Corona: Aktuelle Zahlen lassen Alarmglocken läuten

343 neue Fälle in einer Woche

Corona: Aktuelle Zahlen lassen Alarmglocken läuten

Wieder 600 aktiv Erkrankte – so viele gab es zuletzt Ende Mai. Gesundheitsminister beobachtet Trend „mit Sorge“

 

Noch bevor am 1. Juli die nächsten massiven Corona-Lockerungen anstehen, gehen in Österreich die Zahlen der Covid-Neuinfektionen wieder deutlich nach oben: 343 Fälle wurden innerhalb von nur einer Woche registriert. Von Sonntag auf Montag waren es 69. Im Vergleich zu Ende März ist das zwar wenig: Am 26. März hatten wir 1.064 Neuinfektion innerhalb von 24 Stunden. Das war absoluter Rekord und führte zu den massiven Beschränkungen.

Aber der Trend geht deutlich nach oben. Insgesamt haben wir derzeit wieder 600 Erkrankte: „Das hat sich lautstark angekündigt“, konstatiert Hygienemediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien im ÖSTERREICH-Gespräch: „Es gibt eine gefähr­liche Krisenmüdigkeit, und die führt zu einer Sorglosigkeit im Umgang mit Corona“, warnt er.

Dicht an dicht im Bad, im Pool und in den Lokalen

Diese „Sorglosigkeit“ habe am vergangenen Hitzewochenende „voll durchgeschlagen“. Hunderttausende stürmten, wie berichtet, Bäder in ganz Österreich. Die Abstandsregel schien überall aufgehoben. Dicht an dicht wur­de sich gesonnt. Am Abend dann Menschentrauben vor Lokalen: „Das war purer Leichtsinn“, sagt der Mediziner.

„Sorge“. Auch Gesundheitsminister Rudi Anschober beobachtet „die regionalen Ausbrüche mit Sorge“ – so viele Kranke gab es zuletzt Ende Mai. Maßnahmen werden aber (noch) nicht gesetzt.

Im Gegenteil: Ab Mittwoch gibt es weitere Lockerungen. Jeder Sport, sowohl indoor als auch outdoor, ist erlaubt, also auch Kontakt- und Mannschaftssport. Auch fällt die Maskenpflicht für die Angestellten in der Gastronomie.

Mediziner über Covid-Maßnahme: "Sie werfen jede Vorsicht über Bord"

Feiern, drängen, kein Abstand. Für Experten ist die zweite Welle nur eine Frage der Zeit.

Sorge. Hygienemediziner Hans-Peter Hutter von der MedUni Wien warnt vor einem „deutlichen Anstieg der Fallzahlen“.

ÖSTERREICH: Der Trend geht nach oben – wir liegen wieder über 600 Erkrankten …

Hans-Peter Hutter: Ja, das hat sich angekündigt. Durch das gute Wetter wurde die Sorglosigkeit auch noch heftig befeuert. Das Wochenende hat leider gezeigt, das jede Corona-Vorsicht über Bord geworfen wurde.

ÖSTERREICH: Ist das ein Alarmruf?

Hutter: Ja, alle sind in die Bäder geströmt, es wurde Party gemacht, nirgendwo wurde die Abstandsregel eingehalten. Die Menschen haben eine Art Krisenmüdigkeit und wünschen sich Normalität zurück. Das hat man an diesem Wochenende überall gesehen. Jetzt steigen die Zahlen wieder an. Zwar sind wir noch immer auf einem niedrigen Niveau, aber ein Trend ist erkennbar. Außerdem stehen weitere Lockerungen an, die Maskenpflicht ist dann praktisch weg. Nur in den Öffis muss man sie noch verwenden. Es müsste eine Gesellschaft im 21. Jahrhundert doch schaffen, zumindest die Abstandsregel einzuhalten.

ÖSTERREICH: Rechnen Sie mit einem Anstieg der Fallzahlen?

Hutter: Das kommt darauf an, wie sich die neuen Lockerungen in den nächsten Tagen zu Buche schlagen. Die Wahrscheinlichkeit eines Anstiegs ist jedenfalls deutlich größer als ein entscheidender Rückgang. Erhöhte Reisetätigkeit und Krisenmüdigkeit führen dazu.

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