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NÖM stellt Groß-Molkerei in England fertig

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An dem Ort, wo die Industrielle Revolution ihren Ausgang genommen hat, in der Stadt Telford in Mittel-England nahe Birmingham, hat die österreichische Molkerei NÖM ihr erstes Auslandswerk auf die grüne Wiese gestellt. Insgesamt 62 Mio. Euro wurden von der Raiffeisen Holding NÖ-Wien als Eigentümerin in die derzeit modernste Molkerei Europas investiert. Das ist die größte Privatinvestition der vergangenen zehn Jahre in dieser Region, wie die Bürgermeisterin von Telford, Karen Blundell, bei der offiziellen Eröffnung der Molkerei "NOM UK" dieser Tage sagte.

Vor drei Jahren habe man den Entschluss gefasst, die NÖM schrittweise zu einem europäischen Hersteller von Molkereiprodukten aufzubauen, so NÖM-Generalbevollmächtigter Gerhard Schützner zur APA. Nach der Gründung von NÖM International, an der die Raiffeisen Holding 85 Prozent und die NÖM 15 Prozent hält, habe man "viele Möglichkeiten geprüft und sich als erstes für England entschieden". Der Grund: Großbritannien importiere mehr als 3 Milliarden Einheiten an Molkerei-Produkten vom Kontinent, vor allem aus Deutschland, Frankreich und Holland.

UK-Martkanteile holen

Der britische Handel versuche derzeit aber aus Umweltschutzgründen, auf lokale Hersteller umzusteigen, erläuterte der NÖM-Sanierer, der vor 20 Jahren in seiner früheren Tätigkeit als Manager bei der deutschen Müller bereits Milch "Müller UK" erfolgreich aufgebaut hat. "Wir wollen uns jetzt so viel wie möglich von diesen drei Milliarden Einheiten an Molkereiprodukten holen", gab er den Weg vor.

Die nach dem neuesten Stand der Technik in nur einem Jahr aufgebaute Molkerei hat derzeit eine Kapazität von 500 Millionen Einheiten pro Jahr. Ziel sei es, in vier bis fünf Jahren diese Produktionsmenge zu verdoppeln. Dann wäre das britische NÖM-Werk so groß wie die Zentrale in Baden jetzt. Damit schaffe die NÖM 200 Arbeitsplätze in der Region. Der Umsatz von NOM UK soll in zwei Jahren im dreistelligen Millionenbereich liegen. Vom 8,5 Hektar großen Grundstück werden derzeit 40 Prozent genutzt. Auch im Werk selbst sei "alles auf Expansion ausgerichtet", betonte Schützner.

Glaube an antizyklische Investitionen

Aufgrund der regen Nachfrage seitens des Handels und auch anderer Molkereien, die derzeit vom Festland die britische Insel beliefern, sollen noch heuer zwei neue Maschinen angeschafft werden. Das Investment von knapp 20 Mio. Euro trägt Raiffeisen mit, bestätigte Raiffeisen-Holding-Generaldirektor Erwin Hameseder. "Wir glauben an antizyklische Investitionen", sagte Raiffeisen-Holding-Generaldirektor Erwin Hameseder bei seiner Eröffnungsrede in Telford. Und der britische Markt berge für die NÖM viel Potenzial. Das Investment in England sei für die NÖM "ein Meilenstein in der internationalen Strategie" des Unternehmens, zeigte sich der Eigentümervertreter stolz.

In drei bis vier Jahren soll der neue NÖM-Standort Gewinne abwerfen, gab Hameseder den Weg vor. Schon jetzt zählen zu den NÖM-Kunden die großen britischen Supermarkt-Ketten Tesco, Sainsbury, Asda und Morrisons. Noch sind drei Viertel der Produktion Eigenmarken und nur ein Viertel NOM-Marken, dieses Verhältnis sollte sich aber drehen, so Martin Schlender, einer der drei NOM-Geschäftsführer in Telford.

Die NÖM hat innerhalb weniger Jahre ihr Exportgeschäft von Null auf 180 Mio. Euro gepusht. Der Exportanteil liegt damit bei etwa 50 Prozent. In Italien hat sich in den vergangenen Jahren das Geschäft verdreifacht und liegt nun bei 17 Prozent des gesamten Exportvolumens. Wichtigster Markt aber ist Deutschland, wo die NÖM einen Umsatz von mehr als 70 Mio. Euro erzielt. Insgesamt exportieren die Niederösterreicher in 23 Staaten.

Zurückhaltung in der Ukraine

Bei einem weiteren Projekt in der Ukraine mit einem Investitionsvolumen von bisher 10 Mio. Euro steht man derzeit auf der Bremse. Sowohl aus politischen als auch aus wirtschaftlichen Gründen sei es nicht sinnvoll, dort jetzt zu investieren, waren sich die NÖM-Manager einig. Darüber hinaus hat die NÖM eine Tochter in Ungarn und eine Vertriebskooperation in Italien. Auch Akquisitionspläne in Westeuropa - die Fühler hatte die NÖM in Norddeutschland und Südfrankreich ausgestreckt - seien derzeit ebenfalls auf Eis gelegt worden.

Die NÖM AG hat 2008 einen Umsatz von 373 Mio. Euro und ein Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) von 600.000 Euro erwirtschaftet. 2007 verbuchte die NÖM einen Umsatz von 337 Mio. Euro und noch ein EGT von 12,2 Mio. Euro. 2009 sei ein Umsatz von 400 Mio. Euro geplant und ein Ergebnis, das wieder an die Jahre vor 2008 anschließen werde. Dazu beitragen soll auch ein Sparprogramm über 10 Mio. Euro. Die NÖM beschäftigt in Baden derzeit 710 Mitarbeiter.