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WAZ will kaufen

Machtkampf um die Krone hat begonnen

Trauer, Schock und die Frage: Wie geht es nach dem Tod von Hans Dichand mit der "Kronen Zeitung" weiter? Der Thriller hat schon begonnen.

Tag 1 nach der Hiobsbotschaft. Angespannte Ruhe in der Krone-Redaktion. Chefredakteur Christoph Dichand, der zweitälteste Sohn, leitet die Morgensitzung. Gegen Mittag verlässt er sein spartanisches Büro in der Wiener Muthgasse: „Es sind Formalitäten zu klären“, heißt es. Das Begräbnis am Grinzinger Friedhof muss organisiert, die Testamentsöffnung terminisiert werden.

Hinter den Kulissen hat aber der Thriller um die Zukunft des Kleinformats begonnen. Hans Dichand hat in den letzten vier Monaten fieberhaft versucht, sein Lebenswerk auch für die Zeit nach seinem Tod zu regeln. Zuletzt wollte er mit Finanzierung von „Raiffeisen“ die deutsche Verlagsgruppe WAZ auskaufen, die 50 Prozent an der Krone besitzt. Die WAZ wollte 200 Mio., Dichand bot aber nur zwischen 130 und 150 – zu wenig für die Deutschen. Die Gespräche wurden zu Pfingsten ergebnislos abgebrochen.

Neuer geschäftsführender Chefredakteur?

Nun kommt Dramatik in die Verkaufsgespräche – denn schon einen Tag nach Dichands Tod wollen die deutschen Teilhaber den Spieß umdrehen – nach dem Tod des Gründers will die WAZ plötzlich die Familie Dichand komplett auskaufen und 100 % an der Krone übernehmen: „Wir kaufen sofort“, sagt WAZ-Chef Bodo Hombach zu ÖSTERREICH, „wenn wir die Zeitung um jene Summe bekommen, die Dichand uns geboten hat.“ Prompt begann am Freitag ein wahrer Nerven-Poker.

WAZ-Chef Bobo Hombach über "Krone": "Jetzt wird sich einiges ändern"

ÖSTERREICH: Wie geht es jetzt weiter?

Bodo Hombach: Wir bedauern den Tod von Herrn Dichand und haben der Familie kondoliert. Wir hatten bereits um die Pfingsttage herum deutlich gemacht, dass wir unsere Verkaufsbemühungen abgesagt haben. Dabei wird es bleiben.

ÖSTERREICH: Umgekehrt gefragt – sollten Ihnen nun die Dichand-Anteile an der Krone angeboten werden – würden Sie kaufen?

Hombach: Ja, sofort. Zu den Konditionen, die man für unseren Anteil geboten hat, würden wir selbstverständlich kaufen.

ÖSTERREICH: Werden Sie verstärkt in die Zeitung eingreifen?

Hombach: Das ist alles im Vertrag geregelt, da ändert sich jetzt eine ganze Reihe. Wir haben eine 50prozentige Partnerschaft, auch in den Strukturen, also auch in der Führung.

ÖSTERREICH: Was bedeutet das konkret?

Hombach: Ehrlich gesagt, das geht jetzt ein wenig zu weit. Es gibt eine gemeinsame Geschäftsführung, es gibt gemeinsame Entscheidungen und es wird sich auch beim Vorabgewinn etwas ändern. Wie wir das jetzt umsetzen, das wäre pietätlos, darüber jetzt schon zu sprechen. Es gab klare Sonder-Regelungen für Hans Dichand, die auf ihn als Person bezogen waren und die jetzt nicht mehr gültig sind.

ÖSTERREICH: geht es da um die Vorabgewinnausschüttung an Hans Dichand in der Höhe von monatlich 700.000 Euro?

Hombach: Ja, das wird sich erheblich ändern, aber das möchte ich jetzt nicht näher erläutern.

ÖSTERREICH: Wer ist jetzt ihr direkter Ansprechpartner bei der Krone?

Hombach: Das weiß ich nicht, wie die Familie ihre Verhältnisse regelt, kann ich ihnen nicht sagen.

ÖSTERREICH: Sie haben Herrn Dichand gut gekannt…

Hombach: Alle Gespräche mit ihm waren von besonderer Höflichkeit; als ich dann aber die Schreiben der Anwälte bekam, klang alles ganz anders.

Die WAZ kündigte die Installation eines geschäftsführenden Chefredakteurs neben Christoph Dichand an, um den „Junior“ unter Druck zu setzen: „Wir haben seit jeher diese Option“, sagte WAZ-Geschäftsführer Christian Nienhause zu ÖSTERREICH, „nur wollten wir diese nicht ausnützen, es gab ja die Achse Dichand sen. und Dichand jun. in der Chefredaktion. Jetzt ist die Lage anders.“

„Die Frage ist, um wie viel verkaufen die Dichands?“

Ziel der WAZ ist es offenbar, schon am Tag 1 nach Dichands Tod den Nervenkrieg um die Krone zu eröffnen und die Familie zum Verkauf zu bewegen. Das kolportierte Szenario: Die Familie verkauft die Krone um 250 Millionen – und zieht sich mit dem Vermögen in die von Eva Dichand geführte Gratis-Zeitung Heute zurück.

Dichands Witwe als Krone-Erbin

Eine Frau wird die neue Regentin der „Krone“. Denn laut Gesetz ist Hans Dichands Ehefrau Helga, 73, die Haupterbin. Sie würde 33 Prozent erhalten. Wäre somit die wichtigste Entscheiderin, eine österreichische Friede Springer (die seit dem Tod von Axel Springer den größten Verlag führt) oder Liz Mohn (Bertelsmann).

Helga Dichand hat sich aber nie ins Zeitungsgeschäft eingemischt. Sie lebt völlig zurückgezogen in der Familien-Villa am Wiener Kaasgraben. Meidet gesellschaftliche Ereignisse. Macht viel Sport, ernährt sich gesund, liebt Paris, den Attersee, Kunst und Reisen.

Vor fünf Jahren dann der erste schwere Schicksalsschlag für die Familie: Helga Dichand erlitt einen Schlaganfall. „Mit unglaublicher Energie und Kraft kämpfte sie sich zurück ins Leben, ist wieder fit“, sagt ein Freund der Familie. Trotzdem gilt es als unwahrscheinlich, dass sich Helga Dichand nach ihrem Schlaganfall in das operative Geschäft bei der „Krone“ einmischen will.

Drei Kinder. So werden wohl Dichands Kinder die Zukunft der „Krone“ gestalten. Jedes der drei Kinder erhält 22 %. Christoph Dichand ist bereits – vom Vater eingesetzt – Chefredakteur der „Krone“. Ehefrau Eva agiert umtriebig als Herausgeberin der Gratiszeitung „Heute“. Denkbar ist, dass Christoph und Eva die „Krone“ gemeinsam führen wollen.

Das wollen aber angeblich die beiden anderen Kinder – Michael und Johanna – nicht, die Schwiegertochter Eva reserviert gegenüberstehen. Christoph erhält nur 22 %, der Rest der Familie 78 %. Eine spannende Situation.