Hier geriet Zuckerberg ins Straucheln

Befragung vor Kongress

Hier geriet Zuckerberg ins Straucheln

Es ist einer der wenigen Momente während der Marathonsitzung, in denen Mark Zuckerberg ins Schwimmen gerät. Ob der Facebook-Chef das Hotel zu verraten bereit sei, in dem er die vergangene Nacht verbracht habe, fragt US-Senator Rick Durbin. "Äh - - nein", antwortet Zuckerberg nach verlegenem Grinsen und kurzer Denkpause. Und ob er die Leute benennen wolle, mit denen er zuletzt per Messenger-Dienst kommuniziert habe, fragt Durbin weiter. "Senator, nein", dies würde er wahrscheinlich nicht wollen, entgegnet Zuckerberg.
 
Mit seinen Fragen will Durbin den Konzernchef ein wenig vorführen. Ebenso wie Zuckerberg in diesem Moment seine Privatsphäre schützt, hätten auch die Facebook-User das Recht auf Kontrolle über ihre Informationen, hält er dem Gast aus dem Silicon Valley während der Anhörung am Dienstag entgegen, die den gigantischen Datenmissbrauchsskandal bei Facebook aufarbeitet.
 

Dennoch: Souveräner Auftritt

 
Doch Zuckerberg hat sich rasch wieder gefangen. Schließlich gehört der Ausbau des Datenschutzes zu dem neuen Facebook-Credo, das er in seiner insgesamt zweitägigen Aussage im US-Kongress möglichst glaubhaft verkünden will. "Ich denke, jeder sollte Kontrolle darüber haben, wie seine Informationen verwendet werden", pflichtet Zuckerberg dem Senator der oppositionellen Demokraten bei.
 
Der Facebook-Gründer liefert einen weitgehend souveränen Auftritt ab. Er präsentiert sich ernst und nachdenklich, spricht die Senatoren höflich an und hört geduldig zu. Und statt seines üblichen grauen T-Shirts trägt er einen dunklen Anzug und eine blaue Krawatte - womit er sich auch optisch dem steifen Parlamentsambiente anpasst.
 

Akribische Vorbereitung

 
Der 33-jährige Superstar der Internetbranche, der sich mit öffentlichen Auftritten eher schwertut, hat sich akribisch auf die Anhörung vorbereitet. Schließlich muss er nicht weniger als den massiv beschädigten Ruf seines Unternehmens retten. Laut "New York Times" soll Zuckerberg für seine Aussage in Washington ähnlich intensiv trainiert haben wie US-Präsidentschaftskandidaten vor TV-Debatten.
 
Zu Zuckerbergs Strategie gehört es, reichlich Asche auf sein Haupt zu streuen. Gleich zu Beginn der Sitzung bekennt er sich zu seiner persönlichen Verantwortung für die unerlaubte Verwendung der Daten von bis zu 87 Millionen Facebook-Nutzern durch die britische Firma Cambridge Analytica - diesen Datenschatz soll dann das Wahlkampfteam des heutigen US-Präsidenten Donald Trump ausgeschlachtet haben.
 

Zuckerberg nahm Schuld auf sich

 
"Es war mein Fehler, und es tut mir leid", sagt Zuckerberg in dem vollgepackten Ausschussraum 216. Zugleich beschwört er einen Wandel der Firmenkultur. Als "idealistische und optimistische Firma" habe Facebook früher ignoriert, dass seine globalen Netzwerke nicht nur für positive Ziele verwendet werden könnten. Inzwischen arbeitet der Konzern nach seiner Schilderung intensiv daran, Missbräuche zu stoppen.
 
Ob Zuckerbergs Reue- und Reformbekenntnisse helfen werden, den Konzern aus der schlimmsten Krise seiner 14-jährigen Geschichte zu führen, lässt sich kaum abschätzen. Die Parlamentarier gehen zwar überwiegend pfleglich mit ihm um, konfrontieren ihn aber auch mit harten Fragen und Kommentaren.
 

Harte Attacken

 
Facebook habe sich bereits in früheren Jahren immer wieder für Fehler entschuldigt - warum sollte dem Konzern jetzt vertraut werden, dass er die "notwendigen Veränderungen" umsetze, fragt der republikanische Senator John Thune. Sein Kollege Richard Blumenthal von den Demokraten formuliert es schärfer: Das Geschäftsmodell von Facebook basiere darauf, mit Nutzerdaten Geld zu machen - insofern reichten Zuckerbergs "vage Verpflichtungserklärungen" nicht aus.
 
Blumenthal und andere Senatoren drohen Facebook mit schärferer Regulierung: "Der Status quo funktioniert nicht mehr", konstatiert der Republikaner Chuck Grassley. Doch Zuckerberg hat auch darauf eine Antwort parat. Er zeigt sich offen für Regulierungen - "wenn es die richtige Regulierung ist", fügt er aber hinzu. Die Auseinandersetzung um die Zukunft von Facebook hat offenbar gerade erst begonnen.
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