07. April 2012 10:39
Minoritenkirche Krems
Karfreitagskonzert bei "Imago Dei"
Das Kontrabass-Ensemble "Ludus Gravis" spielte in der Minoritenkirche auf.
Karfreitagskonzert bei "Imago Dei"
© oe24

"Licht und Schatten" - unter diesem Motto ist am Karfreitagabend im Klangraum Krems Minoritenkirche das Konzert des italienischen Kontrabass-Ensembles "Ludus Gravis" als vorletzte Veranstaltung des diesjährigen Festivals "Imago Dei" vom Publikum akklamiert worden. Werke von Pärt, Cage, Scodanibbio, Gubaidulina und Ustwolskaja standen auf dem Programm des Abends, der dem Gedenken an den im Jänner verstorbenen Ensemblemitbegründer Stefano Scodanibbio gewidmet war.

Kontrabässe in Krems
Arvo Pärts "Pari Intervallo" ist eine jener Kompositionen, in die man als Zuhörer unmittelbar hineinkippen kann: meditativer Gestus, ruhiges Fließen, tonale Harmonik, polyphones Gewebe, für fünf Kontrabässe hörfreundlich arrangiert von Ensembleleiter Daniele Roccato. Er hat auch das Klavierstück "Dream" von John Cage für vier Kontrabässe eingerichtet und durch diese Instrumentierung das untypische Melodisch-Traumhafte dieses intimen, als Begleitung zu einer Tanzperformance von Merce Cunningham 1948 entstandenen Stücks hervorgehoben. Feinste Mikrostrukturen mit Dutzenden verschiedenen Spieltechniken prägten Scodanibbios "Movimento X", geleitet von Andrea Cappelleri.

Roccato und seine Soloqualitäten
Seine Soloqualitäten konnte Roccato dann nach der Pause bei Sofia Gubaidulinas Sonate ausspielen, mit viel Intuition begleitet von Fabrizio Ottaviucci (Klavier). Hier herrscht eine durchaus bedrückende Grundstimmung vor, die Galina Ustwolkskaja in ihrer Komposition Nr. 2 "Dies irae" noch weit übertrifft: Acht Kontrabässe, Holzwürfel und Klavier stimmen harte, aggressive Akkordattacken an, deren quälende Repetition wie apokalyptische Hammerschläge anmutet, nur die sphärischen Schlussklänge lassen etwas wie Hoffnung zu. "Lux et tenebris" - beides fand sich in allen Stücken, Licht wie Schatten, aus den Saiten der tiefsten, dunkelsten Streichinstrumente in den stimmungsvollen Kirchenraum getragen.