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Stimmung der Investoren in Mittel-Osteuropa leicht gebessert

Das Geschäftsklima in Mittel- und Osteuropa hat sich erstmals seit Anfang 2008 wieder leicht gebessert. In erster Linie ist das auf die optimistischeren Geschäftserwartungen der ausländischen Direktinvestoren für ihre Betriebe vor Ort zurückzuführen. Die aktuelle Geschäftslage wird hingegen im Juli noch etwas schlechter beurteilt als im April - das geht aus dem neuen "Thomson Reuters & OeKB Geschäftsklima-Index Mittelosteuropa" hervor.

Rund 400 Unternehmen, die von Österreich aus ihre 1.400 Beteiligungen in der Region steuern, haben im Juli 2009 an der mittlerweile zehnten Erhebung dieser Art teilgenommen. Das Ergebnis: Nach einer monatelangen Talfahrt ist der Geschäftsklima-Indikator zwischen April und Juli 2009 um 8 Prozentpunkte auf einen Saldenwert von -7 gestiegen.

Der Saldo aus positiven und negativen Stellungnahmen zum erwarteten Geschäftserfolg der kommenden 6 Monate hat sich im Juli gegenüber April um 20 Prozentpunkte verbessert. Die aktuelle Geschäftslage der Betriebe wird hingegen - entsprechend der weiterhin schwierigen Konjunktursituation - etwas schlechter beurteilt: Der Saldo sinkt um 4 Prozentpunkte auf einen Wert von -10.

Insgesamt geben die aktuellen Ergebnisse durchaus Anlass zur Hoffnung auf eine Trendwende in Mittelosteuropa: Quer durch alle Länder und praktisch alle Branchen sind die Konjunkturerwartungen der Direktinvestoren von vorsichtigem Optimismus geprägt. Das gleiche Bild zeigt sich bei den Geschäftserwartungen für die Betriebe vor Ort. Erstmals seit Beginn der Erhebungen im Jänner 2007 werden die Geschäftsaussichten von den Direktinvestoren per Saldo besser bewertet als die Ist-Situation der MOE-Niederlassungen.

Polen führt im Geschäftsklima-Ranking, Ukraine ist Schlusslicht

Das beste Geschäftsklima herrscht in Polen, gefolgt von Tschechien. Die Ukraine und Ungarn liegen hingegen am unteren Ende der Skala. Für diese beiden Länder beurteilen die Befragungsteilnehmer die aktuelle Lage ihrer Betriebe als katastrophal: Für 46 Prozent der Niederlassungen in Ungarn und 60 Prozent in der Ukraine wird eine negative Performance gemeldet. Ausgehend von dieser Situation ist auch der Ausblick auf die kommenden 6 Monate alles andere als rosig: In Ungarn stehen voraussichtlich 31 Prozent der Betriebe vor weiteren Geschäftsrückgängen, in der Ukraine sind es 23 Prozent.

Für Russland, das von der Finanz- und Wirtschaftskrise mit voller Wucht getroffen wurde, haben die Erhebungsteilnehmer ihre Geschäftserwartungen deutlich nach oben geschraubt: Für diesen Indikator hat sich der negative Saldo vom April im Juli ins Positive gekehrt, konkret wird für 27 Prozent der Betriebe vor Ort von eine Verbesserung der Geschäftsergebnisse in den kommenden 6 Monaten erwartet. Damit führt Russland bei diesem Indikator das Länderranking an.

Russland ist darüber hinaus das einzige Land Mittel- und Osteuropas, wo der Bestand an Direktinvestitionskapital in den kommenden 12 Monaten leicht steigen könnte: Es sollen geringfügig mehr Standorte ausgebaut (18 Prozent) als verkleinert (17 Prozent) werden. All das deutet darauf hin, dass sich das Vertrauen der Direktinvestoren in die politische und wirtschaftliche Kraft Russlands wieder verstärkt hat.

Bei Finanzdienstleistern zeigt sich vorsichtiger Optimismus

Eine branchenweise Betrachtung der Erhebungsergebnisse zeigt, dass das Kreditwesen die einzige Branche ist, in der für die kommenden 12 Monate mehr Erweiterungsinvestitionen am Plan stehen als Desinvestitionen: 14 Prozent der bestehenden Bankbeteiligungen in MOE sollen vergrößert, 12 Prozent der Standorte reduziert bzw. geschlossen werden. Allerdings planen die Banken nicht, in neue Länder vorzudringen: Kein einziger neuer Bankenstandort ist in MOE geplant. Das Geschäftsklima im Kreditwesen hat sich gegenüber April deutlich aufgehellt. So sieht ein Viertel der Banken für die kommenden 6 Monate eine Verbesserung der Geschäftsentwicklung.

Auch die Versicherungen blicken im Juli wieder gelassener in ihre Zukunft: Die Geschäftserwartungen sind durchwegs optimistischer als noch zu Beginn des Jahres, wenn gleich der Geschäftserfolg alles andere als zufriedenstellend zu sein scheint. Vor diesem Hintergrund planen die Versicherungen jedenfalls, ihre Präsenz in der Gesamtregion unverändert beizubehalten.

Bereits im April hat es erste Anzeichen dafür gegeben, dass sich die Rezession in Mittelosteuropa ihrem Tiefpunkt nähert. Zwar bleibt im Juli der Konjunkturindikator weiterhin im negativen Bereich, doch er zeigt klar nach oben: Der entsprechende Saldo verbessert sich um 32 Prozentpunkte auf einen Wert von -24. Konkret erwarten 15 Prozent der Erhebungsteilnehmer für die kommenden zwölf Monate eine Verbesserung der Konjunktur in Mittelosteuropa, 39 Prozent gehen von einer weiteren Verschlechterung aus. Zum Vergleich: Zu Jahresbeginn 2009 lag der Anteil der optimistischen Stellungnahmen bei nur 5 Prozent, während 64 Prozent der Befragten eine konjunkturelle Verschlechterung erwarteten.