Einbruch bei Durchschnittserlösen pro Passagier

Lufthansa erwartet größte Luftfahrtkrise

Die Deutsche Lufthansa - die mit den Brüsseler Wettbewerbshütern um die Bedingungen zur Übernahme der Austrian Airlines (AUA) ringt - stellt sich aufgrund sinkender Passagierzahlen und immer mehr Billig-Tickets auf massive Turbulenzen ein. "Wir stecken in der schwersten Luftfahrtkrise der Geschichte."

Das sagte Passage-Vorstand Roland Busch in einem am 24. Juli erschienen Interview der Lufthansa-Mitarbeiterzeitung "Lufthanseat". "In allen Verkehrsgebieten ist die Nachfrage zurückgegangen. Weitaus schlimmer ist jedoch der Einbruch bei den Durchschnittserlösen pro Passagier." Der 45-jährige Busch ist seit Anfang Juni im Lufthansa-Passagierbereich für Finanzen und Personal zuständig.

In der Economy-Klasse sei der Anteil normal zahlender Passagiere im Europaverkehr "bereits seit längerem drastisch" gesunken, sagte Busch. So hatte die Lufthansa vor mehr als drei Jahren mit dem flächendeckenden Angebot von 99-Euro-Tickets eine Preisoffensive gegen Billigflieger gestartet. Zudem würden nun auch immer mehr Firmen nicht mehr nur nach Marke oder Vielfliegerprogramm buchen. "Das Stichwort laute hier Best Buy", sagte Busch.

Vergleich mit großen Airlines nicht sinnvoll

Ein Vergleich der Lufthansa mit anderen großen europäischen Airlines sei nicht sinnvoll. "Wir müssen aufhören, uns an der ebenfalls schlechten Lage von Wettbewerbern wie Air France/KLM und British Airways zu orientieren, das hilft uns gar nicht", sagte Busch. "Unsere Konkurrenten heißen heute vor allem auch Air Berlin, Ryanair und Easy Jet und auf der Langstrecke die asiatischen und die Nahost-Carrier, an der Spitze Emirates." Busch: "Wir haben nahezu überall in Deutschland massiv Marktanteile verloren, ganz besonders deutlich außerhalb unserer Hubs Frankfurt und München."

Die Lufthansa hatte bereits Mitte Juni ein neues Sparprogramm angekündigt, mit dem das Ergebnis im Passagierbereich bis Ende 2011 um eine Milliarde Euro im Jahr verbessert werden soll. Dazu soll in der Verwaltung der Sparte etwa jede fünfte von rund 2.000 Stellen wegfallen. Für das Jahr 2010 plane Lufthansa ein Nullwachstum bei der Kapazität, sagte Busch. Da aber neue Flugzeuge ausgeliefert werden, müssten etwa 20 ältere Maschinen aus dem Programm genommen werden. Lufthansa rechne weiterhin damit, dass das erste Großraumflugzeug Airbus A380 der Lufthansa im Sommerflugplan 2010 seinen Dienst aufnehmen werde. Analysten erwarten für den Zwischenbericht am 30. Juli für das zweite Quartal Nettoverluste bei der deutschen Airline.