Benko soll 80 Mio. für Krone und Kurier-Anteile gezahlt haben

Feindliche Übernahme?

Benko soll 80 Mio. für Krone und Kurier-Anteile gezahlt haben

Paukenschlag in der heimischen Medienbranche: Immobilien-Investor Rene Benko steigt mit seiner Signa Holding bei "Kronen Zeitung" und "Kurier" ein. Dies geschieht über eine 49-prozentige Beteiligung an der WAZ Ausland Holding GmbH. Über diese hält die deutsche Funke-Gruppe 50 Prozent an der "Krone" und fast die Hälfte am "Kurier". Der Deal wurde am Montag per Aussendung bekanntgegeben.

Kolportierter Kaufpreis: 80 Millionen Euro

Die Zusammenarbeit starte "nach Freigabe durch die zuständigen Kartellbehörden". Signa hielte dann durchgerechnet 24,22 Prozent am "Kurier" und 24,5 Prozent an der "Krone". Der kolportierte Kaufpreis soll bei rund 80 Millionen Euro liegen.

Damit geht das Duell um die Krone in die nächste Runde: "Krone"-Herausgeber Christoph Dichand (die Familie Dichand hält 50% an der Krone) hatte seit Monaten vergeblich versucht, die Funke-Anteile der "Krone" zu kaufen. Benko ist ihm nun zuvorgekommen. Allerdings steigt Benko vorerst nur mit 49 Prozent bei der Funke-Beteiligung ein. Hintergrund: Die Familie Dichand hat ihrer Meinung nach ein Vorkaufsrecht auf die Funke-Anteile, wenn diese mehrheitlich verkauft werden.

Besonders brisant: Funke behält weiter 51% der WAZ Ausland Holding GmbH und bleibt somit weiter im Boot. Das macht alles künftig noch komplizierter: Neben den verfeindeten "Krone"-Gesellschaftern Funke und Dichand ist jetzt auch noch René Benko mit dabei.

"Krone" droht jetzt feindliche Übernahme

Jetzt beginnt ein spannendes Match um die Mehrheit bei der "Krone":

- Die erste - eher unwahrscheinliche Möglichkeit - ist, dass Benko und Dichand sich arrangieren, Benko die restlichen 51% von Funke übernimmt und die beiden künftig mit je 50% die "Krone" führen.

- Insider rechnen mit einer zweiten - wahrscheinlicheren - Variante: Dass Benko die Mehrheit an der "Krone" erwerben will, so wie er es in der Vergangenheit bei all seinen Beteiligungen gemacht hat. Das Duell könnte auf eine feindliche Übernahme hinauslaufen, bei der Benko die Familie Dichand rauskauft. Damit droht in der "Krone" offener Krieg zwischen den Gesellschaftern.

Raiffeisen wurde erst kurzfristig informiert

Von Raiffeisen-Seite ist am Montag der Einstieg der Signa-Holding in die österreichischen Medienbeteiligungen der Funke-Gruppe gelassen kommentiert worden. Raiffeisen werde im "Kurier" weiterhin "die klare Mehrheitsposition von 51 Prozent" haben und es werde sich somit nichts ändern, sagte der Chef der Raiffeisen-Holding Niederösterreich-Wien und "Kurier"-Aufsichtsratschef Erwin Hameseder der APA.

Raiffeisen sei von der Vereinbarung zwischen Funke und Signa kurzfristig informiert worden, meinte er. Aber: "Meines Wissens ist es so, dass nach wie vor Funke selbst in der Österreich-Holding die alleinige Kontrolle hat. Unter dieser Voraussetzung ändert sich nichts." Ebenso wichtig sei, "dass es mit der 'Krone' in der Mediaprint weiterhin eine sehr gute Zusammenarbeit gibt". Die Mediaprint ist die gemeinsame Verlagstochter von "Kronen Zeitung" und "Kurier".

Keinen Kommentar gibt es von Christoph Dichand, hieß es am Montag auf APA-Anfrage im Büro des "Krone"-Chefredakteurs und -Herausgebers, der die Familie im Gesellschafterausschuss vertritt.

Benko will "einer der führenden Multichannel-Anbieter Europas" werden

Rene Benko, Gründer der Signa Holding, begründete seinen Einstieg bei der "Krone" und "Kurier"-Beteiligungsgesellschaft mit seiner Strategie, "einer der führenden Multichannel-Anbieter in Europa zu werden". Es handelt sich um sein erstes Medieninvestment. Funke-Geschäftsführer Michael Wüller sah in Signa einen "starken Partner für unsere verlegerischen Aktivitäten in Österreich".

Beide strichen in der gemeinsamen Aussendung die Herausforderung für die Branche durch die Digitalisierung hervor. Diese löse "die Grenzen zwischen traditionellen Geschäftsmodellen auf", erklärte Benko. Sein Know-how "in der Transformation starker Marken" werde er in die Partnerschaft einbringen.

Die Funke-Gruppe ist seit 1987 bei der "Kronen Zeitung" an Bord, seit 1988 beim "Kurier" - damals firmierte der Konzern noch als Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ). Die Fifty-Fifty-Konstellation beim mächtigen Kleinformat ist nicht unproblematisch. Seit Jahren schwelt ein Gesellschafterkonflikt, der immer wieder vor Schiedsgerichten endet. Gerüchte über einen Verkauf der Funke-Anteile machen regelmäßig die Runde. In diesem unharmonischen Gleichgewicht könnte der Signa-Deal eine neue Dynamik schaffen.

Erst vor kurzem wurde Erbe Hans Dichands geregelt

Auffällig ist dabei auch, dass er publik wird, kurz nachdem das Erbe von "Krone"-Gründer Hand Dichand geregelt wurde - acht Jahre nach seinem Tod. Seit Ende September halten Helga Dichand und ihre drei Kinder Michael, Johanna und Christoph den 50-Prozent-Anteil Dichands an der "Krone" zu gleichen Teilen, somit zu je 12,5 Prozent.

Benkos Imperium: Immobilien, Kika/Leiner, Karstadt und Co.

Benkos Imperium, die Signa Holding, hat der 41-jährige Selfmade-Milliardär bereits mit 22 Jahren aufzubauen begonnen. Der schillernde Geschäftsmann stammt aus einfachen Verhältnissen und hatte schon in frühen Jahren einen Hang zum Luxus.

Bereits in den späten 1990er-Jahren, als er noch zur Schule ging, ließ der Sohn eines Gemeindebediensteten und einer Kindergärtnerin andere neidvoll und skeptisch auf sich schauen. Mit 17 Jahren organisierte er für einen befreundeten Innsbrucker Baumeister die Renovierung von Dachböden in bester Stadtlage. Daraus, dass er damit gutes Geld verdiente, machte er nie einen Hehl. Schulkollegen erinnerten sich vor vier Jahren im "Falter" an Goldkettchen und einen geleasten Ferrari.

Auch heute stellt der medienscheue Investor seinen Reichtum noch gern zur Schau. Er macht Urlaub auf seiner Yacht, nutzt angeblich nicht selten seinen Jet für dienstliche Zwecke und legt großen Wert auf gute Kleidung.

Seine Fans beschreiben Benko als Blitzgneißer mit gutem Instinkt fürs Geschäft, auch gilt er als brillanter Netzwerker und vor allem als sehr arbeitsam - steht er doch nach eigenen Aussagen jeden Tag um halb fünf in der Früh auf und werkt bis kurz vor Mitternacht.

Einzig die Schule hat Benko nicht so ernst genommen. "Das ist wahrlich so, ich war im letzten Schuljahr, im Maturajahr, so wenig in der Schule, dass ich dann aufgrund der vielen Fehlstunden nicht mehr zur Matura zugelassen wurde", erzählte er vor zehn Jahren in einem ORF-Interview.

Benko gelang es schon früh, Reiche und Prominente von seinen Geschäftsideen zu überzeugen. Kurz nach der Gründung seiner Signa Holding begegnete er dem "Stroh"-Tankstellenerben Karl Kovarik, der sich 2001 in Benkos Unternehmung einkaufte. Mit Kovariks Geld, einem zweistelligen Millionenbetrag, wuchs die Signa Holding zu einem der größten österreichischen Immobilienunternehmen, das seine Fühler aber schon längst auch ins Ausland, besonders nach Deutschland, ausgestreckt hat.

Vorher hatte es Benko schon zum Schilling-Millionär gebracht, mit dem gewinnbringenden Kauf und Weiterverkauf des Promi-Gesundheitshotels Lanserhof in der Nähe von Innsbruck. Der Besitzer des bekannten Wellnesshotels war in finanzieller Not, Abnehmer war der Kitzbüheler Hotelier Christian Harisch.

Als Benko von Tirol nach Wien ging, baute er zunächst Praxiszentren für Ärzte, 2004 machte er mit dem Kauf und der Neuerrichtung des strudelnden Innsbrucker Einkaufszentrums Kaufhaus Tyrol von sich reden. Damit mauserte er sich mehr und mehr zum nationalen Immobilienplayer.

Die Signa Holding expandierte rasant, von Prag bis zum Gardasee, von Frankfurt bis Mailand ist Benkos Immobilienkonglomerat präsent. Eines der bekanntesten Projekte ist das Goldene Quartier mit Luxusshops und Penthäusern in der Wiener Innenstadt. Benko ist heute einer der größten privaten Immobilienbesitzer in der Hauptstadt, sein Vermögen wird auf 3,7 Mrd. Euro geschätzt, das Immobilienvermögen der Signa Holding beträgt rund 7,5 Mrd. Euro.

Der Tiroler ist stets um Diskretion bemüht. Weder treibt sich der mit einem Ex-Model verheiratete mehrfache Vater privat auf Society-Veranstaltungen herum, noch lässt er Außenstehende in die Bücher seiner - bewusst nicht börsennotierten - Signa Holding blicken, insbesondere Zahlen zu Gewinn und Reserven behält er gerne für sich.

Alles ist aber auch bei Benko nicht Gold. Als eine seiner größten Niederlagen gilt die Verurteilung 2012 vorm Wiener Landesgericht wegen versuchter verbotener Intervention (vulgo Schmiergeldzahlung) im Zusammenhang mit einem italienischen Steuerverfahren zu einer bedingten Haftstrafe von einem Jahr. Die Wiener Richterin begründete die Schuldsprüche gegen Benko und seinen Steuerberater mit einem "Musterfall für Korruption". In der Folge zog sich Benko operativ von seiner Signa Holding zurück und agiert nun - geschützt - vom Beirat aus.

Auf Prestige und Prunk steht Benko nicht nur in Bezug auf Immobilien. Er umgibt sich auch gern mit Prominenten aus Politik und Wirtschaft, die ihm immer wieder erkleckliche Summen anvertraut haben. Im September hieß es, Benko bemühe sich um Kapital aus den staatlichen Fonds von Norwegen und Abu Dhabi, um die Expansion seines Unternehmens Signa zu finanzieren.

Zu Benkos Netzwerk zählen Strabag-Gründer Hans-Peter Haselsteiner, der frühere Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (SPÖ), Airliner Niki Lauda, Wüstenrot-Chefin Susanne Riess, Novomatic-Gründer Johann Graf, der Berater Roland Berger und auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP), mit dem er - zusammen mit einer Wirtschaftsdelegation - in die Vereinten Arabischen Emirate (VAE) reiste. Von seinen schillerndsten Investoren, dem griechischen Reeder George Economou und dem israelischen Diamantenschürfer Beny Steinmetz, hat sich Benko mittlerweile losgesagt.

Der umtriebige Tiroler hat es nicht beim Immobiliengeschäft belassen, sondern ist dabei, auch ein Handelsimperium aufzubauen. Europaweit bekannt wurde er 2014 mit dem Kauf der angeschlagenen deutschen Kaufhauskette Karstadt, die er sanierte. Dreimal hatte er vergebens für den Konkurrenten Kaufhof geboten. Nun schaffte er doch den Einstieg bei Kaufhof über ein gemeinsames Joint Venture mit der kanadischen Kaufhof-Mutter HBC.

Benko hat sich heuer im Sommer mit dem Kauf der Möbelketten Kika und Leiner den Eintritt in den österreichischen Handel verschafft. Mitte Juni übernahm seine Signa die angeschlagenen Ketten vom südafrikanischen Steinhoff-Konzern um rund 600 Mio. Euro. Die Signa-Handelssparte setzte zuletzt bereits fast 4 Mrd. Euro im Jahr um, der Online-Anbieter Signa Sports gilt als Börsenkandidat.


 


Diesen Artikel teilen:

Posten Sie Ihre Meinung

Kommentare ausblenden
Jetzt Live
Diese Videos könnten Sie auch interessieren
Wiederholen
Jetzt NEU

oe24.TV im Livestream: 24 Stunden News!

Live auf oe24.TV 1 / 10

Top Gelesen 1 / 10

Diese Website verwendet Cookies
Cookies dienen der Benutzerführung und der Webanalyse und helfen dabei, die Funktionalität der Website zu verbessern, um Ihnen den bestmöglichen Service zu bieten. Nähere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Impressum  
Hier anmelden
Dauert nur 10 Sekunden
Impressum
X