Siemens-Österreich-Chef Hesoun im Interview

"Chance als Hightech-Produktionsland"

ÖSTERREICH: Wo sehen Sie die wesentlichen Herausforderungen für die österreichische Wirt­schaft 2018?
Wolfgang Hesoun: Wir bewegen uns aktuell in einem positiven Umfeld. Die österreichische Wirtschaft befindet sich in einem von der inländischen wie auch der ausländischen Nachfrage getragenen Aufschwung. Vor dem Hintergrund der starken internationalen Konkurrenz, besonders aus Asien, hoffe ich auf eine nationale Anstrengung in Richtung technologieorientierter Investitionen.

Wünsche der Industrie an die neue Regierung

ÖSTERREICH: Welche wichtigsten Wünsche haben Sie an die neue Regierung?
Hesoun: Österreich hat großes Innovationspotenzial. Wünschenswert wäre ein klares Bekenntnis der Politik zu den Unternehmen in Österreich mit ihrem im internationalen Vergleich technologischen Wettbewerbsvorsprung. Wir benötigen daher eine klare und kluge Standortpolitik, flexiblere Rahmenbedingungen für das Unternehmertum sowie Investitionen in Bildung, Forschung und Entwicklung.

ÖSTERREICH: Was steht bei Siemens Österreich hauptsächlich auf der Agenda für 2018?
Hesoun: Wir wollen unsere Kunden und Partner in Österreich dabei unterstützen, die Digita­lisierungsstrategie ihrer Unternehmen erfolgreich umzusetzen, um ihre Produkte schneller auf den Markt zu bringen, flexibler zu agieren und echte Wett­bewerbsvorteile abzuleiten. Im Zentrum wird dabei unser Betriebssystem für das Internet der Dinge, MindSphere, stehen.

Österreich kann mit Digitalisierung im Wettbewerb punkten

ÖSTERREICH: Was sind im Hinblick auf die Digitalisierung die nächsten Meilensteine – für den Standort allgemein und für Siemens Österreich?
Hesoun: Digitalisierung und Industrie 4.0 sind Themen, mit denen Österreich auch im globalen Wettbewerb punkten kann. Wir betrachten Digitalisierung von der Seite der industriellen Wertschöpfungskette: Wie können Vorgänge, Prozesse mithilfe moderner IT geplant, gesteuert, ausgeführt, überwacht oder betrieben werden? Österreich hat eine echte Chance, sich als Hightech-Produktionsland mit starkem Forschungs- und Entwicklungsschwerpunkt zu etablieren.

ÖSTERREICH: Kürzlich hat Siemens in Wien das Bioprozess­labor Living Lab eröffnet. Worum geht es da, welche Strategie steckt dahinter?
Hesoun: Das Living Lab für die Digitalisierung von Bioprozessen ist eine europaweit einzigartige Industrie-4.0-Pilotanlage. Im Bioprozesslabor wird mit Hefezellen gearbeitet, die das Trägermaterial von beispielsweise Krebsmedikamenten sind. Vereinfacht gesagt, wird der Digitale Zwilling des Prozesses abgebildet und der richtige Algorithmus zur jeweiligen Prozesssteuerung erforscht – und so kann schon während des Prozesses überprüft werden, ob das fertige Medikament mit den vorher definierten ­Produktmerkmalen übereinstimmt. Bioprozesse können so für individuelle Kundenbedürfnisse modelliert, simuliert und optimiert werden.

Siemens-Auftrag für die neuen Züge für Wiener U-Bahn U5

ÖSTERREICH: Welche wichtigen Projekte/Aufträge haben Sie im Bereich Mobilität 2018?
Hesoun: Ein großer Erfolg war für uns sicherlich der gewonnene Auftrag der Wiener Linien – die neuen Züge für die Wiener U-Bahn-Linie U5. Derweil sind wir natürlich auch noch mit der Abarbeitung des ÖBB-Auftrags über die Cityjets beschäftigt. Darüber hinaus konnten wir auch einen bedeutenden U-Bahn-Auftrag aus Bangkok an Land ziehen.

Top-Chancen in technischen Berufen

ÖSTERREICH: Wie begegnen Sie dem Mangel an Fachkräften? Gibt es bei Siemens Österreich hier spezielle Initiativen?
Hesoun: Den Zug zur Technik hat man in Österreich in den vergangenen 20 Jahren verpasst. Ich orte nun langsame Weichenstellungen in die richtige Richtung. Wir betreiben – auch über die Industriellenvereinigung – viel Bewusstseinsbildung für die Chancen auf technische Jobs und Lehrstellen, die sich in der Industrie bieten. Wir bilden daher in Österreich sehr zielgerichtet rund 400 Lehrlinge aus und fokussieren unsere Lehrinhalte auf die digitale Arbeitswelt. In unseren Lehrwerkstätten finden Sie 3D-Drucker, intelligente Industrieroboter und Modelle von Produktionsstraßen, an denen auch die Vernetzung und Datenübertragung erlernt werden kann.

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