Lufthansa kürzt Kapazitäten

Die potenzielle AUA-Käuferin Lufthansa schwenkt angesichts der anhaltenden Nachfrageflaute auf einen verschärften Sparkurs ein. Über eine Kürzung des Angebots und geringere Material- und Marketingkosten sollen im laufenden Jahr 300 Mio. Euro gespart werden, wie die größte deutsche Fluggesellschaft bei einer Investorenveranstaltung in Seeheim mitteilte. Im Vorjahr hatte die Airline unter anderem durch geringere Ausgaben für Projekte, Kapazitätskürzungen und einen Einstellungsstopp 190 Mio. Euro gespart.

Mit den Maßnahmen rüstet sich Lufthansa für eine länger andauernde Krise. Mit einer Erholung der Branche rechnet das Unternehmen nicht vor 2010. Der Umsatz werde 2009 in allen Geschäftsbereichen außer bei der Techniktochter schrumpfen. Im Fluggeschäft sei die Nachfrage in den vergangenen Monaten vor allem in der First- und Business-Class stark eingebrochen, sagte der Finanzvorstand des Geschäftsbereichs Passage, Roland Busch. Die Economy-Class entwickle sich jedoch weitgehend stabil. Durch den Druck bei vielen Unternehmen, Kosten zu senken, weichen Geschäftsreisende von der teureren Business- und First-Class auf die normale "Holzklasse" aus.

Im Mai brach die Zahl der Fluggäste nach Angaben des Luftfahrtverbands IATA weltweit um 9,3 Prozent ein. "Die Fluggesellschaften kämpfen ums Überleben, Kostenreduzierungen und ein vorsichtiger Umgang mit den finanziellen Mitteln haben oberste Priorität", sagte Verbandschef Giovanni Bisignani.

Um der bröckelnden Nachfrage zu begegnen, kappt Lufthansa ihr Angebot. Im laufenden Jahr will das Unternehmen im Vergleich zum Vorjahr die Kapazitäten um 1,6 Prozent zurückfahren, vor allem das Kurzstreckengeschäft ist betroffen. Seit Jahresanfang hat Lufthansa ihr Angebot insgesamt bereits um 2,6 Prozent heruntergeschraubt und dabei 23 Kurz- und Langstreckenflugzeuge geparkt. Weitere Kapazitätskürzungen seien für den Winter vorgesehen. An der Börse kamen die Sparmaßnahmen gut an. Die Lufthansa-Aktie legte um zwei Prozent auf 8,82 Euro zu.

Allerdings kann sich auch Lufthansa den Problemen der Branche nicht entziehen. Die Fluggesellschaft warnte ihre Aktionäre vergangenen Freitag, angesichts der schwachen Nachfrage sei das Ziel gefährdet, im laufenden Jahr einen operativen Gewinn zu erzielen. Risiken für die Ergebnisentwicklung seien zudem die steigenden Treibstoffkosten und die Finanzen der künftigen Töchter, sagte Konzernfinanzvorstand Stephan Gemkow.

Lufthansa steigt bei der belgischen Fluggesellschaft Brussels Airline ein und stockt ihre Beteiligung an der britischen BMI auf, die bereits im Vorjahr das Ergebnis der Lufthansa belastet hat. Zudem will die Airline den schwer angeschlagenen österreichischen Partner Austrian übernehmen, der im Vorjahr einen Verlust von über 400 Mio. Euro verbuchte.