"Flight"

Der brutale Absturz von Denzel Washington

Mime hat für Alkoholiker - Porträt sechste Oscar-Nominierung eingeheimst.

"Flight" wird es nicht in die üblichen Filmslots der großen Airlines bei Langstreckenflügen schaffen - so viel lässt sich über das neue Werk von Erfolgsregisseur Robert Zemeckis ("Forrest Gump") sicher sagen: Das Porträt des Piloten Whip Whitaker (Denzel Washington) wartet bereits in der ersten halben Stunde mit einer der spektakulärsten und zugleich realistischsten Absturzszenen der Filmgeschichte auf. Dann jedoch erfolgt die dramaturgische Wende und das Action- wird zum Alkoholikerdrama, zur Charakterstudie eines Mannes, der gegen seinen Dämon nicht ankommt. Ab 25. Jänner in den heimischen Kinos.

Hier der Trailer zum Film



Klassischer Katastrophenfilm mit Special Effects
Der Beginn gemahnt noch an die klassischen Katastrophenfilme der 1970er-Jahre, in denen Dean Martin oder Burt Lancaster Abstürzen und anderem Unheil mit einer Zigarette im Mund und dem Whiskeyglas in der Hand begegneten. Bei Whip Whitaker allerdings bleibt es nicht beim einen Glas in der Hand. Die Parole "Don't drink and fly" beherzigt er schon lange nicht mehr. Bevor er in den Flieger steigt, zieht er einen Joint und eine Line Koks durch und kann auch während des Flugs die Hand nicht von der Flasche lassen.

Glück im Unglück
Dessen ungeachtet schafft er es, seine wegen eines technischen Gebrechens im Sinkflug befindliche Maschine so kontrolliert zu einem Absturz zu bringen, dass 96 der 102 Menschen an Bord überleben. Die Turbulenzen, in die Whitaker nach dem Crash gerät, sind allerdings weit heftiger als die Aufwinde zu Beginn. Vom Helden droht der Alkoholiker zum Sündenbock zu werden. Sein skurriler Strizzi-Dealer Harling Mays (John Goodman) beliefert ihn weiterhin mit Stoff, während Don Cheadle den gerissenen Anwalt mimt, der Whitaker - oder besser die Pilotengewerkschaft - vor Klagen schützen soll. Hinzu tritt noch die glänzende Kelly Reilly als Junkie, ungeachtet einer allzu schnellen Genesung in der Filmmitte. Aber auch sie scheitert daran, Whitaker zu helfen.

Absturz bis ins kleinste Detail
Dessen Absturz fällt letztlich tiefer aus als der seiner Maschine. Und dafür nimmt sich Zemeckis in seinem ersten Live-Action-Film nach visuellen Computerexperimenten wie "Die Legende von Beowulf" und "Polarexpress" ausgiebig Zeit. Washington zeigt dabei in ruhigen, dennoch harten Szenen den Verfall eines Mannes, der am eigenen Selbstbild zerbricht. Nicht zu Unrecht hat die Rolle des Whip Whitaker Washington seine sechste Oscar-Nominierung eingebracht hat. Bei seinem ungewöhnlichen Aufbau aus einer ersten halben Filmstunde als brutal-realistischer Actionstreifen und folgendem Personendrama setzt Zemeckis jedoch leider auf ein erwartbar-kitschiges Ende, wobei selbst hier Washington noch brilliert. Der Totalabsturz wird allerdings in letzter Minute schaumgebremst.

(Von Martin Fichter-Wöß/APA

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