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Firmenpleiten haben sich fast verdoppelt

In den ersten drei Quartalen 2022 sind die Firmen- und Privatinsolvenzen laut einer Hochrechnung des Kreditschutzverbands KSV1870 stark angestiegen: Unternehmenspleiten um 92 Prozent, Privatkonkurse um 24 Prozent.

Die Unternehmenspleiten stiegen um 92 Prozent auf 3.482 Fälle. Die geschätzten Verbindlichkeiten erhöhten sich um 88 Prozent auf etwa 1,4 Mrd. Euro, die Zahl der betroffenen Dienstnehmer auf 9.800 (+72 Prozent). Privatkonkurse gab es mit 6.209 um 24 Prozent mehr - mit Durchschnittsschulden von 107.000 Euro je Insolvenz.

Kostenexplosionen, Lieferengpässe

Die Liste an Herausforderungen, mit denen sich die Betriebe seit vielen Monaten beschäftigen müssen, sei auch über die Sommermonate nicht kürzer geworden, so Karl-Heinz Götze vom KSV. Trotzdem liegt die Zahl der Firmeninsolvenzen immer noch um 9 Prozent unter dem Vergleichswert des letzten Vor-Corona-Jahres 2019. Aber: "Anhaltende Kostenexplosionen, gravierende Lieferengpässe und die schwierige Suche nach Personal sind nur einige wenige Faktoren, warum sich die wirtschaftliche Gesamtsituation zuletzt verschlechtert hat", so Götze.

Die Erwartungshaltung für die nächsten Monate sei gedämpft. Rund die Hälfte der Unternehmen blicke negativ Richtung Jahresende.

Keine Sanierung mehr möglich

Bedenklich findet der KSV, dass heuer 40 Prozent aller Firmenpleiten mangels Kostendeckung abgewiesen worden seien. Im Vorjahr waren es 32 Prozent. Den Anstieg gebe es, weil viele Betriebe deutlich früher Insolvenzen hätten anmelden müssen, so Götze. Durch den Fortbetrieb würden aber auch die allerletzten Mittel aufgebraucht, wodurch keine Sanierung mehr möglich sei. Das führe zu mehr Jobverlusten und die Gläubiger schauten durch die Finger.

Handel, Bau, Tourismus besonders betroffen

(Kfz-)Handel, Bau und Tourismus sind laut KSV die Insolvenztreiber. Insgesamt gab es durchschnittlich 13 Pleiten pro Tag. Der deutliche Anstieg der Gesamtpassiva ist unter anderem dem Konkurs der CPI-Gruppe (Passiva: rund 220 Mio. Euro) und dem Fall der Polytechnik Luft- und Feuerungstechnik GmbH (66,3 Mio. Euro) geschuldet.

23 Privatkonkurse pro Tag

Bei den Privatpleiten gab es 23 Eröffnungen pro Tag. Auch hier haben sich die Gesamtpassiva erhöht. Die Summe stieg um gut 16 Prozent auf insgesamt rund 665 Mio. Euro.

Die Brieftaschen der Menschen in Österreich würden derzeit von Inflation - gestiegenen Energiekosten, Preissteigerungen im Supermarkt - enorm belastet, so Götze. Der Anstieg sei wenig überraschend. Aber auch hier wurde das Vor-Corona-Niveau (7.174 Fälle) noch nicht erreicht, obwohl die Zahl der eröffneten Privatkonkurse seit Inkrafttreten der Insolvenznovelle (Richtlinie über Restrukturierung und Insolvenz) im Juli 2021 kontinuierlich gestiegen ist.

"Im Privatkonkurs ist der aktuelle Anstieg vor allem auf die Insolvenznovelle des Vorjahres zurückzuführen, die deutliche Erleichterungen, wie eine verkürzte Entschuldungsdauer für Schuldner, gebracht hat. Wenn man etwas in die Zukunft blickt, werden aber auch die explodierenden Kosten in nahezu allen Lebenslagen Auswirkungen haben", sagt Götze.