Microsoft-Konkurrent

Slack startet in Europa voll durch

Team-Softwareanbieter nimmt Microsoft nun auch in der "alten Welt" ins Visier.

Der Messaging- und Kommunikationsdienstleister  Slack  will Europa als Wachstumsmarkt noch stärker in den Blick nehmen. Ein entscheidendes Thema für die Kunden in Europa sei, dass ihre Daten auch hier gespeichert würden, sagte der neue Slack-Chef für Deutschland, Österreich und die Schweiz, Oliver Blüher, der Deutschen Presse-Agentur. "Das ist extrem wichtig, keine Frage." Das US-Unternehmen hatte kürzlich die Speicherung auch in Deutschland angekündigt. Ziel sei weiterhin, nach der nun bereits mit Kunden laufenden Testphase im Dezember regulär zu starten. 

Teamsoftware

Slack bietet Unternehmen eine Teamsoftware zur Kommunikation - vom einfachen Chat bis zur komplexen Zusammenarbeit etwa bei Projekten. Dies soll auch eine Alternative zu E-Mails sein. "Wir haben nie gesagt, wir seien ein E-Mail-Killer", betonte Butterfield. Aber Slack sei in vielen Fällen besser. Mittlerweile hat Slack auch eine Verbindung zu E-Mails geschaffen. "Die Möglichkeit einer solchen Brücke ist sehr wichtig." Zudem lassen sich in Slack aktuell viele hundert Apps integrieren und damit andere Anwendungen wie Kalender, Auftragsabwicklung und Projektmanagement direkt ansteuern.

Slack-Chef und Mitgründer Stewart Butterfield hatte die Software 2013 gestartet und ist CEO. Zur Jahresmitte 2019 ging das Unternehmen an die Börse. Mit seiner kostenlosen Basisversion ist Slack besonders bei Start-ups beliebt. Es sei aber keineswegs richtig, dass dies bei großen Unternehmen weniger der Fall sei, sagte Butterfield. Im Gegenteil, Slack sei gerade für Konzerne mit vielen Mitarbeitern ideal und erfolgreich.

Blüher betonte: "60 Prozent der im deutschen Aktienindex DAX-30 gelisteten Unternehmen sind zahlende Slack-Kunden." Einnahmen erzielt der Anbieter nur mit den Bezahlversionen, die in mehreren Stufen unter anderem mehr Features und Datenspeicherung bieten.

Microsoft und Facebook als Hauptkonkurrenten

Neben Slack haben unter anderem Microsoft ("Teams") und Facebook ("Workplace") später gestartete Konkurrenzprodukte - und es gibt noch weitere kleinere Anbieter. Besonders Microsoft drängt massiv in den Markt. "Natürlich spüren wir den Druck", räumte Butterfield ein. Slack verzeichnete zuletzt nach eigenen Angaben rund zwölf Millionen täglich aktive Nutzer, Microsoft "Teams" etwa 13 Millionen.

Butterfield hält im Prinzip auch eine Brücke zur Kommunikation zwischen den verschiedenen Diensten für denkbar. "Wir wären dafür definitiv offen." Zugleich nannte er das aber "sehr komplex" und schränkte ein: "Das ist technisch schwieriger als es scheinen mag."

Größter Markt für Slack sind die USA - gefolgt von Japan. Bereits seit einiger Zeit arbeite rund die Hälfte der Nutzer außerhalb der USA und Kanada. "Europa ist ein enormer Markt." Traditionell sei Slack hier besonders in Skandinavien sehr erfolgreich.

Slack startet neues Büro in München

Vom neuen Deutschland-Standort in München aus sollen neben einem Verkaufsteam auch IT-Mitarbeiter und Kundenberater im Einsatz sein. Beschäftigtenzahlen nannte Bühler nicht. In München hat auch Microsoft seine Deutschland-Zentrale. Und Googles inzwischen größter deutscher Standort ist dort, obwohl die Landeszentrale in Hamburg sitzt.

Slacks Entscheidung für München fiel besonders mit Blick auf das Potenzial großer Unternehmen im Süden. In der Auswahl waren auch Hamburg als Medienstadt und Berlin mit seinen vielen Start-ups, wo Slack aber ohnehin bereits gut vertreten sei. Weltweit hat Slack mittlerweile mehr als 1.800 Mitarbeiter an einem Dutzend Standorten.

Im Juni war Slack an der Börse gestartet. Der Aktienkurs sank seither um mehr als 30 Prozent. Butterfield relativierte: "Der Kurs ist nicht wirklich schlecht." Aber er sei auch sicher alles andere als zu gut.

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