Mit Swatch-Uhren kann man jetzt auch bezahlen

"Swatch Pay" in Österreich

Mit Swatch-Uhren kann man jetzt auch bezahlen

Der Schweizer Uhrenhersteller Swatch bringt in Österreich klassische Uhren auf den Markt, mit denen Kunden kontaktlos zahlen können. Kooperationspartner ist der deutsche Zahlungsdienstleister Wirecard mit seiner Endkundenmarke Boon. Swatch-Österreich-Chef Helmut Saller erwartet im Weihnachtsgeschäft "ein paar Tausend" verkaufte Uhren, wie er am Rande der Präsentation zur APA sagte.

"Swatch Pay" funktioniert in Österreich und Deutschland ausschließlich mit der Bezahl-App "Boon". Das Wirecard-System kommt bereits bei den Zahlungsdiensten von Apple, Google, Fitbit und Garmin zum Einsatz. Im Heimatmarkt Schweiz gibt es die zahlungsfähigen Swatch-Uhren schon länger. Sie haben kein Display, sondern ein normales Ziffernblatt. Der einzige Unterschied ist ein verbauter NFC-Chip, der die Nahfeldkommunikation (Near-Field-Communication) mit der Bankomatkassa ermöglicht.

Die zahlungsfähige Swatch-Uhr kostet 75 Euro, für die Zahlungsfunktion fallen keine weiteren Kosten an, wie Saller betonte. Boon-Manager Curt Chadha sagte, die Kooperation mit Swatch rechne sich über Umwege, weil man so im Echtbetrieb zeigen könne, was technisch bereits möglich ist.

Wie bei Karten mit NFC-Funktion

Die Zahlung mit der Uhr funktioniert genauso wie bei einer Kredit- oder Bankomatkarte mit Kontaktlos-Funktion (NFC). Über 25 Euro ist ein PIN-Code erforderlich. Neben der Uhr selbst braucht der Nutzer zum Einrichten der Zahlungsfunktion die Boon-App, die App "SwatchPAY!" sowie eine virtuelle Prepaid-Mastercard-Kreditkarte von Boon. Die Zahlungsfunktion kann nur in den österreichweit elf Swatch-Geschäften aktiviert werden.

Boon und Swatch werben damit, dass Zahlungen so schneller, einfacher und flexibler sind. Im Notfall könne die Zahlungsfunktion der Uhr über das Smartphone oder über eine Hotline gesperrt werden. Was bequem und praktisch klingt, hat auch seine Nachteile: Konsumentenschützer verweisen immer wieder darauf, dass man bei Plastikgeld generell schneller den Überblick über seine Ausgaben verliert.

swatch-pay-off-960.jpg © Swatch

Im Hintergrund konkurriert Wirecard mit seinem Zahlungssystem Boon mit anderen Onlinebanken wie N26 oder Revolut. In Deutschland hat Wirecard mit "Boon Planet" kürzlich ein vollwertiges Onlinekonto in den Markt gebracht. Mit solchen internetbasierten Bankprodukten bringen sogenannte Fin-Techs klassische Banken im Zahlungsgeschäft immer stärker unter Druck. Bei Boon ersetzte Wirecard die weitläufig bekannte Mastercard-Kreditkarte im Scheckkartenformat durch eine virtuelle Debit Mastercard.

Zahlungsart voll im Trend

Zahlungen mit sogenannten Wearables, also mit Uhren, Ringen, Schlüsselanhängern oder anderen Accessoires, könnten in den nächsten Jahren ein großes Geschäft werden. Mastercard teilte am Donnerstag mit, dass Zahlungen mit Wearables in Europa heuer gegenüber 2018 um das Achtfache gestiegen seien. In den Niederlanden werde bereits ein Drittel aller kontaktlosen Bezahlvorgänge mit Wearables getätigt. Auf den Plätzen zwei bis vier folgen Großbritannien (18 Prozent), die Schweiz (8 Prozent) und Russland (7 Prozent). Berücksichtigt sind dabei sowohl aktive, also intelligente, Wearables sowie auch passive Wearables, wie Armbänder, Ringe und normale Armbanduhren.

Kunden können Wearables überall dort verwenden, wo kontaktlose Zahlungen akzeptiert werden. Kontaktloses Bezahlen hat sich international im Zahlungsverkehr mittlerweile etabliert. Laut Mastercard ist der Anteil im Einzelhandel schon auf 70 Prozent gestiegen. Diese starke Akzeptanz von kontaktlosen Zahlungen habe den Weg für Zahlungen über Wearables geebnet, so Mastercard.

In Österreich wurden 2018 von den 661 Millionen Transaktionen im Handel über 350 Millionen kontaktlos getätigt. Das heißt, mehr als jede zweite Zahlung erfolgte kontaktlos via NFC. Das dabei erzielte Volumen lag bei über 10 Mrd. Euro, 83 Prozent mehr als 2017.

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