Produktionsvolumen der Industrie um fast 20 % einbrach, war der Rückgang in der Lebensmittelindustrie um 4,5 % um ein Vielfaches geringer und primär in sinkenden Rohstoffpreisen begründet. Ähnlich die Situation im Export: Österreichs Agrar- und Lebensmittelausfuhren werden 2009 voraussichtlich rund 7,1 Mrd. Euro erreichen, was im Vergleich zu 2008 einem wertmäßigen Rückgang um 10,9 % entspricht. Das Minus fällt damit nur in etwa halb so hoch aus wie bei den Gesamtexporten.

Der Präsident der Landwirtschaftskammer Österreich, Gerhard Wlodkowski, sieht im "Feinkostladen Österreich" den einzigen gangbaren Weg für Österreichs Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie. Die Preisschlacht des Handels gehe dagegen zulasten der Bauern und der Industrie, ist er sich sicher.

Wenn der Konsument höchste Qualität fordere - geprüft von der Geburt bis zum Teller - gehe das nicht zu Billigstpreisen, betonte Wlodkowski und forderte eine bessere Lebensmittelkennzeichnung aufbauend auf dem AMA-Gütesiegel. Die von Landwirtschaftsminister Niki Berlakovich geplante "Professionalisierungsoffensive", im Zuge derer jeder Bauernhof einer Betriebsanalyse unterzogen werden soll, begrüßte der Kammer-Präsident.