Mellach Gewessler

Österreich Aktuell

Wegen Gas-Krise: Kohle-Comeback soll uns retten

Um für Ausfälle bei russischem Gas gerüstet zu sein, steigt Österreich wieder in Kohle ein. Das stillgelegte Kohlekraftwerk Mellach soll reaktiviert werden.

Von der CO2-Schleuder Kohle hatte sich Österreich an und für sich ver­abschiedet – Putins Gas-Machtspiel sorgt nun für einen Rückschritt in der Klimapolitik. Angesichts einer drohenden Gas-Knappheit soll das vor zwei Jahren stillgelegte Verbund-Kohlekraftwerk Mellach in der Steiermark wieder einsatzfähig gemacht werden, um dort im Notfall Strom und Wärme wieder aus Kohle erzeugen zu können, so Energieministerin Leonore Gewessler (Grüne). Per Knopfdruck lässt sich das Kraftwerk freilich nicht wieder hochfahren. Die Reaktivierung werde Monate dauern, so Gewessler.

Kohle ist doppelt so schmutzig wie Gas

Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht, die Details werden jetzt geprüft, so eine ­Verbund-Sprecherin zu ÖSTERREICH. Neben den technischen Arbeiten gehe es um Mitarbeiter, die sich mit dem Betrieb eines Kohlekraftwerks auskennen – nach der Stilllegung von Mellach im Frühjahr 2020 habe man dieses Personal aktuell nicht.

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Wegen Gas-Krise: Kohle-Comeback soll uns retten
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400.000 Tonnen Kohle

Die größte Herausforderung sei aber, die Kohle am Weltmarkt zu beschaffen und daraus ein wirtschaftliches Modell zu machen, so die Verbund-Sprecherin. In einem normalen Jahr wurden in Mellach früher 400.000 Tonnen Kohle verheizt.

Die Kapazität des von 1983 bis 1986 errichteten Fernheizkraftwerks Mellach liegt bei 240 Megawatt. Es lieferte 34 Jahre lang etwa 80 Prozent der gesamten in Graz benötigten Fernwärme. Mellach ist im Übrigen das einzige heimische Kohlekraftwerk, das reaktiviert werden kann – weil es eben erst vor relativ kurzer Zeit stillgelegt wurde.

Gesetz bis Mitte Juli

Die Höhe der Kosten für das Hochfahren steht noch nicht fest – klar ist aber, dass dafür zur Gänze der Bund aufkommt, heißt es aus Gewesslers Ministerium. Dafür braucht es eine gesetzliche Grundlage, die bis Mitte Juli geschaffen werden soll.

Klima-Keule

Fakt ist: Bei der Stromerzeugung mit Kohle entstehen pro Kilowattstunde 882 g Kohlendioxid. Bei Öl sind es 645 g, bei Erdgas 440 g.