Stadt Wien gegen Mochovce-Ausbau

Die Stadt Wien macht gegen den umstrittenen Ausbau des Atomkraftwerks im slowakischen Mochovce mobil. Dieser sei aus Sicherheitsgründen inakzeptabel, versicherte Umweltstadträtin Ulli Sima (S) bei einer Pressekonferenz. Sie will die Wiener aufrufen, im Rahmen der Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) Stellungnahmen gegen den Bau abzugeben. Sima präsentierte eine Studie, die die Kritik an dem Projekt untermauert.

Die Expertise wurde vom österreichischen Ökologie-Institut im Auftrag der Wiener Umweltanwaltschaft erstellt. Sie hat laut Sima eindeutig ergeben, dass die geplante Fertigstellung der Reaktoren 3 und 4 "keinesfalls" das Sicherheitsniveau neuer Reaktoren erreichen könne. Tatsächlich wurde mit dem Bau schon vor längerer Zeit begonnen - nämlich Anfang der 1980er Jahre. Doch während die ersten beiden Blöcke 1998 bzw. 1999 in Betrieb gingen, blieb der Rest unvollendet.

Nun plant der slowakische Energieversorger SE, der mehrheitlich inzwischen dem italienischen Energiekonzert ENEL gehört, die Fertigstellung. "Niemand würde heute auf die Idee kommen, sich ein Auto aus den 1970er Jahren zu kaufen", kritisierte Sima die Verwendung der alten Teile. Auch in der Studie heißt es: "Die Grundkonstruktion erlaubt keine vollständige Anpassung an den heutigen Stand von Wissenschaft und Technik."

Unzureichende Dokumentation

Als Schwachstellen werden unter anderem folgende Punkte genannt: Eingemottete Anlagenteile sind gealtert, der Bau selbst in Folge der langen Verzögerungen unzureichend dokumentiert. Auch auf die hohe Komplexität durch die Nachrüstung mit moderner Technik wird verwiesen. Die Brandgefahr soll ebenfalls enorm sein, da Notfallsysteme aufgrund der baulichen Konstruktion nur unzureichend voneinander getrennt sind. Weiters kritisiert wird die fehlende Schutzhülle, wodurch kein ausreichender Schutz vor Flugzeugabstürzen vorhanden sei.

Sima hat sich bereits selbst ein Bild von der Lage gemacht. Ihr Fazit des Besuchs im AKW Mochovce zu Beginn des Jahres: "Es war für mich erschreckend." Die beiden unvollendeten Blöcke seien "Industrieruinen". Die Studie würde diesen Eindruck nun bestätigen.

Auf Grundlage der Untersuchung wird sich die Stadt an der grenzüberschreitenden UVP beteiligen. Diese soll frühestens Ende August starten. Im Rahmen des Verfahrens soll auch den Wienern die Möglichkeit gegeben werden, Stellungnahmen abzugeben. Geplant ist dazu eine breite Info-Kampagne der Stadt. Sie soll Vorschläge enthalten, wie eine solche Stellungnahme aussehen kann. Die von den Wienern eingebrachten Einwände werden von der Behörde gesammelt und in das UVP-Verfahren eingebracht. Das AKW Mochovce liegt rund 200 km östlich von Wien in der Südslowakei.