Albertina stellt in St. Petersburg aus

Russland-Eroberung

Albertina stellt in St. Petersburg aus

Expressionismus als europäisches Ereignis: Albertina in der Eremitage.

Über 350 Säle umfasst die Eremitage in Sankt Petersburg. In einem von ihnen sind abden 9. Oktober 55 expressionistische Kunstwerke zu sehen, die der Sammler Herbert Batliner der Wiener Albertina als Dauerleihgabe überlassen hat. Die Sonderausstellung, die heute, Dienstag, Abend von Österreichs Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ) eröffnet wird, ist eine kleine, leicht zu übersehende Insel in einem Meer von architektonischer Pracht und großer Kunst.

Albertina auf Russland-Eroberung
"Ich fühle mich hier weder besonders klein noch besonders groß", meinte Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder zu den Dimensionen des weltberühmten Museums, dessen jährlich rund drei Millionen Besucher nur einen Bruchteil des etwa drei Millionen Objekte umfassenden Sammlungsbestands sehen können. Weder brauche man sich mit der Sammlung Batliner zu verstecken, noch wolle man vom Glanz des russischen Partners profitieren.


Margot Klestil-Löffler als Schirmherrin  

Initiiert wurde die Ausstellung "Expressionistische Meisterwerke aus der Albertina Sammlung Batliner" von Österreichs Botschafterin Margot Klestil-Löffler, die für das im Mai gestartete Kulturaustauschprogramm "Österreichische Kultursaison in Russland 2013-2014" ein absolutes Highlight suchte. "Wir realisieren in diesem Rahmen über 50 Projekte in 17 russischen Städten. Aber wir haben gewusst: Für Moskau und Sankt Petersburg brauchen wir ganz prominente Institutionen." So werden vom 20. bis 24. November die Wiener Philharmoniker im Tschaikowsky-Konzerthaus in Moskau unter Christian Thielemann alle neun Symphonien von Ludwig van Beethoven spielen, und so konnte dank der finanziellen Unterstützung der Sberbank das erste Eremitage-Gastspiel der Albertina seit rund vier Jahrzehnten realisiert werden.

Schiele bleib in Wien
"Wir haben der Eremitage bei der Erstellung der Ausstellung freie Wahl gelassen", sagte Schröder. Die einzige Ausnahme habe den Schiele-Bestand betroffen. Dieser sei nach der jüngsten regen Reisetätigkeit der Kunstwerke derzeit für Leihgaben gesperrt. Rund ein halbes Jahr hat Eremitage-Kurator Mikhail Dedinkin gemeinsam mit seinen Albertina-Kollegen am Ausstellungskonzept gearbeitet. "Die Idee war es, den Expressionismus als europäisches Ereignis zu zeigen, das weit über die 'Brücke' und den 'Blauen Reiter' hinausgeht", so Dedinkin im Gespräch mit der APA.

Außerordentlicher Nolde-Bestand  
Die größten Überraschungen beim Arbeiten mit der Sammlung Batliner sei "der außerordentliche Nolde-Bestand" gewesen, der mit zehn Werken nun "eine Ausstellung innerhalb der Ausstellung" bilde, die Qualität des Gemäldes "Mädchen mit Blumenhut" von Alexej Jawlensky, das in der Schau neben Max Beckmanns "Frau mit Katze" zu sehen ist, sowie der starke Eindruck der Werke Oskar Kokoschkas, der mit fünf Gemälden und vier Zeichnungen aus den Albertina-eigenen Beständen vertreten ist. "Es ist von großer Bedeutung, mit dieser Ausstellung Kokoschka den russischen Besuchern zeigen zu können", versicherte Dedinkin: "Seit ich ihn so intensiv kennengelernt habe, träume ich davon, eine Kokoschka-Ausstellung bei uns zu machen." Die Ausstellung, in der neben Werken von Rudolf Wacker, Herbert Boeckl, Ernst Ludwig Kirchner, Karl Schmidt-Rottluff, August Macke, Edvard Munch, Max Beckmann, Lyonel Feininger und Pablo Picasso u.a. auch Amedeo Modiglianis "Junge Frau in Hemd" gezeigt wird, ist bis 12. Jänner 2014 in der Eremitage zu sehen.

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