Cannes: Wirbel um österreichischen Film

Michael

Cannes: Wirbel um österreichischen Film

Sonst: Kontrastreiches Programm, Wettbewerb am Wochenende stärker.

Mit dem Wochenende haben die 64. Internationalen Filmfestspiele in Cannes langsam Fahrt aufgenommen. Zumindest, was den Wettbewerb betrifft, denn außerhalb der um die Goldene Palme konkurrierenden Filme befindet sich das Festival ohnehin in kaum endender Partylaune. Mit Johnny Depp und Penelope Cruz tänzelten die Piraten über den roten Teppich, die den vierten Teil der "Fluch der Karibik"-Reihe feierten. Und entlang der Croisette reihte sich am Samstag, 14.5., ein Strandfest an das nächste, teils mit lauten Bässen, teils sogar mit Feuerwerk. Da wurde es auch Zeit, dass mit dem Wochenende auch die Wettbewerbsfilme ein bisschen mehr von sich reden machten - darunter auch der kontroversielle österreichische Beitrag "Michael" von Markus Schleinzer.

Diashow: Stars in Cannes: Filmfestspiele mit Jolie, Pitt, De Niro, Thurman, Depp, Cruz

Stars in Cannes: Filmfestspiele mit Jolie, Pitt, De Niro, Thurman, Depp, Cruz

×


    Kontroverse um österreichischen Film

    "Michael", der einzige deutschsprachige Beitrag in der Konkurrenz, wurde kontroversiell aufgenommen und erhielt nach seiner Premiere sowohl langen Applaus als auch Buh-Rufe. Neo-Regisseur Markus Schleinzer führte das bei der Pressekonferenz am Sonntag darauf zurück, dass der Film das Publikum nicht kalt lässt. Das Drama um einen Missbrauchstäter und ein im Keller gefangen gehaltenes Kind, das die bizarre Normalität des Abnormalen widerspiegelt, ist eindringlich, beklemmend und düster, teils mit schwarzhumorigen und thrillerhaften Anklängen gemischt. Dass der Film polarisiert, damit hat Schleinzer wohl gerechnet: "Ich hatte nicht vor, einen Film zu machen, nach dem dann eine große Party gemacht wird."

    Da sind die Filme
    Auf Party waren aber auch die weiteren bisherigen Filme des Wettbewerbs nicht aus, vielmehr ging es mehrfach um die schwierige Beziehung zwischen Kindern und Erwachsenen. Bei "The Kid with a Bike" von den Dardenne-Brüdern wird ein Elfjähriger von seinem Vater ins Kinderheim gesteckt, wo er durch Zufall der Friseurin Samantha begegnet und in ihr eine Ersatzmutter findet - bis er sich mit einem Kleinkriminellen anfreundet. Bei "Polisse" von Maiwenn dreht sich alles um eine "Child Protection Unit" bei der Polizei, bei "We Need To Talk About Kevin" von Lynne Ramsay um eine Mutter und ihren herzensbösen Sohn. Neben "Michael" erhielten bisher "Footnote" von Joseph Cedar und "The Kid with a Bike" das beste Feedback, Nanni Morettis "Habemus Papam" wurde dagegen durchschnittlich bewertet.

    Markovics: Regiedebüt

    Als zweiter österreichischer Beitrag im diesjährigen Festival läuft am Donnerstag Karl Markovics' Regiedebüt "Atmen" in der renommierten Nebenschiene "Quinzaine des Realisateurs". Auf deutscher Seite stellte der Regisseur Andreas Dresen am Sonntag sein Krebsdrama "Halt auf freier Strecke" in der Nebenreihe "Un Certain Regard" vor. Mit der Auszeichnung der "Carrosse d'or" an den zu mehrjähriger Haft verurteilten, unter Hausarrest stehenden iranischen Filmemacher Jafar Panahi (50) bekam das Festival auch eine politische Note. Die Auszeichnung wird vom Verband der Filmregisseure (SRF) vergeben. Panahi wurde wegen "Propaganda gegen das System" zu sechs Jahren Haft und 20 Jahren Berufsverbot verurteilt.

    www.festival-cannes.com