Luca Faccio zeigt Fotos aus beiden Koreas

"Common Ground"

Luca Faccio zeigt Fotos aus beiden Koreas

Italienischer Fotograf zeigt seine Aufnahmen am Rande der offiziell erlaubten Motive.

 "Mit Sozialpornografie kann man keine Kunst machen", sagt Luca Faccio. Und so sind seine Fotoreportagen aus beiden Koreas, die ab 21. Jänner im Wiener Künstlerhaus ausgestellt sind, weder skandalös noch aufschreckend. Unter dem Titel "Common Ground" versammelt er vor allem das, was Nord- und Südkorea auch nach 60 Jahren strikter politischer Grenzziehung verbindet: Die Menschen.

Strenge Zensur in Nordkorea
"Die Masse vergisst den Einzelnen", so Faccio, der in Wien lebt und mit seinen ungewöhnlichen Fotos aus Krisenherden in aller Welt schon im Irak auf sich aufmerksam machte, bei der heutigen Pressekonferenz. Bei seinen sechs Nordkorea-Reisen war er unter ständiger Begleitung von Zensoren unterwegs. Abgebildet werden dürfen nur die Denkmäler, die Aufmärsche, die Sportereignisse. Gegen einige unaufgeregte Fotos von Passanten hatten seine Aufpasser aber nichts. Auch dass er von einem Denkmal nur die Füße und die davor befindlichen Menschen fotografierte, schien nicht zu stören.


Tricksen mit analoger Fotographie
"Ich fotografiere grundsätzlich nur analog", erklärt Faccio die Tatsache, dass die fertigen Bilder von den nordkoreanischen Zensoren gar nicht gesehen wurden. Doch das Austricksen der Behörden war nicht sein Ziel. "Er hat einzelne Personen herausgegriffen", erläuterte Kurator Lucas Gehrmann die Suche nach dem "Common Ground", "weil das Individuum das Gemeinsame dieser beiden Länder ist". Im Zentrum der Ausstellung hängen zwei Fotos, ein alter Mann, eine alte Frau, in ihren einfachen Wohnungen. Der Mann lebt in Südkorea, die Frau in Nordkorea, beide haben Verwandte im jeweils anderen Land, die sie noch nie gesehen haben.

"Die Berliner Mauer war ein Gartenzaun im Vergleich"  
"Ich habe selbst erlebt, wie sehr die Menschen unter der Teilung leiden", betonte der ehemalige österreichische Botschafter in Seoul, Peter Moser. In Europa interessiere sich heute niemand mehr für die Situation der Leute vor Ort. "Die Berliner Mauer war ein Gartenzaun im Vergleich", vermittelnde Institutionen gebe es nicht, erst kürzlich scheiterte das erst dritte Treffen für getrennte Familien seit dem Waffenstillstand 1953 an den politischen Umständen.

Wünsche Richtung Norden
Die Homogenität der koreanischen Bevölkerung und der Kultur stellt Faccio in seinen Bildern eindrucksvoll unter Beweis. Nur wenn man weiß, dass die eine Hälfte der Ausstellung Nord- und die andere Südkorea zeigt, erkennt man die Unterschiede. Gesichter, Häuserzeilen, ein offener, schüchterner, provokanter Blick, ein Lächeln, eine Straßenszene. Immer wieder Soldaten, in beiden Ländern. Das Sujet, das auch das aufwendige Ausstellungsbuch ziert, ist ein Bild vom Zaun, auf südkoreanischer Seite dicht beklebt mit keinen Fähnchen, auf denen die Menschen ihre Wünsche in den Norden schicken.

Gerüst steht in keinem Zusammenhang
In keinem Zusammenhang steht die Korea-Ausstellung mit dem Samsung-Werbeplakat "auf dem Gerüst, hinter dem das Künstlerhaus seit Jahren verschwindet", betonte Künstlerhaus-Geschäftsführer Peter Zawrel. Das Gerüst könnte allerdings bald Geschichte sein, zumindest wenn es nach der Baubehörde geht, die im Dezember einen endgültigen Abrissbescheid zugestellt hat. Wann und ob der Abbau tatsächlich kommt, ist nach der langen Geschichte des Gerüsts, das von der Stadt schon bisher ohne Genehmigung toleriert wurde, allerdings unklar.

Info
Alle Informationen rund um  die "Common Ground"-Ausstellung von Luca Faccio im Wiener Künstlerhaus erhalten Sie unter www.k-haus.at.

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