Öffentliche Apotheken als massive Konkurrenz

Ärztekammer sieht Landmedizin bedroht

Die Ärztekammer (ÖÄK) sieht die medizinische Versorgung der Landbevölkerung "in entlegenen Regionen" in Gefahr. "Wir sehen den Trend, dass landärztliche Praxen nach der Pensionierung des Inhabers immer seltener nachbesetzt werden können", sagte ÖÄK-Präsident Walter Dorner laut Presseaussendung am Donnerstag (25. Juni) am Rande der ÖÄK-Vollversammlung in Goldegg (Salzburg).

Hauptgrund für die Schwierigkeiten sei, dass immer mehr Ärzte auf dem Land ihre Berechtigung zur direkten Abgabe von Medikamenten an die Patienten verlieren, wenn in der Nähe eine öffentliche Apotheke aufsperrt. Denn die gesetzliche Regelung sieht laut Ärztekammer vor, dass ein Arzt seine Hausapotheke aufgeben muss, sofern sich im Umkreis von sechs Kilometern seiner Praxis eine Apotheke niederlässt. Von der Politik fordert die ÖÄK nun, diese erst wenige Jahre alte Bestimmung wieder rückgängig zu machen.

Denn gerade diese "ärztlichen Hausapotheken" seien notwendig, um die Existenz der Landärzte unter den "außergewöhnlich schwierigen Bedingungen" in entlegenen Gebieten zu sichern, meinte der ÖÄK-Bundesobmann Allgemeinmedizin, Jörg Pruckner. Gefordert wird daher von der ÖÄK ein "gezieltes Förderprogramm für die Landmedizin". "Ein wesentlicher Punkt ist dabei der Weiterbestand der Berechtigung zur Führung einer ärztlichen Hausapotheke, wenn sich im Umfeld eine öffentliche Apotheke niederlässt", so Pruckner.

Dorner und Pruckner verwiesen auf eine "offensive Niederlassungsstrategie der öffentlichen Apotheken auch in kleinen Orten", die zu einer "schleichenden Vernichtung der ärztlichen Infrastruktur" führe. Die ÖÄK fordert die Politik zu "geeigneten Schritten" auf, um die ärztliche Versorgung auf dem Land sicherzustellen: "Die Politik hat die Wahl, ob sie die Landmedizin vor Ort haben möchte oder eine Apotheke ohne Landarzt im Ort", so die beiden Standesvertreter.