Corona-Mutation: Tiroler Bezirke zittern heute vor Quarantäne

Kampf gegen Südafrika-Variante

Corona-Mutation: Tiroler Bezirke zittern heute vor Quarantäne

Heute soll die Regierung über Maßnahmen für Tirol gegen die Mutationen entscheiden.

Quarantäne für Tirol, für einzelne Tiroler Bezirke oder gar nur freiwillige Massentests? Darum ging es gestern in langwierigen Gesprächen zwischen Tirols Landeshauptmann Günther Platter und Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Und darüber soll heute die Entscheidung fallen.

Laut aktuellen Untersuchungen gibt es mit Stand Samstagabend in Tirol bereits 165 bestätigte sequenzierte Fälle der B1351-Variante – acht Erkrankte sind damit noch positiv. In Pre-Tests der Med-Uni Innsbruck wiesen in den vergangenen Tagen 20 Prozent der positiven Fälle bereits die südafrikanische Variante auf. Daher riet die Virologin Dorothee von Laer zu einer 30-tägigen Quarantäne für das ganze Land.

"Unsichere Datenlage"

In Tirol wehrt man sich dagegen und gibt als Argument eine „unsichere Datenlage“ an. Man habe nur noch „wenige aktive“ Fälle und will nur auf Massentests im offiziell am stärksten betroffenen Gebiet Schwaz setzen.

Komplexitätsforscher Peter Klimek (siehe rechts) hält das im ÖSTERREICH-Gespräch für nicht ausreichend: „Dass man damit die Kon­trolle wiedererlangt, ist zu bezweifeln.“ Im „besten Fall“ könne man damit ungefähr eine Woche Zeit gewinnen. Zudem müsste es mehrere PCR-Tests geben, nicht nur einen einmaligen Test.

Er rät zu einer Quarantänepflicht für alle aus Tirol Ausreisenden.

Die schlimmsten Corona-Bezirke Österreichs

  1. Hermagor (K) 299,1
  2. Tamsweg (S) 286,4
  3. Lienz (T) 285,2
  4. Hallein (S) 279,5
  5. Jennersdorf (B) 263,2

Grenze

Auch in Bayern beobachtet man die Lage in Tirol genau. Immerhin könnte die ansteckendere B1351-Variante auch die Wirksamkeit herabsenken. Indes gibt es Mutmaßungen, dass die Va­riante bereits in Salzburg – hier gab es zumindest größere B117-Cluster – sei.

Salzburgs Landeshauptmann Haslauer schloss lokale Abriegelungen nicht aus. Das könnte auch das Modell für Tirol – das aber zu spät kommt – sein. Gestern wurde eine Quarantäne für Schwaz angedacht.

Klimek mahnt, dass auch die gefährliche brasilianische Variante auf dem Weg zu uns sei: „Da muss man schneller reagieren.“

Klimek: "Rasch reagieren, sonst Lockdown"

Komplexitätsforscher Peter Klimek warnt vor den neuen Varianten.

ÖSTERREICH: Tirol will Massentests gegen die Ausbreitung der mutierten B1351-Variante. Reicht das?

Peter Klimek: Nein. Die bisherigen Erfahrungen haben gezeigt, dass bei freiwilligen Massentests vor allem die ohnehin „Braven“ mit geringerem Infektionsrisiko hingehen. Grundsätzlich sind Schwerpunktsetzungen mit PCR-Tests in Regionen mit höherem Infektionsgeschehen sinnvoll, aber dass damit die Kontrolle wiedererlangt werden kann, ist zu bezweifeln. Im konkreten Fall könnte man die Ausbreitung wohl höchstens um eine Woche hinauszögern.

ÖSTERREICH: Ist es nicht schon zu spät, die Ausbreitung noch zu verhindern?

Klimek: Je früher man lokal reagiert, desto besser. Das Problem ist, dass man in solchen Situationen oft eine unsichere Datenlage hat. Es ist aber die Chance, viel größeren Schaden abzuwenden. Wenn man nicht rasch reagiert, steuert man wieder auf einen bundesweiten Lockdown hin. Es werden neben der britischen und südafrikanischen Variante aber auch noch weitere Varianten auf uns zukommen. Die brasilianische Variante, die verstärkt zu Reinfektionen führt, wird wohl über die Iberische Halb­insel zu uns kommen. Ich hoffe, dass man dann versteht, dass man da dann schneller reagieren muss.

ÖSTERREICH: Sie würden eine Quarantäne für alle, die aus Tirol oder anderen Gebieten mit stärkerer B1351-Verbreitung kommen, empfehlen?

Klimek: Ja, das wäre jetzt wichtig.

Isabelle Daniel



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