Judi Dench rührte als "Philomena" zu Tränen

70. Filmfestival Venedig

Judi Dench rührte als "Philomena" zu Tränen

Stephen Frears' Adoptionsdrama wurde am Lido weitgehend gefeiert.

Die britische Darstellerin Judi Dench hat das Publikum von Stephen Frears' "Philomena" im Rahmen der 70. Filmfestspiele von Venedig mit einer packenden Performance zu Tränen gerührt. Das Adoptionsdrama, in dem sie an der Seite von Steve Coogan die wahre Geschichte einer irischen Mutter verkörpert, die von Nonnen zur Aufgabe ihres Sohnes gezwungen wird, wurde am Samstag bei der ersten Pressevorführung von den Journalisten weitgehend gefeiert. Gedämpfteren Applaus erhielt dagegen anschließend James Francos brutale Außenseiter-Studie "Child of God".

Der US-Schauspieler und Regisseur gab sich in seiner Cormac-McCarthy-Adaption selbst nur eine Komparsenrolle, dafür ist Scott Haze in der Hauptrolle des vereinsamt in einer Waldhütte lebenden Mannes, der keinen Zugang zur Gesellschaft findet und sich nach und nach gegen sie wendet, fast den gesamten Film über vor der Handkamera. Diese "Mischung aus Serienmörder und Charlie Chaplin" habe ihn am meisten fasziniert, sagte Franco bei der Pressekonferenz am Nachmittag. Haze, den er im Stile von "Taxi Driver" inszenieren wollte, liefert für Franco "die Performance seines Lebens".

Ähnliche Komplimente hat Dench schon des öfteren gehört, und die Charakterdarstellerin überzeugte einmal mehr auf ganzer Linie. "Es ist eine Geschichte, die erzählt werden musste", gab sich die Grande Dame bei der Pressekonferenz überzeugt. "Es ist eine tragische Geschichte", stimmte Regisseur Frears zu, "aber an der Spitze ist es auch eine romantische Komödie." Ob die Verbindung zwischen Philomena Lee und dem BBC-Journalisten Martin Sixsmith, der Lee Jahrzehnte später bei der Suche nach ihrem Sohn hilft, als solche bezeichnet werden kann, liegt wohl im Auge des Betrachters.

Für den Komödiendarsteller Coogan brauchte die Geschichte definitiv ein bisschen Humor - "nicht um den Film zu trivialisieren, sondern um ihm ein wenig die Schwere zu nehmen". Coogan sieht Frears' Werk, das mit den katholischen Figuren im Film nicht gerade zimperlich umgeht, nicht "als polemische Attacke gegen den einfachen Glauben", sondern schlicht als "kritisch gegenüber der Institution Kirche". Auf keinen Fall sollte demnach Philomenas Glauben lächerlich gemacht werden. "Sie ist unglaublich witzig", erzählte Dench über ihr Treffen mit dem realen Vorbild. "Wir haben uns sofort gut verstanden."

Am (morgigen) Sonntag stehen in Venedig die Premieren des US-Films "Parkland" über die Ermordung von John F. Kennedy und "The Wind Rises" des japanischen Altmeisters Hayao Miyazaki auf dem Program. Am Montag wird in Venedig Terry Gilliams "The Zero Theorem" mit Christoph Waltz erwartet.

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