Sergej Filin: Säureanschlag auf Ballettchef des Bolschoi Theaters

Nach Säureattacke

Bolschoi-Theater: Streit geht weiter

Vor Gericht:  Nach Säureangriff treten weitere interne Probleme zutage.

Das weltberühmte Bolschoi-Theater in Moskau und sein Tänzer Nikolai Tsiskaridse haben sich am 12. April einen bitteren Streit vor Gericht geliefert. Das Tribunal in der russischen Hauptstadt hob dabei eine von zwei von Seiten des Theaters gegen den Tänzer ausgesprochenen Verwarnungen auf. Tsiskaridse erklärte daraufhin, in Berufung gehen zu wollen, da er "keinen Unterschied zwischen den Verwarnungen" erkennen könne. Das Theater zieht eine Berufung nach eigenen Angaben derzeit noch in Erwägung.

Säureattacke erregt weiter Gemüter
Das Bolschoi-Theater hatte zuletzt durch die Säureattacke auf seinen Ballettchef Sergej Filin für Schlagzeilen gesorgt. Daneben liefern sich Tsiskaridse und der Generaldirektor des Theaters, Anatoli Iksanow, bereits seit längerem einen Krieg der Worte in den Medien. In einem Interview mit der Zeitung "Moskowski Komsomolez" hatte Tsiskaridse erklärt, mit dem Säureangriff auf Filin nichts zu tun zu haben. Weil das Interview nicht mit der Pressestelle des Theaters abgesprochen war, erhielt er eine Verwarnung, die vom Gericht nun aufgehoben wurde.

Verwarnung wegen Interview

Eine zweite Verwarnung wegen Interviews mit dem russischen Ableger der BBC und dem Fernsehsender Sowerschenno Sekretno (Streng Geheim) wurde unterdessen aufrechterhalten. Die Rüge gab es, weil der 39-jährige Tänzer in den Interviews die Entlassung des Theatermanagements forderte, Intendantin Galina Stepanenko kritisierte und infrage stellte, ob der Säureangriff auf Filin tatsächlich stattfand. "Ich bin das Bolschoi", erklärte der in Russland auch durch seine Auftritte in Fernsehshows bekannte Tänzer vor Gericht auf den Vorwurf, er habe das Theater, in dem er seit 1992 tanzt, beleidigt.

Geschädigter noch in Behandlung

Filin wird derzeit in Deutschland medizinisch behandelt. Die Ärzte hoffen, sein bei der Attacke angegriffenes Augenlicht wieder so weit herstellen zu können, dass er wieder arbeiten kann. Drei Menschen wurden im Zusammenhang mit dem Angriff bisher angeklagt, darunter ein Tänzer. Der Prozess hat aber noch nicht begonnen.