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Zotter setzt auf eigene Shops und Doping-Konfekt

Mit eigenen Shops, von denen drei noch heuer eröffnet werden sollen, will der oststeirische Chocolatier Josef Zotter auch die deutschen Gaumen verstärkt für seine Kreationen gewinnen. Diese präsentieren sich in der aktuellen Edition - 70 der 218 Schokosorten sind neu - zum Teil wieder ziemlich schräg, etwa "Kunststoff" mit rotem Kokos und Fischgummi oder "Peanuts & Ketchup". Eine andere Form des Konfektgenusses verspricht "Choco Shot Oral", verabreicht in halbflüssiger Form per Einwegspritze.

Zotter bleibt experimentierfreudig, wenngleich mit Hintergrund. So hat das "Doping-Konfekt" mit der anderen Konsistenz zu tun, die in der Textur neue geschmackliche Möglichkeiten eröffnet: "Es taugt mir zu spielen, weil ich inzwischen schon ein gutes Gefühl habe, wie die Leute ticken und der Zeitgeist funktioniert."

Mit anderen Produkten wie der jungen Linie "Mitzi Blue" - runde Tafeln in quadratischer Verpackung -, die entgegen Zotters Usancen ab Herbst beworben und über Handelsketten vertrieben wird, versucht Zotter eine "breitere Aufstellung". An den Kritierien "bio" und "fair" wird aber nicht gerüttelt.

"Viva el Cacao!" heißt ein kommenden Freitag am Stammsitz in Riegersburg präsentierte Doku-Film, den der Filmemacher Roland Wehap ("Burma all inclusive") mit Zotter in Nicaragua gedreht hat. Man wolle die Produzenten zu den Konsumenten bringen und Bewusstsein wecken: bei den Zuschauern, indem man ihnen ungeschönt die Produktions- und Lebensumstände zeigt, und bei den Bauern, die ja Schokolade nicht wirklich kennen (nur Kakao als Kaltgetränk, Anm.), indem man den eigenen Qualitätsbegriff erklärt. "Ich fühle mich als Mittelsmann, ich freue mich diebisch, dass ich das jonglieren darf", so Zotter.

Viele Besucher bei "gläserner Fabrik" und Schokoladentheater

Neben der Fair-Trade-Idee, die er auch auf die heimische Agrarproduktion übertragen möchte und dazu eigene Projekte im Köcher hat, ist dem Schokoladenmacher die Transparenz ein vorrangiges Anliegen: Seine "gläserne Fabrik" und das Schokoladentheater besuchten 2008 rund 160.000 Menschen, d.h. würde sein Betrieb in Bergl bei Riegersburg als "Sehenswürdigkeit" geführt, läge er hinter der Basilika von Mariazell in der Steiermark an zweiter Stelle.

Der Wirtschaftskrise, die man mit stagnierendem Umsatz - wie 2007 rund 12 Mio. Euro, erwirtschaftet von 100 Mitarbeitern - durchaus spürt, kann Zotter auch Positives abgewinnen. Der Umstand, dass sein Betrieb als der zweite Österreichs von der Harvard Business School of Economics für eine Studienprojekt ausgesucht worden sei, deute auf ein Umdenken in Richtung Nachhaltigkeit hin.

Selbst will er nun auf dem noch nicht so gut erschlossenen deutschen Markt (bisher 35 % des Umsatzes) mit eigenen Shops punkten: Auf 60 Quadratmetern und weniger soll die Essenz seines "Schokoladentheaters" inszeniert werden, Frankfurt/M., Essen und voraussichtlich auch Münster sind für heuer fix, nach fünf Pilotgeschäften sollen Franchise-Partner einsteigen.