Elina Garanca

Krankheitsbedingt

"Best of Festspiele" statt Garanča

Unterhaltsame "Ersatzbank" punktete mit Sängern wie Camarena, u.v.m.

 Erst einmal war die Enttäuschung mit Händen zu greifen. Mezzo-Superstar Elina Garanca fühlt sich nach der Babypause für einen Liederabend doch nicht fit genug. Vom Karten-Rückgaberecht haben dennoch nur wenige Gebrauch gemacht - denn auf der Ersatzbank der Festspiele sitzen Top-Leute wie Krassimira Stoyanova, Javier Camarena, Francesco Meli, Michael Schade, Nicola Alaimo oder Günther Groissböck.

Gerade noch gerettet
Festspiel-Intendant Alexander Pereira hat es wieder einmal geschafft, mit schlechter Botschaft und wie immer holpriger Ansprache gute Laune zu stiften. Tatsächlich kann sich sehen lassen, was er in wenigen Stunden an Spitzensängern zusammengetrommelt hat. Auch wenn dieses Reserve-Programm mit großen Namen ein inhaltliches Durcheinander ohne roten Faden geworden ist: Musikalisch war gestern, Sonntagabend, im Haus für Mozart alles dabei, von "düster-innig" über "geistreich" bis "heldenhaft strahlend" und "witzig-unterhaltsam".

Krassimira Stoyanova eröffnete die Sänger-Parade mit dem riesigen "Ave Maria" der "Desdemona" aus dem "Otello", bevor sich Michael Schade mit drei Schubert-Liedern plagte. Schades wunderschönes Piano wurde durch einige Brüche in der Stimmführung arg irritiert. Auch intonationstechnisch war dabei vieles nicht lupenrein. Erst viel später, bei seinem zweiten Auftritt mit "Morgen" von Richard Strauss, gelang es dem Tenor, seine stimmlichen Vorzüge ohne Holprigkeiten zu großer Wirkung zu entfalten.

Der junge Bariton Manuel Walser - wohl nach dem Ende des "Young Singers Project" noch in der Stadt - konnte mit seinen Schumann-Liedern in der Oberliga der Festspiel-Sänger noch nicht mithalten. Die insgesamt fünf Lieder von Faure und Satie von Marie-Claude Chappuis aus Kanada machten den Qualitätsunterschied in Ausdruck, Stimmtechnik und Artikulation doch sehr deutlich.

Auch Günther Groissböck - "Ochs" im viel gelobten "Rosenkavalier" - demonstrierte, wie klar in der Sprache, ausgewogen im Klang und intensiv phrasiert Schubert klingen kann. Dass auch junge, wenig erfahrene und "namenlose" Nachwuchs-Sänger begeistern können, bewies die Kroatin Diana Haller. Auch sie ist ein "Young Singers Project"-Lehrling der Festspiele. Aber was Diana Haller an Klang und Intensität mit den sperrigen und unsinnlichen Kopfgeburten von Hugo Wolf zu Gehör brachte, war außerordentlich. Den Namen dieser jungen Frau sollte sich merken, wer hochbegabte Stimmen mag.

Zeit für Italianita. Die darf bei keinem Sängerfest fehlen. Und mit Javier Camarena und Nicola Alaimo (beide aktuell in der "Cenerentola" zu hören) haben die Festspiele einen schwergewichtig-witzigen Bariton-Buffo und einen glasklar-strahlenden, geschmeidigen Tenor vor Garancas Vorhang geholt. Die beiden begeisterten mit Gustostückerl von Vincenzo de Crescenzo und Gioachino Rossini. Dann traf Francesco Meli von der nebenan im Großen Festspielhaus gerade zu Ende gegangenen "It trovatore"-Vorstellung ein und schmetterte Herzschmerz von Francesco Paolo Tosti und Giacomo Puccini über die Rampe. Mit der "Cavaradossi"-Arie aus der "Tosca" - dem nicht zu toppenden Endpunkt dieser "Best of Festspiele"-Ersatz-Gala - machte Meli die große Elina endgültig vergessen. Zumindest für diesen Abend.

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