Trump flog trotz positivem Test von Beraterin zu Treffen mit Spendern

US-Präsident als Super-Spreader?

Trump flog trotz positivem Test von Beraterin zu Treffen mit Spendern

Das Treffen mit Spendern in Trumps Golfclub in Bedminster im Bundesstaat New Jersey fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. 

Washington. US-Präsident Donald Trump ist am Donnerstag zu einem Treffen mit Spendern geflogen, obwohl das Weiße Haus bereits vom positiven Corona-Test einer engen Beraterin wusste. "Es wurde befunden, dass es sicher für den Präsidenten ist, dorthin zu reisen", sagte Trumps Sprecherin Kayleigh McEnany am Freitag vor Journalisten.
 
Die größere Frage ist allerdings angesichts des positiven Corona-Tests von Trump in der Nacht zum Freitag, ob er selbst eine Gefahr für die Teilnehmer des Treffens darstellte. McEnany sagte nichts dazu, ob dies auch berücksichtigt worden sei.
 
Das Weiße Haus erfuhr vom positiven Test seiner Beraterin Hope Hicks als Trumps Hubschrauber sich in Washington auf den Weg zum Flugplatz Joint Base Andrews machte, wo er ins Präsidentenflugzeug umstieg.
 
Das Treffen mit Spendern in Trumps Golfclub in Bedminster im Bundesstaat New Jersey fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. "Es war ein Event im Freien", sagte McEnany. Die Website "Politico" berichtete allerdings unter Berufung auf einen Teilnehmer, es habe auch ein Treffen im engeren Kreis mit Spendern, die besonders viel Geld bereitgestellt hätten, gegeben. Bei dem Teil der Veranstaltung unter freiem Himmel sei Trump auf Abstand zu den Teilnehmern gewesen, hieß es.
 
McEnany gab keine Antwort auf die Frage, wer genau entschieden habe, dass Trumps Reise zu den Spendern stattfinden könne. Sie sagte lediglich, das seien die "White House operations" gewesen.
 

Arzt: Präsident hat Antikörper-Behandlung erhalten

US-Präsident Donald Trump hat einem positiven Coronavirus-Test nach Angaben seines Arztes als Behandlung eine einmalige Dosis einer Antikörper-Kombination von Regeneron Pharmaceuticals erhalten. Der Präsident sei insgesamt müde, aber guter Dinge, heißt es in einer Bewertung von Sean Conley, die Trumps Pressesprecherin Kayleigh McEnany über Twitter verbreitete.
 
Nähere Angaben machte der Arzt nicht zu Trumps Symptomen. Zu First Lady Melania dagegen hieß es, ihr gehe es weiterhin gut und sie habe lediglich einen leichten Husten und Kopfschmerzen.
 
Trump sei von einem Expertenteam untersucht worden, mit denen auch das weitere Prozedere abgestimmt werde, erklärte Conley. Trump bekommt demnach derzeit Zink, Vitamin D, das Magenmittel Famotidin, das Schlafhormon Melatonin und Aspirin verabreicht. Mit seinen 74 Jahren gehört Trump zu einer Corona-Risikogruppe.
 
Regeneron bat Ende September um eine Notfallzulassung seiner experimentellen Antikörper-Kombination REGN-COV2. Die Aktie des US-Konzerns legt im nachbörslichen Handel 1,8 Prozent zu.
 
 

Mediziner warnen: "Schwere Symptome bei Trump ab kommender Woche"

Bei US-Präsident Donald Trump dürften Medizinern zufolge etwaige schwere Symptome seiner Coronavirus-Infektion in der kommenden Woche auftreten. Dies gehe von der Annahme aus, dass der 74-Jährige sich vor kurzer Zeit angesteckt habe, sagte der Covid-Experte David Strain von der University of Exeter am Freitag. In den kommenden vier bis fünf Tagen dürften dagegen eher vergleichsweise leichte Zeichen der Krankheit erscheinen.
 
"Die klassischen Atemwegsbeschwerden würden Mitte kommender Woche auftreten", sagte Strain. Er verwies auf den Verlauf beim britischen Premierminister Boris Johnson hin, dessen Zustand sich am zehnten Tag verschlechtert habe.
 
Trump sagte seinen einzigen, an diesem Freitag vorgesehenen Termin ab: Ein Telefonat mit Senioren über das Coronavirus. Das berichteten die Sender CNN und MSNBC.
 
Mehrere Experten sprachen von der Schwierigkeit, einen Verlauf bei Trump vorherzusagen, der vermutlich die bestmögliche Versorgung erhalten wird. Zwar betrage die Gefahr eines tödlichen Verlaufs auf dem Papier angesichts seines Alters, Geschlechts und Gewichts etwa vier Prozent. Allerdings verweist der Statistik-Experte David Spiegelhalter von der Cambridge University darauf hin, dass Ärzte zunehmend Erfahrung bei der Behandlung der Krankheit haben.
 
Naveed Sattar von der University of Glasgow macht zudem geltend, dass bei Trump keine chronischen Erkrankungen bekannt seien und dass er sich durch sein häufiges Golf-Spielen vergleichweise viel bewege. Dies könnte die Risiken ebenfalls mindern.
 
Ein positiver Coronavirus-Test bei einem Senator könnte unterdessen die Nachbesetzung des freien Postens am Obersten Gericht der USA verzögern. Der Republikaner Mike Lee, der ein Mitglied im zuständigen Rechtsausschuss des Senats ist, gab am Freitag seine Infektion bekannt. Der demokratische Minderheitsführer im Senat, Chuck Schumer, rief das Gremium umgehend auf, das Verfahren zur Ernennung der Kandidatin Amy Coney Barrett auszusetzen, bis das Ausmaß der Corona-Ausbreitung unter den Senatoren klar wird.
 
Die konservative Juristin Barrett ist die Kandidatin von Präsident Trump für die Nachfolge der jüngst verstorbenen liberalen Justiz-Ikone Ruth Bader Ginsburg. Richter am Obersten Gericht werden vom Präsidenten nominiert und vom Senat bestätigt. Die Demokraten kritisieren, dass Trump und die republikanische Mehrheit im Senat mit dem Prozess kurz vor der Präsidentenwahl vorpreschten. Sie warnen, dass Barrett vermutlich für die Abschaffung der Gesundheitsreform von Präsident Barack Obama stimmen würde. Mit Barrett hätten die Konservativen eine Mehrheit von sechs der neun Sitze am Obersten Gericht, das immer wieder strategische Weichen für die US-Gesellschaft stellt.
 
Senator Lee hatte Barrett am Dienstag getroffen. Die "Washington Post" berichtete am Freitag unter Berufung auf informierte Personen, sie sei im Sommer positiv auf das Coronavirus getestet worden und habe sich davon erholt. Am Freitag war ein Coronavirus-Test bei ihr negativ ausgefallen, wie das Weiße Haus US-Medien mitteilte.


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