Derzeit weltweite Kapazität von 900 Mio. Dosen

Neue Grippe: Impfstoff-Engpass absehbar

Im Rennen gegen die Verbreitung der A(H1N1)-Influenza hat die Welt insgesamt weiterhin nicht die allerbesten Karten. Ein Grund dafür: Nach wie vor sind die Kapazitäten für die Impfstoffherstellung zu gering.

"Wir hatten den saisonalen Influenza-Impfstoff für 2009/2010 im Juli fertig. Jetzt 'rennt' alles auf Hochtouren. Doch im besten Fall geht man heute weltweit von einer Kapazität von 900 Mio. Dosen einer Pandemie-Vakzine pro Jahr aus", erklärte Hardo Fischer, Medical Direktor bei GlaxoSmithKline (GSK) in Österreich.

GSK hat schon Mitte August in Deutschland mit der ersten klinischen Studie mit seinem A(H1N1)-Pandemie-Impfstoff begonnen. Die Aufnahme der Probanden wurde abgeschlossen. In der Studie wird der Einsatz der Vakzine bei einer Gabe von 2 Dosen in einem Abstand von 21 Tagen an 128 gesunden Erwachsenen im Alte von 18 bis 60 Jahren untersucht.

Es wird erwartet, dass man den Zulassungsbehörden noch im September die ersten Daten vorlegen kann. Fischer: "Ende September könnte es dann zur Zulassung und damit auch zur Auslieferung der Vakzine kommen."

Kapazitätsgrenzen schnell erreicht

Doch die Kapazitätsgrenzen stellen einen echten Flaschenhals dar. Offenbar haben alle Hersteller mehr oder weniger Probleme damit, dass das neue Virus längst nicht so gut wie A(H5N1) zu vermehren ist. Fischer: "In dieser Impfstoffsparte sind weltweit rund 20 Unternehmen tätig. Nach wie vor sind im besten Fall 900 Mio. Dosen (pro Jahr) einer Pandemie-Vakzine produzierbar. Wir selbst könnten maximal 300 Mio. Dosen herstellen."

Möglicherweise erlaubt die Verwendung eines Adjuvans - also quasi eines chemischen Verstärkers - in Impfstoffen auch eine Reduzierung der Antigendosis auf die Hälfte. Der Experte: "Dann könnte man eventuell 1,4 Mrd. Dosen herstellen."

GSK setzt nach wie vor auf die Produktion seiner Influenza-Impfstoffe auf der Basis von Hühner-Embryonen und auf ein selbst entwickeltes Adjuvans (AS03). Fischer: "Hier kann man die Produktionskapazitäten relativ schnell vermehren." Die neuere Technik, die Vakzine in Zellkulturen zu produzieren, sei zwar etwas schneller, mache aber wiederum von den Kapazitäten einzelner Fabriken abhängig.

Bei GSK meint man, dass eine Kombination beider Produktionsmethoden - auf der Basis von Hühnereiern und in Zellkulturen - wahrscheinlich die Versorgungssicherheit am ehesten gewährleiste. So habe Großbritannien zum Beispiel Verträge zur Lieferung von Pandemie-Vakzinen sowohl mit GSK als auch mit Baxter (Zellkultur) abeschlossen. Frankreich setze gleich auf drei Lieferanten - GSK, Novartis und Sanofi-Aventis. Novartis hat ebenfalls eine Zellkultur-Produktionsmethode etabliert.