Jetzt spricht Handke:

Kuriose Reaktion auf Nobelpreis-Gewinn

Jetzt spricht Handke: "Bin durch die Wälder geeiert"

Der österreichische Schriftsteller Peter Handke erhält den Literaturnobelpreis 2019. Das gab die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften am Donnerstag in Stockholm bekannt. Die prestigeträchtige Auszeichnung ist mit jeweils neun Millionen schwedischen Kronen (ca. 831.000 Euro) dotiert.
 
handke.jpg © APA/HERBERT NEUBAUER
 
 
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So reagierte Peter Handke

 
 
Peter Handke hat alles daran gesetzt, die Klischees, die über ihn im Umlauf sind, zu erfüllen. Nachdem ihn heute der Anruf der Schwedischen Akademie ereilte, ist er in den Wald gegangen: "Ich bin durch die Wälder geeiert, wie ich es eigentlich vorhatte." Das sagte er der APA am Donnerstagnachmittag beim ersten Telefongespräch, das er nach seinem vierstündigen Spaziergang entgegennahm.
 

Vier-Stunden-Spaziergang

 
"Ich bin gerade nach Hause gekommen und bin etwas müde. Ich weiß nicht, ob das Telefon oft geläutet hat, ich war jetzt vier Stunden unterwegs", sagte der neue Nobelpreisträger. Die Schwedische Akademie hatte Glück, ihn zu erreichen. "Gegen 12 Uhr hat das Telefon geläutet und ich dachte, es ist ein amerikanischer Anwalt, mit dem ich mich in Den Haag treffen werde. Ich wollte gerade weggehen. Ich habe mich gefreut. Aber danach bin ich weggegangen."
 
Als er nun nach Hause kam, wartete bereits eine Journalisten-Traube vor seiner Gartentüre. "Ich kann mich ja nicht ins Haus schleichen. Ich bin jetzt auf eine seltsame Weise ein öffentlicher Mensch, wenn so etwas eintritt. Ich kann nicht sagen, dass es mir Spaß macht, die meisten Fragen machen mir keinen Spaß. Ich versuche halt, gute Miene zum nachlässigen Spiel zu machen."
 

Handke: "Nobelpreis sollte man endlich abschaffen"

 
Vor einigen Jahren hatte er noch gemeint, den Nobelpreis "sollte man endlich abschaffen". "Das sind alles abgrundtiefe Gedankenspiele, aber ich hatte noch nie einen ernsten Gedanken dazu", relativierte er heute. "Es ist schon so, als ob das, was man gemacht hat, nun Licht bekommt. Auch wenn alles trügerisch ist: Es ist doch eine Art von Zusatz-Licht, das einem nur willkommen sein kann und für das man dankbar sein muss."
 
Seine Freude sei groß, betreffe aber nicht nur ihn persönlich, so Handke zur APA: "Ich bin ein Anhänger der Weltliteratur, nicht der internationalen Literatur. Der Preis ist eine sehr zwiespältige Angelegenheit und ein ewiges Dilemma. Aber mir kommt vor, ich bin doch ein Leser oder vielleicht sogar ein Schreiber von dem, was Goethe Weltliteratur genannt hat. Wenn dann das Nobelkomitee so entscheidet, dann sind sie auf keinem ganz schlechten Weg, dass die Weltliteratur was bedeutet."
 
Selbstverständlich werde er für die Preisverleihung am 10. Dezember nach Stockholm fahren und dort den Nobelpreis persönlich entgegennehmen: "Wenn ich völlig gesund bleibe, wenn Gott will, fahre ich natürlich dorthin und werde auch etwas sagen." Wird er am Abend mit Freunden feiern? "Ich hab keine Freunde mehr hier in Paris. Meine Frau und ich werden vielleicht hier in Chaville in ein kleines Restaurant gehen. Ich habe heute noch gar nichts gegessen und getrunken."
 
 

Handke-Presseschau international: "In neuen Skandal gestolpert"

 
Äußerst kritisch kommentiert die "Washington Post" die Verleihung des Literaturnobelpreises an Peter Handke: "Handkes Sieg kommt nicht ohne Kontroverse. Das Komitee, das so darauf bedacht war, die jüngsten Skandale hinter sich zu lassen, könnte gerade in einen neuen gestolpert sein", heißt es. Kollegen wie Salman Rushdie hätten schon früher alarmiert auf Handkes Kuschelkurs mit Serbien reagiert.
 
Auch der kosovarische Botschafter der USA, Vlora Citaku, habe die Zuerkennung des Nobelpreises an Handke umgehend verurteilt. Der britische "Guardian" zitiert den slowenischen Philosophen Slavoj Zizek, der auf Handkes frühere Aussage, der Literaturnobelpreis gehöre abgeschafft, sagt: Die heurige Entscheidung beweise, "dass Handke recht hatte". "Das ist Schweden heute", so Zizek. "Ein Apologet von Kriegsverbrechen bekommt den Nobelpreis, während das Land einen wesentlichen Beitrag zum Charaktermord des wahren Helden unserer Zeit, Julian Assange, geleistet hat. Unsere Reaktion sollte sein: Nicht den Literaturnobelpreis für Handke, sondern den Friedensnobelpreis für Assange."
 
Fiammetta Rocco, Kultur-Redakteur des "Economist" und Administrator des "Booker International Prize", plädiert laut "Guardian" dafür, die beiden Preisträger Handke und Tokarczuk "in einem gemeinsamen Kontext" zu sehen: "Sie haben beide offensichtlich sehr unterschiedliche Schreibstile, aber beide schreiben über umstrittene Länder, darüber, wem die Erinnerung gehört und über den zentralen menschlichen Wunsch, Geschichten zu erzählen." Tokarczuk sei bei allen außer der polnischen Rechten beliebt, Handke sei "nicht bei allen so beliebt, außer bei den Anhängern von Slobodan Milosevic. Aber sie werden beide für ihr formales Werk, ihre Imagination und ihren Gebrauch der Sprache geliebt."
 
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