Tausende klagen an: ''Wir bekommen keinen Corona-Test''

Betroffene packen aus

Tausende klagen an: ''Wir bekommen keinen Corona-Test''

ÖSTERREICH deckt auf: Die Hotline 1450 ist völlig überfordert. Es herrscht Chaos.

 

„Testen, testen, testen“, sollte längst österreichweit die Devise lauten: „Möglichst flächendeckend“, wie SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner am Montag im ÖSTERREICH-Interview forderte. Gesundheitsminister Anschober lehnte das vorerst ab. Dienstag wurde er dann von Kanzler ­Sebastian Kurz korrigiert. Der Kanzler gab die neue Devise vor: „Die Testrate soll auf 15.000 pro Tag gesteigert werden!“ (siehe auch Story rechts).

Bisher wurden insgesamt erst knapp 26.000 Tests durchgeführt. Die meisten in Tirol. Wien hinkt völlig hinten nach. Die Kritik an der Gesundheitshotline 1450 wird immer lauter. Bei ÖSTERREICH meldeten sich inzwischen Dutzende Leser: „Mein Schwiegersohn ist gehbehindert, seine Frau gehörlos“, schildert ein Leser (Name der Redaktion bekannt). Und: „Er hat Fieber, wie eine heftige Grippe. Doch erst nach fast einer Woche und ­wütenden Protestschreiben kamen die Tester.“

Madonna-Chefredakteurin Daniela Schimke wartet seit fünf Tagen in Heim-Quarantäne auf den Check (siehe rechts). Eine Gastwirtin aus Seewalchen (OÖ) klagt: „Ich habe seit 2 Wochen starkes Fieber, Gelenksschmerzen.“ Und: „Da ich Asthma mit einer Lungenfunktion von 25–35 % habe, gehöre ich zur Risikogruppe“, argumentiert sie. Sie rief 219 Mal 1450 an. Ein Berater fragte sie: „Werden Sie die Nacht überleben? “. Erst jetzt wurde ihr ein Testtermin zugeteilt: „Ich bin nicht hysterisch. Wäre mein Mann nicht so hartnäckig gewesen, würde ich noch immer warten.“ Karl Wendl

MADONNA-Chefredakteurin Daniela Schimke erhält seit fünf Tagen keinen Corona-Test

Die Odyssee begann – wie passend – am Freitag, den 13. März: am Donnerstag zuvor hatten wir für MADONNA ein Fotoshooting und Interview mit Amira Pocher gemacht, Ehefrau des deutschen TV-Stars Oliver Pocher. Tolle Stimmung, schöne Fotos, alles wunderbar. Ausgangssperre bestand damals noch keine, in Deutschland nahm man die Lage noch viel lockerer als bei uns.

© TZOE/Kernmayer
Daniela Schimke beim Interview mit Amira Pocher. Eine Woche später der Schock: Pocher ist infiziert.

Wir lachten, dann der Schock: "Sie ist positiv"

Dennoch hielten wir möglichst Abstand, so weit das beim Talk, Styling und diversen gemeinsamen Liftfahrten geht. Am Freitag dann die erste Schocknachricht: Pochers Manager muss zum Test, weil er vor der Wienreise mit einem Infizierten (unwissentlich) Kontakt hatte. Entwarnung am Samstag. Puh, der Manager ist ­negativ. Dann der herbe Rückschlag am vergangenen Donnerstag: Amira Pocher ist positiv, wie sie ihre Fans via Instagram wissen lässt.

Ich kontaktiere sofort 1450, ich werde doch wohl schnell Klarheit bekommen … Fehlanzeige: Man fragt mich nach Symptomen, noch fühle ich mich okay, so weit man das mit der Angst in den Knochen tut. „Wir rufen zurück“, sagt man mir. Nichts.

Nach 45 Minuten fliege ich aus der Warteschleife

Bitte warten. Am Nachmittag rufe ich wieder 1450 an, erkläre meine Ängste, man versichert mir, dass ich einen Anruf bekomme. Freitag: Ich urgiere wieder – diesmal verbindet man mich in eine Warteschleife, aus der ich nach 45 Minuten Wartezeit rausfliege.

Neustart – diesmal warte ich eineinhalb Stunden, bis mich ein freundlicher Herr abermals nach direktem Kontakt mit einem Infizierten, Symptomen und Details befragt. Das Gesundheitsamt werde möglichst bald mit mir Kontakt aufnehmen, meint er, „aber wir sind derzeit völlig überlastet. Es kann etwas dauern.“ Montag (!): Ich fühle mich schlecht, jedes Niesen, jedes Hüsteln bereitet mir Sorge. Hab ich es? Immer noch kein Anruf.

© Amira Pocher/Instagram
Auch Amiras Mann Oliver Pocher hat sich infiziert.

Ich lausche in mich hinein: Habe ich das Virus?

Erst zu Mittag meldet sich eine freundliche Dame vom Gesundheitsamt. Wieder berichte ich von vorne, erkläre meine Lage, gebe nicht nach – bis sie sagt, sie schickt jemanden mit dem Test. Es wird Nachmittag, es wird Nacht … nichts. Dienstag: Ich rufe um 7.30 Uhr beim Gesundheitsamt an. Um 8.30 wieder. „Es kann bis zu 48 Stunden dauern, dass jemand kommt. Wir sind völlig überlastet.“ Dienstag, 14 Uhr: Bis jetzt war niemand hier. Keiner hat sich gemeldet. Werde ich noch einen Test bekommen? Trage ich das Virus in mir. Könnte ich es weiter­geben, wenn ich jetzt einkaufen oder gar ins Büro gehen würde, um meinen in­frastrukturellen Pflichten nachzukommen? Niemand weiß es.

Make-up-Artist Marsela: "Habe Hals- und Kopfschmerzen"

Die 28-jährige Linzerin sitzt in Quarantäne, sagt: „Ich habe im Job eine infizierte Person geschminkt, kam ihr körperlich sehr nahe. Erst später hab ich erfahren, dass sie infiziert ist. Ich hab mich bei 1450 gemeldet. Jetzt sitze ich seit einer Woche da und warte auf meinen Test. Ich habe Husten, Halsschmerzen, Kopfweh. Doch nichts passiert.“

© Instagram

Johann Kauper: "Haben einfach aufgelegt"

Johann Kauper (55) aus Wimpassing an der Leitha (Burgenland): „Ich habe bei 1450 angerufen, meine Symptome geschildert. Die haben einfach gesagt: Wir sind fürs Burgenland nicht zuständig. Rufen Sie Ihren Hausarzt an“, hieß es bei der Hotline. Und: „Ein Freund von mir, er ist Trafikant in Wien, kippte mit Fieber in seiner Trafik um. Trotzdem ist kein Testteam vorbei­gekommen“, so Kauper. Kauper nennt noch einen weiteren Fall: „Ein Freund aus Wimpassing war Ski fahren. Er kam mit Fieber zurück. Risikofall. Kein Test.“

© zVg

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