Wien bekommt neuen Kabarett-Tempel

Casa Nova

Wien bekommt neuen Kabarett-Tempel

Viktor Gernot als Zugpferd für 220 Leute fassendes City-Lokal.

Wien bekommt ab September einen neuen Kabarettkeller: Direkt neben dem legendären Cafe Hawelka eröffnet im Herbst das im zweiten Untergeschoß gelegene "Casa Nova". Bis zu 220 Leute sollen hier Abend für Abend Spaß haben. Punkten will Lokalchef Harry Diem, langjähriger Geschäftsführer des Tennis Point Vienna, vorrangig mit Viktor Gernot als Zugpferd, Musikprogramm und tollen Klos. Dank großzügiger WC-Anlagen müsse in seinem Etablissement niemand Schlange stehen, wurde der Hausherr am 19. März  nicht müde zu betonen. In Sachen Geldangelegenheiten - sprich Investitionen und Miethöhe - zeigte er sich indes äußerst zugeknöpft.

Wer nicht wagt ...

Für sein "Wagnis" hat Diem das Kellerlokal, das vor Jahrzehnten bereits von Josephine Baker, Karl Farkas und Ernst Waldbrunn oder Hermann Leopoldi bespielt wurde und zudem als Drehort für den "Dritten Mann" diente, rundum erneuern lassen. Zuletzt veranstaltete Hans Hirschhofer, Inhaber der Köö-Billardcafes, hier bis 2006 Clubbings - ohne allzu großen Erfolg. Mit Hirschhofer sei man sich nun einig über die Miete geworden. Wie viel man für die Innenstadtlage bezahlen muss bzw. welche Investitionen der Umbau verschlungen hat, wollte der selbst ernannte "Fantast" Diem, der auch für das allsommerliche Kabarettfestival im Arkadenhof des Rathauses verantwortlich zeichnet, nicht verraten.

Lange Bar inklusive
Das Konzept für die mit 24 Meter langer Bar und Tischmöblierung ausgestattete Neo-Location, die sich durchaus als Konkurrenz zu Institutionen wie Simpl, Stadtsaal und Co. versteht und 65 Prozent Auslastung im Businessplan stehen hat, fußt auf mehreren Säulen, wobei Kabarett freilich im Vordergrund steht. Großteils setzt man auf bekannte Namen wie Herbert Steinböck, Klaus Eckel, Joesi Prokopetz oder das Duo Weinzettl und Rudle. Allen voran soll jedoch Diem-Intimus Viktor Gernot die Massen in die Dorotheergasse 6-8 locken. Die heimische Kleinkunst-Größe hat sich "freiwillig" verpflichtet, "in einem kleineren Saal zu spielen als ich müsste", versprühte er in der Pressekonferenz Solidarität: "In Turnsäle und Mehrzweckhallen komme ich früh genug", verwies der bekennende "Salon Player" auf Peripherie-Gigs. Gernot wird sein neues Solo - Arbeitstitel: "Ein Blind Date" - in der Bundeshauptstadt ausschließlich hier präsentieren. Worum es gehen wird? "Über Politik, Massenmedien, Urheberrecht, Internetz und warum bei fünf Urinalen sich der zweite, der reinkommt, trotzdem neben einen stellt, obwohl man eh schon im Eck steht", so Gernots etwas diffuser Teaser.

Stille Örtchen als Highlight
Das Thema Abort war beim Pressetermin im übrigen keinesfalls nur Nebenschauplatz. "Es wird niemand warten müssen", versprach der Chef. Denn er selbst kenne von anderen Kabarettlokalitäten das Ärgernis, "wenn die Partnerin in der Pause zehn Minuten verschollen ist". Er könne es sich nicht leisten, "ein neues Lokal aufzusperren, mit unbekannten Künstlern zu befüttern und darauf zu hoffen, dass die auch Opa und Oma mitnehmen", so Diem. Chancen für unbekannte Spaßmacher soll es trotzdem geben - etwa im Rahmen von "Doppelpack", wo zwei Artisten an einem Abend hintereinander auftreten oder auf Publikumswunsch gemeinsam improvisieren. Außerdem ist eine "Comedy-Mix"-Schiene mit drei Künstlern geplant, die sich die Bühne teilen.

Kabarett und Musikabende
Auf einen Blick über den heimischen Tellerrand - beispielsweise nach Deutschland - wird man im Casa Nova aber verzichten müssen, "weil ich dorthin kein Nahverhältnis habe", meinte Diem. Musikabende soll es aber geben - u.a. mit den Rounder Girls, Mat Schuh oder den Global Kryner. Außerdem will der Hausherr mit einer eigenen, für vorerst 100 Abende engagierten Jazzband verhindern, dass die Leute nach den Kabarettauftritten "sofort aufspringen und nach Hause rennen".  Die Kartenpreise sollen zwischen 15 und 45 Euro betragen. Als Partner für den Kartenvertrieb fungiert das stadteigene Unternehmen Wien-Ticket. Dessen Geschäftsführer Matthäus Zelenka sagte, dass Kabarett gemeinsam mit Rock und Pop die beliebteste Eventschiene sei, was ihn freue - denn: "Es tun eh alle zu wenig lachen."

Info
Alle Informationen rund um den neuen Kabarett-Tempel in der Wiener Innenstadt erhalten Sie unter casanova-vienna.at.

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