Corona-Drama in Indien

Corona-Katastrophe

Indischer Arzt: 'Die nächsten zwei Wochen werden die Hölle'

In Indien ersticken Menschen ohne Sauerstoff, die Pandemie wütet immer stärker.  

In Indien nimmt die zweite Corona-Welle immer größere Ausmaße an. Das Land meldete am Montag mit 352.991 Neuinfektionen den fünften Tag in Folge einen weltweiten Höchstwert. Kliniken sind überlastet, und der Sauerstoff zur Behandlung von Covid-19-Patienten wird knapp.

"Uns erwartet die Hölle"

Dr Shaarang Sachdev vom Aakash Healthcare Super Speciality Krankenhaus schildert in einem Interview mit „Sky“ die dramatische Lage. „Die Situation ist derzeit äußerst kritisch. Die Pandemie ist das absolut schlimmste, das wir bisher gesehen haben. Die nächsten zwei Wochen werden die Hölle für uns sein.“

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Corona-Drama in Indien
× Corona-Drama in Indien

Der Arzt zeigt dann eine junge Frau auf einem Ventilator und sagte: „Diese Frau sollte jetzt auf der Intensivstation sein. Sie ist seit zwei Tagen hier, weil es auf der Intensivstation keine Betten gibt."

Neue Mutation

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte angesichts der in Indien aufgetauchten Corona-Variante B.1.617 vor voreiligen Schlüssen. Die Organisation beobachtet die Virusvariante, hat sie aber noch nicht als besorgniserregend eingestuft, teilte eine WHO-Sprecherin in Genf mit. Das Gesundheitsministerium in Wien prüfte verschärfte Einreisebeschränkungen für Personen, die aus Indien kommen. Es gebe derzeit keine direkten Linienflüge zwischen Indien und Österreich. Maßnahmen für Personen, die über Zwischendestinationen anreisen, würden geprüft, hieß es am aus dem Ressort.

Indien bat die Europäische Union nach deren Angaben um medizinischen Sauerstoff und Medikamente, insbesondere Remdesivir zur Behandlung von Covid-19. Die USA wollen Rohstoffe für Corona-Impfstoffe, Beatmungsgeräte, Schnelltests und Schutzkleidung bereitstellen.

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Corona-Katastrophe

"Die Corona-Katastrophe in Indien ist eine Erinnerung, dass wir das Virus weiterhin nicht unterschätzen dürfen", sagte Walter Hajek, Leiter des Bereichs Einsatz und Internationale Zusammenarbeit beim österreichischen Roten Kreuz. "Was wir sehen sind traurige Rekorde an Infizierten und Toten in Südasien, auch in Pakistan und Bangladesch. Das zeigt wie wichtig ein Zugang zu Impfungen, Masken und im Endeffekt zu einer Gesundheitsversorgung für alle ist."

In Indien leben 21,9 Prozent der Bevölkerung unter der Armutsgrenze. Das Zentrum des erneuten Ausbruchs ist der Staat Maharastra, berichtete Hajek. Mit den unzähligen Arbeitsmigranten und Tagelöhnern, die von der besonders betroffenen Metropole Mumbai zurück aufs Land strömen, könnte sich die Ausbreitung des Virus noch verstärken. "Mehr als 46.000 Rotkreuz-Mitarbeiterinnen und Freiwillige sind im Einsatz, haben 31 Millionen Mahlzeiten bereitet und Medizin und Nahrung an mehr als 276.000 gefährdete Menschen verteilt."

Leichen verbrannt

Viele Kliniken in Indien werden des Ansturms nicht mehr Herr und weisen Patienten aus Mangel an Betten, Ausrüstung und Medikamenten ab. Selbst Bahren, um die Toten wegzubringen, wurden knapp. In stark betroffenen Städten wie der Hauptstadt Neu-Delhi wurden die Leichen in provisorischen Krematorien verbrannt. Indien mit einer Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen hat bisher 17,31 Millionen Infektionen und 195.123 Tote verzeichnet. Gesundheitsexperten gehen aber davon aus, dass die Dunkelziffer bei den Toten weitaus höher ist.

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Hintergrund der stark steigenden Corona-Infektionszahlen ist eine besonders ansteckende Virus-Mutante, die in Indien entdeckt wurde. Experten befürchten bei einem anhaltenden Trend, dass die Krankenhäuser in einer Woche überlastet seien und es dann kaum noch freie Betten für Covid-19-Patienten geben werde.

Massenveranstaltungen

Neben der Mutante könnten auch religiöse und politische Massenveranstaltungen zur Verbreitung des Virus in Indien beitragen. Die Regierung von Ministerpräsident Narendra Modi hatte sie zugelassen, obwohl die Infektionszahlen in der zweiten Welle wieder stiegen. Derzeit finden in Indien Kommunalwahlen statt. Allein am Montag sind 8,6 Millionen Wahlberechtigte in Westbengalen im Osten des Landes aufgefordert, ihre Stimme abzugeben.

Angesichts der täglichen Höchstwerte hatte Modi am Sonntag alle Bürger aufgerufen, vorsichtig zu sein und sich impfen zu lassen. Aber auch die Rohstoffe für die Impfstoffe werden knapp. Zusätzlich wird die Produktion von einem Feuer in einem Werk belastet, das das Vakzin von AstraZeneca herstellt. Mancherorts wurde das Impfen wieder eingestellt.

Die indische Regierung will Insidern zufolge die Beschaffung ausländischer Impfstoffe den Bundesstaaten überlassen. Sie selbst wolle vielmehr indische Hersteller unterstützen, wie aus Regierungskreisen verlautete. Das könnte Experten zufolge die Impfkampagne weiter zurückwerfen, da einige Bundesstaaten den Zukauf aus dem Ausland nicht bezahlen könnten. Dann müssten sie die Kosten auf die Bevölkerung umlegen, die sich das wiederum auch nicht leisten könne.
 



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