"Laurence Anyways": Die (geschlechter-)grenzenlose Liebe im Popgewand

"Laurence Anyways"

Die geschlechterlose Liebe im Popgewand

Dolan konfrontiert im Monumentalwerk Paar mit Transsexualität des Partners.

 Xavier Dolan ist ein wahrer Berserker des internationalen Kinos, der mit gerade einmal 24 Jahren bereits seinen dritten Film als Regisseur ins Kino bringt, den vierten gerade fertigstellt und überdies auch als Schauspieler viel beschäftigt ist: Mit "Laurence Anyways" legt der kanadische Jungfilmer nun ein monumentales, buntes und vor allem schräges Werk vor, das in knapp drei Stunden die Geschichte des Lehrers Laurence und seiner Freundin Fred erzählt, als er sich ihr als transsexuell offenbart. Ab 21. Juni im Kino.

Hier der Trailer zum Film



Transsexualität als Paar-Schock

Laurence (Melvil Poupaud) und Fred (Suzanne Clement) sind schon eine Weile liiert, lieben sich und genießen ihr gemeinsames Leben - bis Laurence Fred gesteht, dass er sich im falschen Körper gefangen fühlt und als Frau leben möchte. Gegen ihre eigenen Ängste und die Widerstände der Außenwelt versuchen die beiden jedoch, an ihrer Liebe festzuhalten, egal in welchem Geschlecht sich Laurence bewegt. Ein harter Kampf um die eigene Identität und die Frage, ob Liebe über Körpergrenzen hinweg funktionieren kann. Die Variation auf das Thema der einen großen Liebe wird dabei über zehn Jahre hinweg verfolgt und verschränkt mit zahlreichen Rückblenden die Zeitebenen.

Bereitschaft zum Formexperiment  
Dolan setzt mit "Laurence Anyways" sein bisheriges Oeuvre konsequent fort, in dem er sich mit durchaus extremem Pathos und Bereitschaft zum Formexperiment in die Lebenswelten Homosexueller vertieft. Anders als bei den Vorläufern "I Killed My Mother" und "Herzensbrecher" ist Dolan diesesmal jedoch nicht vor der Kamera zu sehen, zeichnet dafür aber neben der Regie und dem Drehbuch auch gleich noch für Schnitt und Kostüme verantwortlich - ein radikal persönliches Werk mithin.

Film mit Musikvideo-Charakter

Die Hauptrolle bleibt diesesmal allerdings Melvil Poupard vorbehalten, der die Ambivalenz seines Charakters in berührender Weise ausagiert und seinen Laurence nie der Lächerlichkeit preisgibt. Ihn lässt Dolan durch das offene Montreal der 1990er treiben, wobei die Optik von "Laurence Anyways" im wahrsten Sinn des Wortes ins Auge sticht. Die Figuren und Dekorationen scheinen oft den Musikvideos der 1980er entnommen, auch Maler wie Chagall oder Picasso werden zitiert. Und nicht zuletzt lässt sich diese stilistische Vielfalt im Soundtrack nachvollziehen, changiert die Musik doch von Celine Dion bis Brahms und von The Cure bis Prokofjew.

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