Wiener Musiker über Corona-Erkrankung: ''Dachte, ich muss ersticken''

Er war zwei Wochen im Spital

Wiener Musiker über Corona-Erkrankung: ''Dachte, ich muss ersticken''

Das Corona-Virus traf Walter M. mit voller Wucht. Der Unternehmensberater und Jazz-Musiker schildert den Krankheitsverlauf.

Es war ein harter Kampf gegen den hartnäckigen Virus, den Walter M. hinter sich hat. Drei Wochen war der Unternehmensberater und Hobby-Jazz-Musiker krank, 15 Tage lag er im Wiener Kaiser-Franz-Josef-Spital, eine ganze Woche verbrachte der 61-Jährige auf der Intensivstation. „Ich hätte nie gedacht, dass mich das Virus so heftig trifft. Ich betreibe Sport, lebe gesund und habe keine Vorerkrankungen. Bin also kein Risikopatient.“

 

Hausarzt schickt den Corona-Kranken wieder heim

Das Martyrium von Walter M. beginnt vor fast vier Wochen. Ende März wird der Jazz-Musiker krank. „Ich hatte Fieber in Wellen, sonst aber keine anderen Symptome. Weder Husten, Beeinträchtigung der Lungenfunktion, oder Geschmacksverlust“, erzählt M. „Deshalb dachte ich anfänglich zu keinem Zeitpunkt an Corona.“ Als es dem Wiener Musiker nach Tagen noch immer nicht besser geht, vereinbart er einen Termin bei seinem Hausarzt. „Mein Arzt sagte, es ist die Grippe und verschrieb mir Antibiotikum“, so M. Trotz Medikamenten verschlechtert sich sein Gesundheitszustand zunehmends. „Ich konnte plötzlich kaum noch gerade laufen. Meine Frau rief deshalb die Rettung“, sagt M. Im Wilhelminenspital wird der 61-Jährige schließlich getestet. Er ist Covid 19 positiv. Der Unternehmensberater wird ins Kaiser-Franz-Josef-Spital gebracht. „Ich habe davon nicht viel mitbekommen, da es mir schon so schlecht ging.“

Walter M. kommt für eine Woche auf Intensivstation

Der Zustand des 61-Jährigen verschlechter sich dermaßen, dass er mit einer schweren Lungenentzündung auf die Intensivstation muss. Er wird an verschiedene Geräte angeschlossen, eine Beatmungsmaske liefert Sauerstoff.

„Die Intensivstation war ein Horror. Ich dachte, ich müsste unter der Maske ersticken“, sagt M. „Jeder Atemzug machte Mühe.“ Durch eine Schleuse und voll geschützt gelangt das Krankenhauspersonal zu dem Infizierten. „Angst hatte ich aber keine“, erzählt der Musiker. „Ich dachte an Niki Lauda, wie er sich nach seinem Unfall ins Leben zurückgekämpft hat“, erzählt. M. „Ich wusste, dass auch ich jetzt kämpfen muss.“ Und sein Überlebenswille hilft. Der 61-Jährige erholt sich relativ schnell und darf nach sieben Tagen die Intensivstation verlassen. „Ich war der erste Corona-Patient im SMZ Süd, der nicht in den Tiefschlaf versetzt und intubiert werden musste.“

Erholung

Mit sechs Kilo weniger und noch etwas geschwächt darf M. vor einer Woche das Spital wieder verlassen. „Es kann laut Ärzten noch bis zu drei Monate dauern, bis sich meine Lunge vollständig erholt hat.“ Das Wichtigste für den Jazz-Musiker ist: „Ich bin froh, dass ich die Krankheit überstanden habe.“

Walter M.: "Meine gesamte Familie war krank"

ÖSTERREICH: Herr M., wie geht es Ihnen so kurz nach der Corona-Erkrankung?

Walter M.: Meine Lungenfunktion ist noch nicht vollkommen hergestellt. Ich habe immer noch leichte Atemnot und fühle mich schwach. Das sollte laut Ärzten in spätestens zwei bis drei Monaten wieder in Ordnung sein.

ÖSTERREICH: Wie haben Sie sich mit Covid 19 überhaupt angesteckt?

Walter M.: Ganz genau weiß ich es nicht. Wir glauben aber, dass es in Zusammenhang mit Tirol steht. Wir hatten noch vor den Maßnahmen eine Familienfeier. Ich bin mir sicher, dass ich mich in einem geschlossenen Raum angesteckt habe. Das Schlimme: Meine gesamte Familie erkrankte. Mein Schwiegervater (89) musste auch ins Spital. Alle hatten am Anfang andere Symptome.

ÖSTERREICH: Warum glauben Sie, dass Sie so schwer erkrankten?

Walter M.: Das kann ich mir bis heute nicht erklären. Ich lebe gesund und betreibe viel Sport, gehöre also überhaupt nicht zur Risikogruppe.

ÖSTERREICH: Was raten Sie anderen Menschen nun nach ihrer Infektion?

Walter M.: Ich dachte immer, wenn es mich trifft, dann nur leicht. So war es aber nicht. Deshalb sollte man das Virus auch weiterhin nicht unterschätzen. Es kann wirklich jeden treffen. Vorsorge ist am Wichtigsten: Die Abstandsregelung und die Händehygiene kann ich jedem nahelegen.

Marlene Kovacs

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