George Clooney peift auf Österreich

Für "Monuments Men"

George Clooney peift auf Österreich

Der Hollywoodstar dreht doch keine Szene für NS-Film in Altaussee.

George Clooney wird bei den Dreharbeiten zu seinem Film "Monuments Men" nicht nach Altaussee kommen. Die betreffenden Szenen der dramatischen Rettung der von den Nationalsozialisten geraubten und verschleppten Kunstwerke gegen Ende des Zweiten Weltkriegs werden ausschließlich im Studio Babelsberg in Potsdam gedreht. Das wurde am Rande einer Pressekonferenz in Berlin bekannt. Das als Grundlage des Films dienende Buch schrieb der Amerikaner Robert M. Edsel. Er stellte sich am 20. Märzin Berlin den Fragen von Journalisten.

Spannendes Thema für Clooney

Wieso braucht es einen Mann aus Texas, der nach seiner Tennisprofikarriere und anschließenden 16 Jahren Ölgeschäft in Florenz Kunst studierte, um ein so spannendes Thema erstmals zu recherchieren? Wieso wurden Zehntausende Bücher über den Zweiten Weltkrieg geschrieben, davon Tausende allein über die Landung in der Normandie, aber kein einziges über den wohl größten Kunstdiebstahl der Geschichte? Wieso war so gut wie nichts bekannt über jene Leute, die unzählige Kunstwerke vor den Nazis gerettet, versteckt und wieder zurückgeführt haben? "Je mehr ich recherchierte und Informationen suchte, desto frustrierter wurde ich", sagte Edsel. Im Jahr 2003 sei er regelrecht besessen gewesen, mehr Informationen zu sammeln. Anlass war damals der Irak-Krieg mit den Schäden an dortigen Museen und Kunstwerken. "Wie konnte man das im Zweiten Weltkrieg so gut hinbekommen?" Im Irak-Krieg seien viele Fehler gemacht worden. Auch wenn es nicht die Schuld der Amerikaner gewesen sei, dass die Museen ausgeraubt wurden: "Man hätte wohl vorausschauender handeln können", meinte Edsel und hofft, dass man daraus Lehren für künftige Konflikte zieht.


Die Zeit drängt

Die Akteure sind betagt. Edsel machte in den vergangenen Jahren lange Interviews mit 17 "Monuments Men" aus der von den Amerikanern und Briten gegründeten Spezialeinheit. Nur noch sechs von ihnen leben heute noch. Der jüngste von ihnen, Harry Ettlinger, ist jetzt 87 Jahre alt.  Die Männer haben bis zu den Interviews kaum über ihre Erlebnisse mit Hitlers Raubkunst gesprochen. Nicht in ihren späteren Berufen, nicht in ihren Familien. Nur wenige hatten versucht, Anfang der 50er-Jahre ein Buch zu schreiben, doch kein Verleger interessierte sich dafür. "Die Leute hatten damals andere Sorgen", erklärte Edsel, "der Kalte Krieg, der Korea-Krieg, und es war noch zu nahe dran an den Ereignissen." Nach 60, 70 Jahren indes seien die Heldentaten der Monuments Men deutlicher geworden. Er wolle deren Geschichte nach Amerika tragen, sagte der Autor, und er wolle damit das Andenken an diese Männer – es waren freilich auch einige Frauen dabei – ehren.

Interviews zu wenig
Die Interviews mit den Zeitzeugen allein waren Edsel zu wenig. Auch wenn sie tief in ihren Erinnerungen kramen konnten, als er ihnen Fotos von damals aus Archiven vorlegte: Es fehlten das Atmosphärische, die Emotionen, die Ängste, das Heimweh. Das entnahm er erst den Briefen, die die Monuments Men damals an ihre Familien geschrieben hatten. Die Familien seien mit den authentischen Briefen sehr kooperativ gewesen. So auch im Falle von James Rorimer, dem späteren Direktor des Metropolitan Museum. Weder im Museum noch in der Familie kannte jemand Rorimers Rolle im Zweiten Weltkrieg. Rorimers Tochter suchte auf Bitten Edsels so lange nach Originaldokumenten, bis sie ihm diese schließlich zwei Wochen vor Manuskriptabgabe überlassen konnte.

Schutz des nationalen Erbes

Dass Italiener, Franzosen, Deutsche, Österreicher versucht hätten, das nationale Erbe zu schützen und zu retten, sei noch verständlich, aber dass sich Amerikaner in Europa dafür engagierten, sei für ihn sehr überraschend gewesen. "Es waren durchschnittliche Leute, die Außergewöhnliches getan haben." Sie seien damals rund 40 Jahre alt gewesen, mitten in etablierten Karrieren, in der Regel verheiratet und mit Familien. Sie hätten also genug Gründe gehabt, lieber nichts zu riskieren, und haben sich dennoch für die gefährdeten Kunstwerke engagiert. Als Kunsthistoriker mussten sie sich ihre Position in der Armee anfangs sehr schwer erkämpfen, später seien sie respektiert worden. Weit mehr als fünf Millionen Objekte waren betroffen. Nicht nur berühmte Gemälde und Skulpturen, sondern auch Kirchenglocken, Thorarollen und wertvolle Gebrauchsgegenstände. Noch immer versuchen Familien, die Rückgabe von geraubten Objekten zu erreichen, es wird indes immer schwieriger. "Jetzt haben wir eine interessante Zeit: Die Zeitzeugen sterben jetzt, die Erben entdecken im Nachlass Fotos und beginnen zu suchen", so Edsel.

Altausee spielt große Rolle im Film
Österreich und das Salzbergwerk in Altaussee spielen eine große Rolle in dieser Kunstraubgeschichte und in dem Buch. Auch im gleichnamigen Film, der mit George Clooney gedreht wird. Allerdings wird keine einzige Szene an den österreichischen Originalschauplätzen gedreht, wie Eike Wolf vom Studio Babelsberg auf Anfrage der APA bestätigte. Anfangs sei erwogen worden, auch in Altaussee zu drehen, doch dann habe man sich dazu entschlossen, die entsprechenden Schauplätze in Babelsberg nachzubauen: "Alle diese Szenen werden in unseren Studios nachgestellt." Der US-Kinostart ist für 18. Dezember geplant, kurz danach soll der Film auch in Europa starten. Obwohl Edsel in seiner Tennis-Profikarriere und dann im Ölbusiness viel erlebt hat, ist das Thema der Monuments Men zu seinem aufregendsten Thema geworden. "Wir entdecken jeden Tag etwas Neues", sagte er. Er hoffe, dass das Buch Millionen Leser und der Film Milliarden Zuschauer finde – und arbeitet am nächsten Buch. Es konzentriert sich auf die Raubkunst in Italien.

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