Josef Hader: Wilde Maus

67. Berlinale

Hader-Debüt "Wilde Maus" feiert Weltpremiere

Kabarettist hat erstes Mal Regie geführt, zeigt Ergebnis auf Festival.

Bereits mit Ende 30 wähnte sich der Kabarettist und Schauspieler Josef Hader in einem Alter, "in dem andere Männer sich kleine rote Sportwagen kaufen" und er "etwas ausprobieren will, von dem ich nicht weiß, ob ich es kann": Regie führen. Nun, wenige Tage vor seinem 55. Geburtstag, zeigt er endlich, dass er's kann: Sein Regiedebüt "Wilde Maus" läuft im Wettbewerb der 67. Berlinale.
 
 
Aufregend
 
Am 11. Februar feiert die Tragikomödie um einen entlassenen, narzisstischen Musikkritiker auf Rachefeldzug Weltpremiere in Berlin, am 14. Februar dessen Drehbuchautor, Regisseur und Hauptdarsteller seinen Geburtstag. Im Rennen um den Goldenen Bären steht Hader arrivierten Regiegrößen wie Aki Kaurismäki und Volker Schlöndorff gegenüber - ein beachtlicher Regieeinstand für Österreichs wohl bekanntesten Kabarettisten, der hierzulande als Schöpfer des Stoascheißer-Karl, Brenner und "Aufschneider" verehrt wird. Es hat sich also nicht nur für Hader persönlich gelohnt: "Das war wirklich die aufregendste Zeit, seit ich mit 20 auf einer Kabarettbühne gestanden bin." Heuer dürfte Hader von Graz über Berlin bis Amsterdam vorrangig eher neuen Film- denn Kabarettstoff liefern. Für die Zukunft schließt er gegenüber der APA weder eine weitere Regiearbeit noch ein neues Kabarett aus: Er wolle künftig "mit beiden Büchern" im Kaffeehaus sitzen.

Ablauf und Infos

Genau 399 Filme aus aller Welt sind bei der Berlinale zu sehen, die als größtes Publikumsfestival der Welt gilt. Weitere rund 700 Produktionen zeigt der European Film Market für professionelle Einkäufer. 18 Filme unter anderem aus Frankreich, Finnland, Deutschland, Großbritannien, Japan, Rumänien, Portugal, Chile, Südkorea und Polen bewerben sich um die Berlinale-Trophäe. Prominent besetzt ist die internationale Jury, die über den Gewinner entscheidet. Jurychef ist der niederländische Regisseur Paul Verhoeven ("Elle"). Zur siebenköpfigen Jury gehören auch Schauspielerin Julia Jentsch ("24 Wochen"), der isländische Künstler Olafur Eliasson, US-Star Maggie Gyllenhaal und der mexikanische Schauspieler Diego Luna ("Rogue One: A Star Wars Story").

Österreichischer Film

Der österreichische Film ist dabei auch abseits vom Wettbewerbsteilnehmer "Wilde Maus" gut vertreten. So ist der Dokumentarfilm "Untitled" von Monika Willi und Michael Glawogger im Panorama sowie das Mystery-Drama "Tiere" von Greg Zglinski im Forum zu sehen. Auch im Kurzfilmwettbewerb sind mit "Fishing Is Not Done On Tuesdays" und "keep that dream burning" zwei deutsch-österreichische Koproduktionen mit von der Partie. Und bei den "Drama Series Days" sucht das österreichische Serienprojekt "Freud" um den Begründer der Psychoanalyse als Profiler Koproduktions- und Finanzierungspartner. Auffällig stark ist heuer auch die heimische Präsenz: Gleich drei deutsche Filmemacher konkurrieren im offiziellen Wettbewerb. Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel") ist mit "Rückkehr nach Montauk" dabei. In der Hommage an den Schweizer Autor Max Frisch und dessen Erzählung "Montauk" spielen Nina Hoss und Stellan Skarsgard die Hauptrollen. Andres Veiel ("Black Box BRD") zeigt den Dokumentarfilm "Beuys" über den Künstler Joseph Beuys. Und Berlinale-Stammgast Thomas Arslan ("Ferien") ist mit seinem Vater-Sohn-Roadmovie "Helle Nächte" am Start.

Superstars 

Für Rummel am roten Teppich werden zwei umschwärmte Superstars sorgen: US-Schauspieler Hugh Jackman wird zur Weltpremiere des Superhelden-Actionfilms "Logan - The Wolverine" (außer Konkurrenz) erwartet. "Twilight"-Star Robert Pattinson kommt, um in der Special-Reihe das Abenteuerdrama "Die versunkene Stadt Z" vorzustellen. Die französischen Stars Catherine Deneuve und Catherine Frot sind in "Ein Kuss von Beatrice" (außer Konkurrenz) zu sehen. US-Schauspieler Richard Gere gehört zur illustren Schauspielerriege des Thrillers "The Dinner". Penelope Cruz kommt mit der Komödie "La Reina de Espana" (Berlinale-Special). Der finnische Kultregisseur Aki Kaurismäki ("Der Mann ohne Vergangenheit") schickt sein neues Werk "Die andere Seite der Hoffnung" ins Bären-Rennen. Darin geht es um einen jungen Syrer, der als blinder Passagier nach Helsinki kommt und dort Asyl beantragt. Außer Konkurrenz zeigt der Brite Danny Boyle "T2 Trainspotting" mit Ewan McGregor und Robert Carlyle - die Fortsetzung des Kultfilms "Trainspotting" aus dem Jahr 1996 über eine Clique junger Drogenabhängiger.

"Django"

Eröffnet wird die Berlinale am 9. Februar mit der Künstler-Biografie "Django". Etienne Comar ("Von Menschen und Göttern") erzählt vom Schicksal des französischen Jazzmusikers Django Reinhardt und dessen Flucht aus dem von Deutschland besetzten Paris im Jahr 1943. Zahlreiche weitere Filme blicken zurück auf Kriege, Konflikte und ihre Folgen für die Gegenwart - sei es in Lateinamerika oder Europa. Die deutschen Filmemacher in der Special-Reihe beschäftigen sich ebenfalls mit zeitgeschichtlichen Stoffen: Als "Volltreffer" bezeichnet Berlinale-Chef Kosslick Matti Geschonnecks "In Zeiten des abnehmenden Lichts" mit Bruno Ganz und Sylvester Groth. "Alle, die schon immer mal wissen wollten, wie es in der DDR war, sollten sich diesen Film ansehen", so Kosslick über die Verfilmung des Bestsellers von Eugen Ruge.