Liebesillusionen in Ulrich Seidls "Paradies"

Filmfestspiele Cannes

Liebesillusionen in Ulrich Seidls "Paradies"

Applaus bei Pressevorführung von Seidls Wettbewerbsbeitrag.

Mit Spannung wurde der erste von zwei österreichischen Wettbewerbsbeiträgen bei den Filmfestspielen in Cannes erwartet - und Ulrich Seidls "Paradies: Liebe" hat die Erwartungen nicht enttäuscht. Nüchternen Blicks folgt er einer österreichischen Sextouristin in Kenia, die aus Sehnsucht nach echten Gefühlen das sexuelle Geschäft mit Liebe verwechselt und nach und nach desillusioniert wird. Den Ausbeutungskreislauf zeigt Seidl, ohne dabei zu werten oder zu urteilen, ebenso den Berg an Vorurteilen, der die weit verbreitete, europäische Haltung gegenüber Afrika verdeutlicht. Bei der ersten Pressevorführung am Donnerstag gab es kurzen, intensiven Applaus, die Premiere des Films ist am Freitag, den 18. Mai.

Liebe
In der Hauptrolle agiert Margarethe Tiesel, die als Theresa auf der Suche nach ein bisschen Glück ist und von einer gewissen exotischen Neugierde getrieben bald als "Sugar Mama" junge, schwarze Männer am Strand des Ressorts begleitet. Die Darstellerin ist fast den gesamten, rund zweistündigen Film über ungeschönt und mit starker Präsenz zu sehen. Die Kamera von Wolfgang Thaler und Ed Lachman sorgt dazu immer wieder für nachhallende Einstellungen. "Liebe" ist der erste Teil der "Paradies"-Trilogie von Seidl, die mit den Teilen "Glaube" und "Hoffnung" der Schwester und der Tochter von Theresa folgt. Für den Regisseur ist es nach "Import Export" 2007 der zweite Wettbewerbsbeitrag in Cannes.

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