Ausgangssperre sorgt in Indien für Menschenmassen

Coronavirus-Irrsinn

Ausgangssperre sorgt in Indien für Menschenmassen

Weil Arbeitsmigranten alle gleichzeitig nach Hause wollen, solange das noch geht, kommt es zu riesigen Ansammlungen in indischen Städten.

Ghaziabad, Delhi. Arbeitsmigranten in den indischen Mega-Citys wollen nach Hause. In großen Teilen Indiens herrscht eine Ausgangssperre und viele Unternehmen haben geschlossen. Der Lockdown gilt für 21 Tage. Für Arbeitsmigranten vom Land bedeutet das kein Einkommen. Deshalb versuchen die meisten von ihnen so rasch wie möglich in ihre Dörfer zurückzukehren.

Die Behörden haben dafür Busse zur Verfügung gestellt, um die Menschen in ihre Heimat zu bringen. Um das Ausbreiten des gefährlichen Coronavirus zu vermeiden, soll zwischen Personen mindestens ein Meter Abstand gehalten werden. Dieses Social Distancing ist allerdings bei diesen Menschenansammlungen an den Busbahnhöfen etwa von Delhi oder Ghaziabad derzeit unmöglich.  

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Wie Nachrichtenagenturen berichten, sind die Busse so voll, dass die Fahrgäste dicht gedrängt stehen. Ideal für das Virus, sich auszubreiten. Das Dilemma ist allerdings, dass Arbeitsmigranten durch den Arbeitsausfall kein Einkommen und damit kein Geld für Essen oder Miete mehr haben. 

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Indiens Premier entschuldigt sich für Notlage der Armen

Indiens Premierminister Narendra Modi hat sich bei den armen Menschen in der Bevölkerung entschuldigt, weil sie wegen der Ausgangssperre besondere Notlagen erleiden. "Ich entschuldige mich für diese harten Maßnahmen, die eure Leben erschweren, insbesondere bei den armen Menschen", sagte Modi am Sonntag in einer Radioansprache. Im Kampf gegen das Coronavirus habe er keine andere Wahl gehabt.
 
Wegen der Corona-Ausgangsbeschränkungen müssen in Indien viele gestrandete Wanderarbeiter jetzt zu Fuß nach Hause in ihre Dörfer zurück. Verzweifelt versuchten Tausende von ihnen am Wochenende, ihre Heimatorte zu erreichen. Der Sender NDTV berichtete von einem Mann, der beim Versuch, die 300 Kilometer lange Strecke von Neu-Delhi nach Morena im Bundesstaat Uttar Pradesh zurückzulegen, an den Folgen eines Herzinfarkts starb.
 
Modi hatte am Dienstag die 1,3 Milliarden Einwohner Indiens angewiesen, drei Wochen lang zu Hause zu bleiben, damit die Pandemie eingedämmt werden kann. Damit verloren Tagelöhner nicht nur ihr Einkommen, sondern sie waren auch plötzlich gestrandet, weil aus den großen Städten keine Züge und Busse mehr in Richtung ihrer Dörfer fahren.
 
Indien stuft gut 60 Prozent seiner Bevölkerung - etwa 800 Millionen Menschen - als arm ein. Bisher hat das Land nach Angaben des Gesundheitsministeriums 979 bestätigte Covid-19-Fälle. 25 Menschen starben daran.

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